10.02.2019 - 10:44 Uhr
KemnathOberpfalz

Technik und Taktik im Einklang

Achsengerechte Rettung eines Patienten aus einem verunfallten Auto, der Umgang mit Einsatzgeräten des Rettungsdienstes und die Stabilisierung von Unfallfahrzeugen: Der Übungsplan der Kemnather Floriansjünger ist anspruchsvoll.

Trotz Schneefall und frostigen Temperaturen nehmen 30 Floriansjünger an der Übung teil. Die praktische Durchführung findet an mehreren Stationen in geteilten Gruppen statt.
von Michael DenzProfil

Trotz Schneefalls und Minustemperaturen bereiteten sich die Feuerwehrleute aus Kemnath auf die in den Einsätzen oft gestellten Forderungen vor, so dass es für die Rothelme im Ernstfall keine Herausforderungen, sondern geübte Handgriffe und Tätigkeiten sind. Nebst der Stabilisierung von auf dem Fahrzeugdach oder der -seite liegenden Autos durch die Verantwortlichen des Teams „Technische Hilfeleistung“ der Feuerwehr Kemnath wurden die am Übungsabend 30 anwesenden Brandschützer zudem von zwei Kräften des Roten Kreuzes in Sachen „achsengerechter Patientenrettung“ geschult.

Nicht immer spiele der Faktor Zeit bei der Rettung von Personen aus verunfallten Fahrzeugen die übergeordnete Hauptrolle. „Befindet sich der Patient in keiner vitalen Bedrohung, ist ansprechbar und klagt aber über Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule, so ist eine achsengerechte und schonende Rettung vorzuziehen“, erörterte Notfallsanitäter Stefan Binner. „Ist jedoch der Gesundheitszustand des Patienten gefährdet und sind die Verletzungen lebensbedrohlich, so muss die Rettung äußerst zügig erfolgen.“ betont der gelernte Notfallsanitäter, welcher Binner arbeitet hauptamtlich im Rettungsdienst des Kreisverbandes Tirschenreuth und ist dort als Praxisanleiter, wie auch bei größeren Einsätzen als „Einsatzleiter des Rettungsdienstes“ tätig und bei der Feuerwehr Neusorg in seiner Freizeit aktiv.

Die Form der Rettungsmethode werde laut Binner in enger Absprache mit den leitenden Rettungsdienstmitarbeitern und den Führungskräften der Feuerwehr abgestimmt. „Die Verantwortung für den Patienten trägt in allen Fällen der Notarzt, der dadurch auch bei allen durchführenden Maßnahmen die Entscheidungsgewalt hat.“, führt der erfahrene Notfallsanitäter weiter aus. Die bestmögliche Ausführung einer Rettungsmaßnahme sei auch von der Erfahrung der Einsatzmannschaft und der Ausrüstung abhängig. „Dabei spielen die vorhandene Technik und Taktik im Einklang eine besondere Rolle.“

Bei den praktischen Übungen zur achsengerechten Rettung schulte der Notfallsanitäter die Feuerwehrleute auf das richtige Anlegen des sogenannten „KED-Systems“. Hierbei handelt es sich um ein Rettungskorsett, das den Rumpf unterhalb der Achseln umschließt und den Rücken bis über den Kopf hinaus nach dem Schließen der Zugbänder, die am Oberkörper, Oberschenkel und der Stirn angelegt werden, fixiert. Dabei werde die Wirbelsäule vollständig entlastet. „Durch die Verwendung des ‚KED-Systems‘ kann man etwaige weitere Verletzungen, besonders der Wirbelsäule, vermeiden.“

Bei schwergewichtigeren Personen könne man „durch die Anbringung weiterer Schlaufen mit der Drehleiter den Patienten sogar aus dem Auto heben.“, erörterte Stefan Binner diese und weitere Möglichkeit der schonenden Rettung. Daniel Merkl, der hauptamtlich als Rettungssanitäter im Rettungsdienst arbeitet und sich im Fachbereich „Technische Hilfeleistung“ der Kemnather Wehr engagiert, wies seine Feuerwehrkameraden in die Bedienung der Patiententrage und die Funktion der Vakuummatratze ein. Zudem wurde die sogenannte „Umlagerung eines Patienten mittels Schaufeltrage“ geübt.

Norbert Weismeier und Peter Kreuzer wiesen die Kameraden hinsichtlich der Stabilisierung von auf der Fahrzeugseite oder dem -dach liegenden Unfallfahrzeugen ein. Hierbei kam unter anderem die Anwendung der teleskopierbaren Stabilisierungsausrüstung „Stab Fast“ zum Einsatz. Das Augenmerk beim Ansetzen der Ausrüstung lag auf dem Anstellwinkel und dem notwendigen Anschlagpunkt. „Begebt euch nicht selbst in Gefahr, sondern stabilisiert das Unfallauto sicher“, merkte Weismeier an. „Dadurch werden auch Erschütterungen des Fahrzeuges vermieden und so wird einer möglichen Verschlechterung des Verletzungszustands vorgebeugt.“

Die Feuerwehrleute und die beiden Rettungsdienstmitarbeiter machten den Übungsabend außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit in ehrenamtlicher Weise unentgeltlich. Feuerwehrkommandant Peter Denz dankte den anwesenden Floriansjüngern und den Rettungsdienstlern für die Teilnahme und Durchführung der Übung.

Die richtige Anwendung des Stabilisierungs- und Abstützungssystemes "StabFast" wird geübrt an einem auf der Fahrzeugseite liegenden Auto.
Ein Fahrzeug bleibt nach einem "Überschlag" auf dem Dach liegen. Personen sind im Auto und können sich nicht selbst befreien. Bevor die Einsatzkräfte tätig werden müssen diese das Fahrzeug stabilisieren und sichern um sich selbst nicht zu gefährden, sowie etwaige Erschütterungen zum Wohle der Insassen zu unterbinden.
Daniel Merkl (vorne rechts) erläutert die Bedienung der Patiententrage. Stefan Binner (hinten, Mitte) übt mit den Feuerwehrleuten die Anwendung der Schaufeltrage und des "KED-Systems".

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