06.08.2018 - 16:09 Uhr
KemnathOberpfalz

"Versiegelte" Vitrinen

Im europäischen Mittelalter dienen Siegel als das Beglaubigungsmittel schlechthin. Aber auch in den folgenden Jahrhunderten ist deren Bedeutung ungebrochen, wie eine Ausstellung im Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum zeigt.

Bei einer Führung durch die Sonderausstellung erklärt Museumsleiter Anton Heindl (links) interessierten Besuchern einzelne Ausstellungsstücke.
von Josef ZaglmannProfil

(jzk) "Gestempelt und gesiegelt - eine Zeitreise" ist das Thema der Sonderausstellung, die seit Samstag im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum zu sehen ist. "Im europäischen Mittelalter hat das Siegel wie in keiner anderen Zeit weitreichende Verbreitung als Beglaubigungsmittel gefunden", erklärte Museumsleiter Anton Heindl den zahlreichen Besuchern bei der Eröffnung. Bis heute werde es mit unveränderten Zielsetzungen verwendet: um die Integrität oder die Vertraulichkeit der Handlung oder eines Gegenstandes zu garantieren, Eigentum zu bestätigen und um ein Dokument in Übereinstimmung mit dem Willen des Urhebers zu beglaubigen.

In den Sonderausstellung befänden sich neben Einzelstücken komplette Dokumentensammlungen aus dem 19. Jahrhundert, Petschaften und Utensilien rund um das Siegeln und Schreiben, betonte Heinl. Auch die im Museum vorhandene neuzeitliche Sammlung von Replikaten von historischen Siegeln, der dem Museum überlassene Urkundenschatz der Rittergüter Höflas und Nairitz, die Originalstempel derer von Lindenfels zu Wolframshof seien ausgestellt.

Zu bewundern sind außerdem Siegelstempel und Petschaften aus vielerlei Material, von Messing, Kupfer über Silber, Holz und Glas, Porzellanstempel der ehemaligen Porzellanmanufaktur Wächter in Kirchenlamitz, Siegelabdrucksammlungen aus dem 19. Jahrhundert mit Belegstücken des Hochadels bis ins 17. Jahrhundert, teilweise mit handkolorierten Wappen, und die Sammlung von Replica-Siegeln in Handabgüssen vom Original aus dem Museumsbestand. Zu den Exponaten gehören außerdem gesiegelte Briefe und Urkunden, Reiseschreibschatullen mit Zubehör und ein altes Brieföffnerset. Nicht zu übersehen sind die Deutschen Kaisersiegel (Handabgüsse von historischen Originalsiegeln) sowie eine Siegelsammlung aus Sachsen Anhalt aus dem 19. Jahrhundert. In einer Wandvitrine ist die "Einigung" zum Wasserrecht der Eisersdorfer Mühle ausgestellt. In der anderen Wandvitrine und an den Wänden können Hofnachrichten zu Bällen und Trauerfällen am kaiserlichen Hof in Wien im 19 Jahrhundert nachzulesen. Eine Vielfalt von Notarurkunden in selten vielfältiger farbiger Gestaltung aus Erbendorf, ein Blick auf die Urkunden von Familien aus Weiden vom Vater bis zum Sohn, als Dr. mit Urkunden bezeichnet, und die Geschäftsbücher des Radfahrervereins Concordia in Reuth mit dekorativen Stempelabdrücken der Jahrhundertwende können eingesehen werden.

"Diese neue Ausstellung lässt nahezu keine Wünsche übrig", freute sich der Museumsleiter. Am Eröffnungstag machten einige Besucher von der Möglichkeit Gebrauch, selbst Siegelabdrücke anzufertigen. Heindl dankte bei den Leihgebern aus Neuenreuth, Löschwitz, Kemnath, Trabitz und Grafenwöhr. Die Sonderausstellung verbleibt bis Sonntag, 25. November im Museum. Sie kann zu den normalen Öffnungszeiten an jedem Sonntag von 14 bis 16 Uhr sowie am ersten Sonntag des Monats zusätzlich von 10 bis 12 Uhr besucht werden.

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