Das älteste erhaltene Totenbrett in der nördlichen Oberpfalz, das noch an Ort und Stelle befestigt ist, hängt in Kemnath (siehe Kasten). Da ist sich Harald Fähnrich sicher und klingt stolz. Der Volkskundler aus Tirschenreuth verweist ferner auf einen Artikel, den er 1985 für den Kemnather Heimatboten verfasst hat. Darin widmet er sich den Totenbrettern, die noch bis ins 19. Jahrhundert Brauch in Kemnath waren.
Wenn im vergangenen Jahrhundert ein Kemnather gestorben ist, sprachen die Hinterbliebenen oft von: "Der is af'n Breedl gleng." Tote wurden darauf im Hause aufgebahrt, "damit der Leichnam in der Totenstarre eine gestreckte Lage bekomme", schreibt Fähnrich in seinem Aufsatz. Am Beerdigungstag wurde der Tote dann in den Sarg umgebettet. Das Brett, auf dem der Leichnam zuvor aufgebahrt worden war, hat der Sargschreiner dann behandelt, beschriftet und waagrecht gut sichtbar befestigt.
Und das hatte einen guten Grund: Die Totenbretter sichtbar anzubringen, war laut Fähnrich für Katholiken besonders wichtig, da dies mit dem Arme-Seelen-Glauben zusammenhängt. "Gebetsbretter rufen zum Totengedenken auf", berichtet der Volkskundler in seinem damaligen Heimatboten-Beitrag. "Dazu regt allein schon der Text auf den Brettern an", beschreibt Fähnrich weiter. Auf vielen der Bretter heißt es zum Beispiel "Gedenke meiner im Gebete" oder "Zur frommen Erinnerung im Gebete an ...". Denn mit jedem Gebet sollte die Reinigungszeit des Verstorbenen im Fegefeuer verkürzt werden. Deshalb wurden die Bretter an vielbegangenen Wegen in Kemnath angebracht. So die Gassen und Straßen zur Kirche wie die Schulstraße, die der Kirchweg der Bürger aus dem Berndorf war. Am Anwesen Schützengraben Nr. 18 hingen viele Totenbretter am Giebel, daran führte eine stark frequentierte Gasse vorbei zur heutigen Schulstraße - laut Fähnrich eine Abkürzung zu den Stadeln der Ackerbürger und den Feldern dahinter. Am Braustadel vorbei führte der Kirchweg der Eisersdorfer, unter anderem war es auch die Tour der Wallfahrt zum Armesberg und der Weg der Flurprozession.
"In Kemnath waren die Totenbretter seit über 100 Jahren gerne an Stadel und Scheune angebracht", schreibt Fähnrich in seinem Beitrag. In den Gebäuden lagerten demnach die Erntevorräte der Ackerbürger. "Sicherlich vorrangig nagelte man die eigenen Totenbretter an seinen Stadel." Vielleicht sollte der Totengeist selbst sein ehemaliges Eigentum beziehungsweise das anderer schützen, mutmaßt der Tirschenreuther. "Gerne ging es an solchen Stellen um, war nicht geheuer dort - wegen der Armen Seelen ...". Sobald das Totenbrett verrottet ist, ist auch die Seele des Verstorbenen erlöst. Kemnath war die Stadt der Totenbretter, wie Fähnrich schreibt. "Sie ist es noch heute, denn in der Schulstraße haben sich fast alle Bretter erhalten."














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.