27.11.2019 - 15:25 Uhr
KemnathOberpfalz

Zu wenig Wissen über Landwirtschaft

Auch Landwirte aus der Region waren zur Demonstration beim Brandenburger Tor nach Berlin gereist. Oberpfalz-Medien hat mit Junglandwirten über ihre Beweggründe und Eindrücke in der Bundeshauptstadt gesprochen.

Landwirte demonstrierten am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch aus der Region waren Bauern in die Hauptstadt gereist, jedoch mit dem Bus statt mit dem Traktor.
von Michael DenzProfil

Rund 40 000 Landwirte und Interessierte aus ganz Deutschland demonstrierten am Dienstag beim Brandenburger Tor in der Bundeshauptstadt. Einige tausend Bauern waren mit Traktoren angereist. Ein Großteil nahm dafür lieber den Bus, so wie Landwirte aus dem Kemnather Land, dem Stiftland sowie den Landkreisen Neustadt/WN und Bayreuth.Die Initiative "Land schafft Verbindung" hatte zu dieser Aktion aufgerufen. Sie fordert eine Einbeziehung der Landwirte in die Gestaltung der Umwelt- und Agrarauflagen. Bereits vor einigen Wochen hatten Demonstrationen in etlichen größeren Städten stattgefunden, bei denen die Bauern auf ihre wichtige Arbeit und ihre Situation aufmerksam gemacht hatten.

Mit in Berlin war am Dienstag Andreas Koller aus Eisersdorf. Er spricht von einer "großartigen Aktion", an der sich viele Landwirte aus allen Bereichen der Landwirtschaft beteiligt haben. Der 32-jährige Landwirtschaftsmeister ist der Meinung, dass es durch die geplante Verschärfung der Düngevorschriften zu einem Minderertrag und einer Verschlechterung der Pflanzengesundheit kommen werde. "Dadurch kann es vorkommen, dass mehr Pflanzenschutzmittel benötigt wird." Reglementiert sollte die Düngung zwar werden, jedoch dort, wo es sein müsse. "Wir Bauern düngen unsere Felder nach guter fachlicher Praxis", betont Koller.

Keine Buhmänner

Aber nicht nur Bauern, sondern auch die Kläranlagen sind laut dem Landwirtschaftsmeister mehr in die Verantwortung einzubeziehen. "Gewässerschutz ist eine Aufgabe, die mehrere Stellen, gar jeden einzelnen betrifft." Besonders ärgert ihn, die schlechte Stellung seines Berufsstandes in der Gesellschaft: "Wir sind keine Buhmänner."

Er fordert, dass die Grundwasserproben an mehreren Stellen entnommen und die Werte entsprechend geprüft werden. "Mir ist bekannt, dass nur die Grundwasserwerte belasteter Gebiete bei der Auswertung verwendet wurden." Die Landwirte seien eine große Berufsgruppe, "die für ihren Hof und ihre Familie kämpfen", sagt Christian Ziegler aus Baumgartenhof bei Neustadt am Kulm. Derzeit führt sein Vater noch den landwirtschaftlichen Betrieb. Der 25-jährige Landwirt mit der Zusatzausbildung zum Meister und Agrarbetriebswirt empfand die Demo in Berlin als "sehr emotional mit geordnetem Ablauf und gezielter, fachlicher Diskussion". Er habe den Eindruck, dass es viele Menschen mit wenig Wissen über den betrieblichen Ablauf in der Landwirtschaft gebe.

Gut fand er die Diskussionsbereitschaft der Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner. "Sie hat versichert, gemeinsam mit den Landwirten an einen Tisch zu gehen und Lösungen zu finden." Enttäuscht ist Ziegler dagegen von Umweltministerin Svenja Schulze. Sie habe keine Kompromissbereitschaft gezeigt. "Hier waren die Buhrufe auch berechtigt, denn sie griff die Landwirte harsch an."

"Die Landwirtschaft steht in der Luft", meint Patrick Bauer. Der 27-jährige Landwirt mit der Zusatzausbildung zum Agrarbetriebswirt und arbeitet auf dem Hof seines Vaters in Filchendorf tatkräftig mit. "Es war eine Veranstaltung, die sicherlich die Bevölkerung wachgerüttelt hat und die Politik zum Nachdenken und hoffentlich zum handeln bewegen wird."

Umsetzbare Gesetze

Die Landwirte müssten sich für die Zukunft rüsten. "Aber ob die Landwirtschaft noch eine langfristige Zukunft garantiert und die Einnahmen ausreichen, um davon leben zu können, da bin ich mir nicht sicher." Er hofft, dass sich politisch und gesellschaftlich etwas ändert. "Die Gesetze und Vorgaben müssen umsetzbar gestaltet sein."

Besonders ärgern Patrick Bauer die Spotpreise für Lebensmittel aus Fernost sowie die Industrieware in den Supermärkten. "Es braucht eine klare Erkennbarkeit für den Endverbraucher, wo die Lebensmittel herkommen, die in den Regalen stehen."

Landwirte demonstrierten am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch aus der Region waren Bauern in die Hauptstadt gereist, jedoch mit dem Bus statt mit dem Traktor.
Landwirte demonstrierten am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch aus der Region waren Bauern in die Hauptstadt gereist, jedoch mit dem Bus statt mit dem Traktor.
Landwirte demonstrierten am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch aus der Region waren Bauern in die Hauptstadt gereist, jedoch mit dem Bus statt mit dem Traktor.
Landwirte demonstrierten am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Auch aus der Region waren Bauern in die Hauptstadt gereist, jedoch mit dem Bus statt mit dem Traktor.

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