Festredner Hubert Schmid, Leitender Baudirektor an der Regierung der Oberpfalz, verknüpfte in seiner Ansprache am Samstagvormittag beide Aspekte: "Während anderswo in den Innenstädten zahlreiche Gebäude leerstehen und der öffentliche Raum bisweilen stark vernachlässigt erscheint, wurde hier in Kemnath doch vieles richtig gemacht." Die Altstadt präsentiere sich heute als attraktiver Standort für Wohnen, Arbeiten, Handel, Kultur, Soziales und Freizeit.
Um bei einer Stadtsanierung erfolgreich zu sein brauche man einen "langen Atem" und müsse viel Überzeugungsarbeit leisten. Schmid erinnerte an die Aufnahme Kemnaths 1986 in das Bund-Länder-Grundprogramm und im Anschluss in Angriff genommenen ersten Projekte. Zwischen 1987 und 2017 seien fast zehn Millionen Euro an Zuschüssen bewilligt worden.
Mit der Generalsanierung des Rathauses sei in zentraler Lage am Stadtplatz nicht nur ein sehr bedeutendes Einzelbaudenkmal erhalten worden, das Gebäude sei vielmehr auch ein "wertvoller und nachhaltiger Frequenzbringer" für die Altstadt. Mit Blick auf die erhaltenen Fördergelder der Kommune brachte Schmid seine Überzeugung zum Ausdruck, dass diese in Kemnath sinnvoll und vor allem nachhaltig angelegt seien. Auch künftig werde die Regierung der Oberpfalz ein offenes Ohr für Projekte haben, die in Kemnath angestoßen werden. Schmid freute sich, dass gerade auch die Bürger hier "der Stadtsanierung so aufgeschlossen gegenüberstehen".
Auch Bürgermeister Werner Nickl hob in seiner Rede auf die über 30 Jahre währende Stadtsanierung an. Anfang der 1980er Jahre habe der damalige Stadtrat den Beschluss gefasst, die Altstadt mit Hilfe der Städtebauförderung grundlegend zu erneuern und so dem Ausbluten der Innenstadt entgegenzuwirken. "Diese damalige Entscheidung kann heute, über 30 Jahre später, als einzig richtige Entscheidung bezeichnet werden." Ein historisch "glänzender" Stadtplatz mit gut durchdachter Straßenraumgestaltung, prägnanten restaurierten öffentlichen Gebäuden und herausgeputzten Bürgerhäusern sei das Vorzeigeprojekt dieser 30-jährigen Stadtsanierung.
"Aber auch die Seitenstraßen in der Altstadt wurden historisch wertvoll saniert, aus den dunklen Gassen mit alten, teilweise verfallenen Gebäuden mit Hinterhofcharakter sind malerische Seitengassen mit immer neuen reizvollen Blickwinkeln geworden", geriet Nickl ins Schwärmen. Kurz: Es sei ein Erlebnis, durch die Altstadt zu flanieren. Vor allem auch die Grünzonen rund um die Altstadt werteten das Stadtbild und den Verweilcharakter erheblich auf. "Eine besondere Förderung hat die Stadt für Familien mit Kindern aufgelegt, die Wohnhäuser bauen oder erwerben und bewohnen - mit großem Erfolg", betonte Nickl. Bisher seien etwa 400 000 Euro an Gesamtförderung ausbezahlt worden.
In diesen 30 Jahren Stadtsanierung Kemnath sei viel passiert, mehr als 50 Millionen Euro an Gesamtinvestitionen seien getätigt worden. "Weitere Großprojekte wie die Entwicklung des ehemaligen Brauhausgeländes, der Umbau des ehemaligen Lenzbräugebäudes in der Trautenbergstraße zum Bürgerhaus und die Neugestaltung des Cammerloherplatzes warten auf die Umsetzung", versprach Nickl. Deshalb sei die Städtebauförderung weiterhin unverzichtbare Voraussetzung für eine gelungene Stadtsanierung.
Anschließend präsentierte er den Bildband, der mit hoher Förderung der Regierung der Oberpfalz erarbeitet wurde. Auf über 200 Seiten wird in Bild und Text auf die Stadtsanierung in Kemnath zurückgeblickt. "Es war eine Heidenarbeit, die sich aber gelohnt hat. 30 Jahre Stadtsanierung waren eine Erfolgsstory, die nächsten 30 Jahre warten auf eine Fortsetzung", meinte Nickl. Interessierte können sich ein Exemplar des Bildbandes in der Stadtverwaltung abholen.
Rathaus ist „identitätsstiftend“
Glückwünsche zum generalsanierten Rathaus überbrachte der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert. „Damit ist ein vorläufiger Höhepunkt einer erfolgreichen 30-jährigen Stadtsanierung erreicht.“ Er würdigte die Städtebauförderung als wichtiges Instrumentarium, um Projekte wie diese umzusetzen und freute sich, dass sich Bürgermeister und Stadtrat für die „große Lösung“ entschieden hatten. „Man kann nämlich ein Gebäude durch zu kleine Schritte auch zu Tode renovieren“, stellte Lippert fest. Beim Kemnather Rathaus ergänzten sich nun Funktionalität und Schönheit ideal.
Das sanierte Gebäude spreche eine Sprache, habe eine Geschichte, erinnere an Traditionen, strahle eine besondere Atmosphäre aus und sei „identitätsstiftend“. Natürlich würden sich auch die Mitarbeiter des Landratsamts freuen, dass sie hier als Außenstelle eine hervorragende Bleibe gefunden hätten. „Das renovierte Rathaus steht für Mut, Entschlossenheit, Sinn für das Machbare und für eine gute Zukunft.“
Architekt Ralph Stadter betonte, dass man während der Sanierung die Geschichte des Hauses deutlich gespürt habe. Als Planer habe er es mit vielen Herausforderungen zu tun gehabt, die aber seiner Ansicht nach gut gemeistert werden konnten. „Es gab viele Bauherren, deren Wünsche berücksichtigt werden mussten“, meinte Stadter mit einem Lächeln. Die Hauptaufgabe – den Charakter und das typische Erscheinungsbild des Hauses zu erhalten – konnte mit vielen Einzelmaßnahmen erfüllt werden. „Dazu haben wir das Gebäude auf den ursprünglichen Kern zurückgeführt“, erklärte der Architekt. Insgesamt seien bei den Arbeiten böse Überraschungen größtenteils ausgeblieben.
Norbert Kollmer, Präsident des Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS), überbrachte ebenfalls Glückwünsche zur Generalsanierung. Er könne nachempfinden, wie es sei, in der Stadt Kemnath in sanierte Räumlichkeiten einzuziehen: Vor knapp zwei Jahren habe das ZBFS eine Außenstelle im historisch und optisch herausragenden ehemaligen Rathaus und späteren Amtsgericht eröffnet. Den Reigen der Gratulanten beschloss Lieutenant Colonel John W. Copeland vom 709th Military Police Battalion, den Command Sergeant Major Joshua M. Kreitzer begleitete.
















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