24.07.2020 - 16:15 Uhr
KemnathOberpfalz

Verabschiedung von Ex-Landrat Wolfgang Lippert: "Landkreis enorm weiterentwickelt"

Seit Anfang Mai ist Wolfgang Lippert nicht mehr Landrat des Landkreises Tirschenreuth. Die geplante Verabschiedung fiel den Corona-Beschränkungen zum Opfer. Am Freitag wurde nun alles nachgeholt.

Dem Landrat a.D. Wolfgang Lippert (Mitte) machten am Freitagvormittag ihre Aufwartung: (von links) Personalratsvorsitzender Max Bindl, Regierungspräsident Axel Bartelt, Landrat Roland Grillmeier sowie Richard Reisinger als Vorsitzender der Oberpfälzer Landräte.
von Holger Stiegler (STG)Profil

Knapp drei Monate ist Wolfgang Lippert nicht mehr Landrat des Landkreises Tirschenreuth. Corona-bedingt ging aber die offizielle Verabschiedung durch den Kreistag erst am Freitagvormittag in der Kemnather Mehrzweckhalle über die Bühne.

Zu der Feierstunde konnte Landrat Roland Grillmeier die amtierenden sowie die Ende April ausgeschiedenen Mitglieder des Kreistags, Regierungspräsident Axel Bartelt, den Amberg-Sulzbacher Landrat Richard Reisinger als Vorsitzenden der Oberpfälzer Landräte sowie Personalratsvorsitzenden Max Bindl vom Landratsamt begrüßen. Bartelt nutzte seinen Besuch auch dazu, um allen Verantwortlichen in der Gesellschaft und in der Politik dafür zu danken, die die für den Landkreis schwierige Corona-Situation gemeistert zu haben. „Das war eine beeindruckende Leistung“, so Bartelt.

Lippert’sche Souveränität

Besonders würdigte er das entschlossene und richtungsweisende Handeln von Wolfgang Lippert zu Beginn der Corona-Pandemie. Als Landrat habe Lippert in den vergangenen zwölf Jahren der Region Perspektive, Sicherheit und seinen vollen Elan gegeben. „Du hast zu Recht das Vertrauen der Bevölkerung gehabt“, betonte der Redner. Anhand einiger Beispiele zeigte Bartelt auf, dass der erfolgreiche Weg des Landkreises in den vergangenen Jahren die Handschrift Lipperts trage – vom Baxi über die MINT-Region und die wirtschaftliche Entwicklung bis hin zur Entwicklung eines neuen Selbstbewusstseins als Landkreis. „Auch bei schwierigen Themen hast Du die bestmögliche Lösung erreicht“, so Bartelt.

Landrat Roland Grillmeier würdigte seinen Vorgänger als einen Landrat, der unvoreingenommen an das Amt herangegangen war. „Das war auch eines der Erfolgsgeheimnisse“, sagte Grillmeier. Lösungen für viele schwierige Aufgaben konnten gefunden werden Dank der Lippert’schen Ruhe und Souveränität, dessen Gabe, Situationen aufzunehmen und in passende Worte zu fassen, sowie dem Anhören von Meinungen. „Damit hat er beigetragen, dass sich der Landkreis enorm weiterentwickelt hat“, stellte Grillmeier fest. Wie auf den Treppen der „Himmelsleiter“ sei es in den vergangenen zwölf Jahren meist nach oben gegangen – für den Landkreis und für Wolfgang Lippert. Er selbst, so Grillmeier, sei stolz, Nachfolger dieses Landrats zu sein.

Im Interview blickt Ex-Landrat Wolfgang Lippert auf die vergangenen zwölf Jahre zurück:

Tirschenreuth

Personalratsvorsitzender Max Bindl betonte, dass man 4380 Tage lang einen „bodenständigen und geradlinigen Amtschef“ gehabt habe, der in dieser Zeit die Prinzipien des transparenten Führungsstils und der Kollegialität gelebt habe. Aus diesem Grund würden sich der Wehmut über den Verlust eines guten Chefs und die Freude, dass er den verdienten Ruhestand antrete, vermischen.

„Es ist kein tiefes Loch erkennbar, in das ich stürzen könnte“, sagte Wolfgang Lippert zu Beginn seiner Rede. Nach drei Monaten Ruhestand könne er dies nun schon feststellen. „Die zwölf Jahre als Landrat sind nicht spurlos vorübergegangen“, stellte Lippert fest und griff einige negative Ereignisse dieser Zeit heraus: Der Fall der vernachlässigten und verstorbenen Lea, als dem Jugendamt und ihm persönlich unhaltbare Vorwürfe gemacht worden seien, dann die Zerschlagung der Hotelpläne der Kewog mit den Lindner-Hotels am Sibyllenbad, der frühe Tod seines Stellvertreters Herbert Hahn, das Verhalten der Bafin in Zusammenhang mit der Sparkasse Oberpfalz Nord, die Entwicklung der Kliniken AG mit Standortschließungen, dem „nicht einfachen Partner Weiden“ und „unglaublichen Indiskretionen“ im Aufsichtsrat sowie die Corona-Krise, in der der Landkreis auch durch einen „theatralisch aufgemachten Bericht der ‚Zeit‘“ noch „gebrandmarkt“ worden sei.

Besinnen auf die Stärken

Doch der Landrat im Ruhestand konnte auch viel Positives erkennen: „Der Landkreis ist selbstbewusster geworden und Jammern ist einem Besinnen auf die vorhandenen Stärken gewichen.“ Das würden auch verschiedene Studien eindrucksvoll bestätigen. Die Gründe für die positive Entwicklung sah Lippert in staatlichen Mosaiksteinchen wie beispielsweise Behördenverlagerungen, Stabilisierungshilfen und der Förderoffensive Nordostbayern, aber auch in der Rolle des Landkreises als Ideengeber, beispielsweise beim Baxi, beim Eventbus „Der mim Board“, bei der Erarbeitung einer digitalen Wohnberatung mit dem Fraunhofer-Institut oder beim Pilotlandkreis „Heimatunternehmen“.

Als wesentliche Aspekte für die positive Entwicklung des Landkreises nannte Lippert außerdem die wirtschaftliche Entwicklung, den Schulterschluss der Kommunen ohne Kirchturmdenken sowie ein konstruktives Miteinander im Kreistag und in den Ausschüssen. „Danke für die faire Streitkultur und Eure Kompromissbereitschaft“, sagte Lippert zu den Zuhörern. Es sei gelungen, die Kräfte zu bündeln: „Nicht Eigeninteressen dominierten, sondern das gemeinsame Interesse, den Landkreis nach vorne zu bringen.“ Der Landkreis, so Lippert abschließend in lateinischer Sprache, möge auch weiterhin leben, wachsen und blühen.

Regierungspräsident Axel Bartelt: „Du hast zu Recht das Vertrauen der Bevölkerung gehabt.“
Landrat a.D. Wolfgang Lippert: „Es ist kein tiefes Loch erkennbar, in das ich stürzen könnte.“

 

 

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