23.08.2018 - 13:23 Uhr

"Meine Kinder leuchten wie ein Weihnachtsbaum"

Schüchtern wie Küken oder tobend wie ein Rudel junger Hunde tummeln sich Schulanfänger auf den Bürgersteigen. Praktische Tipps für einen sicheren Schulweg haben Polizei und eine Mutter.

Oft schätzen Kinder Geschwindigkeiten falsch ein. Bild: photophonie - stock.adobe.com
Oft schätzen Kinder Geschwindigkeiten falsch ein.

Nur noch wenige Tage, dann sind sie zurück auf Bayerns Straßen: die Schulkinder! In die bunte Schar der Rucksackbeladenen mischen sich Abc-Schützen im Alter zwischen gut fünf und knapp sieben Jahren. Alle unerfahren, und schrecklich aufgeregt!

"Klar, gerade die Erstklässler sind auf dem Schulweg nicht immer aufmerksam und schon gar nicht berechenbar", schildert Polizeihauptkommissar Albert Brück, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberpfalz. Schüchtern wie Küken oder tobend wie ein Rudel junger Hunde tummeln sie sich auf den Bürgersteigen der Autofahrernation. Verkehrsaufkommen und Unfallrisiko: Stetig steigend. Dennoch haben sich in den vergangenen Jahren im Mittel nur 50 Unfälle ereignet, keiner davon endete tödlich. Aber vielleicht lässt sich das sogar noch verbessern?

Nur keine Hektik

Brück richtet eine imaginäre Erinnerung in den Kalendern aller Verkehrsteilnehmer ein: "Dienstagmorgen, 11. September, und danach: Nicht nochmal umdrehen, lieber fünf Minuten eher aufstehen, damit keine Hektik aufkommt. Und besonders an neuralgischen Punkten: Langsam und vorausschauend fahren, aufeinander achtgeben. So als wäre das eigene Kind unterwegs."

Neuralgische Punkte? Das sind vor allem jene Orte, die Sicherheit vorgaukeln: der Zebrastreifen, die Ampel, die nach Knopfdruck auf Grün springt, und die Bushaltestelle - gefährlich für unerfahrene Stöpsel, die sich nicht vorstellen können, übersehen zu werden.

Gerade hier sind Verkehrslotsen im Einsatz, die den Weg von der Haus- zur Schultür und zurück absichern. "Ich selbst bin Lotsin seit meine Kinder in der Schule sind, aber es gibt auch andere, die sich dafür Zeit nehmen, ohne persönlich involviert zu sein", erzählt Yildiz Schongau, 37-jährige Mutter aus Kümmersbruck. "Ich finde es klasse, dass sich die ganze Gesellschaft so gut um ihre Schwächsten kümmert", bedankt sie sich bei den Freiwilligen mit Kelle, die sich bei Verkehrs- und Schulämtern zum Dienst melden.

Zeit fürs Üben

"Jedes Kind ist anders, Eltern wissen genau, was ihre Kleinen schon können und was noch nicht. Wir empfehlen aber allgemein den Schulweg zu üben. Vielleicht auch mal mit Oma und Opa, mit Schultasche oder ohne, langsam schlendernd oder flott spazierend. Denn je besser die Kinder den Weg kennen, desto besser werden sie in der Lage sein, passende Entscheidungen zu treffen. Auch wenn mal eine Baustelle im Weg ist oder sonst Unvorhersehbares eintritt", empfiehlt Brück.

Sehr oft würden Geschwindigkeiten falsch eingeschätzt: "Um ein Gespür zu entwickeln, braucht es Erfahrungen", schildert Brück. "Auto ist nicht gleich Auto - uns Erwachsenen ist klar, dass ein 500 Meter entferntes Fahrzeug am Horizont kein Risiko darstellt, aber Kinder lernen solche Nuancen erst kennen." Und auch die eigene Geschwindigkeit müsse erst ausgelotet werden, schmunzelt Brück beim Gedanken an zeitvergessenes Bummeln. Und der Polizeihauptkommissar unterstreicht: "Erklärt den Kindern, dass sie den Augenkontakt zu den Fahrern suchen sollen. Denn dass man ein Auto gesehen hat, heißt noch lange nicht, dass man auch von der Fahrerin oder dem Fahrer gesehen wurde."

Die Lotsin und Mutter Yildiz Schongau prüft die klassische Schulanfänger-Einkaufsliste: "Dreieckige Buntstifte, Radiergummi (rot/blau)", abgehakt. Gerade legt sie Reflektoren in den Wagen: "Die kommen an die Jacken, den Schulranzen und den Turnbeutel." 24 Stück? "Oh ja, da kenne ich kein Pardon, meine Kinder sollen hell und weit sichtbar leuchten, wie ein Weihnachtsbaum", sagt sie schmunzelnd. Jetzt fehlt nur noch die Schultüte. Und dann kann's bald los gehen mit dem Losgehen. Richtig. Dienstag, 11. September. (mvs)

Übung macht die Meisterin: ABC-Schützen wie Ronja am Kreuzberg in Schwandorf bereiten sich derzeit auf ihren Schulweg vor. Bild: Maria von Stern
Übung macht die Meisterin: ABC-Schützen wie Ronja am Kreuzberg in Schwandorf bereiten sich derzeit auf ihren Schulweg vor.
Gerade Erstklässler seien auf dem Schulweg nicht immer aufmerksam und damit nicht berechenbar, sagt Polizeihauptkommissar Albert Brück, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberpfalz. Bild: Archivbild: Petra Hartl
Gerade Erstklässler seien auf dem Schulweg nicht immer aufmerksam und damit nicht berechenbar, sagt Polizeihauptkommissar Albert Brück, Pressesprecher der Polizeidirektion Oberpfalz.
 
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