18.10.2020 - 09:56 Uhr
KemnathOberpfalz

Ur-Kemnath im Untergrund? Realschulbau wird noch teurer

35 Millionen Euro sollte der Neubau der Realschule Kemnath ursprünglich kosten. Doch es wird wohl erheblich teurer: "Mit 40 Millionen Euro werden wir nicht hinkommen", deutete Landrat Roland Grillmeier an.

Auf dieser Fläche soll der Neubau der Realschule verwirklicht werden.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Eher am Rande der Sitzung des Schulausschusses in der Realschule Waldsassen kam die Rede auf das größte Bauvorhaben des Landkreises. In Kemnath ist eine neue Realschule mit Dreifachturnhalle geplant, doch drohen hier die ohnehin nicht gerade geringen Kosten mitsamt dem Zeitplan aus dem Ruder zu laufen. "Das wird eine Herausforderung, das zeichnet sich jetzt schon ab", sagte der Landrat, ohne näher auf die Gründe einzugehen.

In der Sitzungsvorlage wurden drei Stichpunkte unter "Risiken und Herausforderungen" genannt: "Bodendenkmal", "Überschwemmungsgebiet und möglicher Wassereintritt während der Bauphase" sowie "schlechter Baugrund". Bei einem Jour fixe werde die Kostensteigerung mit den Projektsteuerern besprochen, kündigte Roland Grillmeier an.

Im Kern geht es wohl um ein Bodendenkmal, auf das man bei den Arbeiten stoßen könnte. Unter Umständen liegt der Ursprung von Kemnath genau in dem Bereich, in dem das Projekt verwirklicht werden soll.

Der Name Kemnath leitet sich von dem Wort Keminatha ab, welches eine alte Bezeichnung für ein beheiztes Zimmer in einer mittelalterlichen Burg oder Herberge ist. Laut Wikipedia befand sich vom 9. bis ins 13. Jahrhundert ein von den Franken gegründeter Herrschaftssitz nordwestlich der heutigen Stadt. Zudem wird berichtet, dass in der Nachbarschaft dieser Burg eine Herberge für Kauf- und Fuhrleute war.

Diesem beheizten Zimmer hat die Stadt auch ihre erste urkundliche Erwähnung zu verdanken. Als erste Erwähnung gilt eine vom Juli 1008 datierte Urkunde, in der Kaiser Heinrich II. die Übergabe des Orts "Keminatha" an das ein Jahr zuvor gegründete Bistum Bamberg bestätigt.

Die Planer der Realschule halten es für möglich, dass dieses Ur-Kemnath in dem Bereich lag, in dem die neue Realschule mit Sportstätten gebaut werden soll. In einer Kreisausschusssitzung vor wenigen Wochen konfrontierten die Mitarbeiter des beauftragten Büros die Kreisräte erstmals mit dieser Möglichkeit, ohne näher darauf einzugehen. Die Kommunalpolitiker wurden lediglich darauf hingewiesen, dass man erst bei den Grabarbeiten erfahren werde, ob es auf dem Baugrund ein Bodendenkmal gebe oder nicht.

Kreisbaumeister Klaus Weig führte in der jüngsten Sitzung des Schulausschusses aus, dass derzeit mit Hochdruck an der Entwurfsplanung gearbeitet werde. Der Abschluss sei im Oktober geplant. "Wir wollen den Antrag noch in diesem Jahr schaffen, um den erhöhten Fördersatz zu bekommen", unterstrich Weig. Die Ergebnisse der Entwurfsplanung sollten in der Novembersitzung im Kreisausschuss öffentlich vorgestellt werden.

In diesem Zusammenhang lobte der Kreisbaumeister das Planerteam, das seit dem Architektenwettbewerb zu dem Großprojekt in Kemnath Unglaubliches geleistet habe: "Davor habe ich Heidenrespekt. So etwas habe ich noch nie gesehen."

Landrat Grillmeier hob die enge Einbindung der Schulleitung in der bisherigen Planungsphase hervor. "Die Finanzierung wird uns die nächsten Jahre beschäftigen", sagte er abschließend zu diesem Thema.

Im Juni stellte der Architekt die Neubaupläne im Kreistag vor

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Im Sommer präsentierten die Architekten ihren Entwurf für das Schulgelände und sein Umfeld. Historische Fundamente könnten zum Beispiel im Bereich oben links liegen, etwa wo das neue Rasenspielfeld geplant ist.

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