Kirchenthumbach
21.01.2022 - 10:04 Uhr

Evangelische Kirche in Kirchenthumbach wird verkauft

Der Kirchenvorstand hat entschieden, dass die evangelische Johanneskirche in Kirchenthumbach entwidmet und verkauft werden soll. Der Grund: Die anstehende Renovierung ist zu teuer. In der Gemeinde sorgte der Beschluss für Diskussionen.

Die kleine Johanneskirche in Kirchenthumbach wird entwidmet und verkauft. Nach einem längeren Entscheidungsprozess traf der Kirchenvorstand Anfang Januar die schwere Entscheidung. Bild: Kirchengemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach/exb
Die kleine Johanneskirche in Kirchenthumbach wird entwidmet und verkauft. Nach einem längeren Entscheidungsprozess traf der Kirchenvorstand Anfang Januar die schwere Entscheidung.

Die Johanneskirche in Kirchenthumbach ist ein kleines Gotteshaus und seit der Einweihung 1966 Versammlungsort der Evangelischen in dem Ort. Das hat nun ein Ende: Nachdem auch eine Spendenaktion nicht die notwendigen Mittel zusammenbrachte, um das marode Gebäude zu sanieren, beschloss der Kirchenvorstand am 10. Januar, dass die Kirche entwidmet und verkauft werden soll, wie es in einer Pressemitteilung des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Weiden heißt.

Bereits seit einigen Jahren nagt der Zahn der Zeit gewaltig an der Kirche: Der Turm hat Risse, und schon seit längerem dürfen deshalb die Glocken nicht mehr läuten. In der Kirche hat sich Schimmel gebildet und die Elektrik im Untergeschoss ist wegen Feuchtigkeitsschäden am Gebäude marode geworden, muss also dringend erneuert werden, teilt das Dekanat mit. Die Treppe vor dem Eingang ist eine Stolperfalle und auf dem Vorplatz hat sich der Boden abgesenkt.

Bis zu 100.000 Euro für Reparaturen

Es stehen also umfassende Renovierungen an – und die sind teuer. Je nachdem, ob nur die nötigsten Reparaturen erledigt oder alle Schäden behoben werden, reichen die Kostenschätzungen laut Mitteilung von 10.000 bis 100.000 Euro. Zu viel für die kleine Gemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach mit ihren 750 Mitgliedern, von denen rund 200 in Kirchenthumbach leben.

„Das war keine einfache Entscheidung“, berichtet Pfarrerin Anne Utz. „Es war das Ergebnis eines längeren Weges, den wir seit 2019 in der Gemeinde gemeinsam gegangen sind.“ Es habe eine engagierte Projektgruppe gegeben, die eine Zukunftswerkstatt organisiert, sich um Kostenschätzungen bemüht und viele Gespräche mit Gemeindemitgliedern geführt habe. Zudem habe es ein Fundraising-Team gegeben, das auf Firmen zugegangen sei und viele kreative Ideen entwickelt habe.

Spendenaktion reichte nicht aus

Trotzdem seien lediglich zwei Drittel der erforderlichen Mindestsumme von 10.000 Euro zusammen gekommen. „Da die Johanneskirche eine Filialkirche ist – die Hauptkirche der Gemeinde ist die Kreuzkirche in Eschenbach –, sind die Chancen auf Zuschüsse von der bayerischen Landeskirche gering“, erläutert Pfarrerin Utz. „Irgendwann war dann der Punkt da, wo wir sagen mussten: Wir als kleine Gemeinde können das einfach nicht stemmen. Vor der Abstimmung haben wir gebetet und uns Zeit zur Besinnung genommen. Dann haben wir geheim abgestimmt. Der Beschluss war eindeutig: Wir können das Gebäude der Johanneskirche nicht halten.“

Unter den Evangelischen in Kirchenthumbach schwanke die Stimmung nun zwischen Trauer und Zuversicht, berichtet die Seelsorgerin. „Natürlich gibt es hier Menschen, die sich mit dieser Kirche sehr verbunden fühlen und für die es schwer ist, dass wir uns nun von diesem Gebäude verabschieden, denen das wirklich weh tut. Andere sehen eher die Chancen. Sie sind froh, dass jetzt Klarheit herrscht.“

Zukunft des Gebäudes ist ungewiss

Was mit der Kirche und dem dazu gehörenden Grundstück passiert, ist noch nicht geklärt. Offen ist auch, wo und wie sich das Gemeindeleben in Kirchenthumbach weiter entwickeln wird. Pfarrerin Utz sagt, der Kirchenvorstand und die Projektgruppe machten sich dazu nun intensiv Gedanken.

Auf der Gemeindeversammlung am Donnerstag in der katholischen Pfarrkirche in Kirchenthumbach wurde der Beschluss der Gemeinde mitgeteilt und sorgte für intensive Diskussionen. Der stellvertretende Dekan Thomas Berthold erläuterte in Vertretung für den erkrankten Dekan Thomas Guba die Notwendigkeit und die Bedeutung der Entscheidung.

OnetzPlus
Flossenbürg14.01.2022
Hintergrund:

Chronik der evangelischen Johanneskirche

  • 1966: Johanneskirche wird als Filialkirche der evangelischen Kirchengemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach eingeweiht. Inzwischen besteht großer Renovierungsbedarf.
  • 2019: Projektgruppe um Gemeindemitglied Timo Raps gründet sich und sammelt in einer Zukunftswerkstatt zusammen mit Kirchenvorstand, Gemeindemitgliedern und Interessierten Ideen, wie es mit der Kirche weitergehen kann. Es gibt drei Szenarien mit Renovierungskosten von 10.000, 25.000 und 80.000 bis 100.000 Euro.
  • 2021: Im Mai wird eine Spendenaktion ins Leben gerufen. Sie bringt bis Ende des Jahres rund 6300 Euro ein, zwei Drittel der Mindestkosten. Die Evangelischen feiern in Kirchenthumbach ihre Gottesdienste in der katholischen Pfarrkirche, weil der Zugang zur Johanneskirche gesperrt werden musste.
  • 2022: Kirchenvorstand beschließt, dass die Johanneskirche entwidmet und verkauft werden soll.

„Irgendwann war dann der Punkt da, wo wir sagen mussten: Wir als kleine Gemeinde können das einfach nicht stemmen. Vor der Abstimmung haben wir gebetet und uns Zeit zur Besinnung genommen. Dann haben wir geheim abgestimmt.“

Pfarrerin Anne Utz

Weil der Beton des Kirchturms dringend sanierungsbedürftig ist, dürfen schon seit längerer Zeit die Glocken nicht mehr läuten Bild: Kirchengemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach/exb
Weil der Beton des Kirchturms dringend sanierungsbedürftig ist, dürfen schon seit längerer Zeit die Glocken nicht mehr läuten
Schimmel und Feuchtigkeit bereiten in der Johanneskirche und dem darunter liegenden Gemeinderaum große Probleme. Bild: Kirchengemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach/exb
Schimmel und Feuchtigkeit bereiten in der Johanneskirche und dem darunter liegenden Gemeinderaum große Probleme.
Bei einer Zukunftswerkstatt im Oktober 2019 wurden Ideen gesammelt, wie es mit der Johanneskirche und dem evangelischen Gemeindeleben in Kirchenthumbach weitergeht. Bild: Kirchengemeinde Eschenbach-Kirchenthumbach/exb
Bei einer Zukunftswerkstatt im Oktober 2019 wurden Ideen gesammelt, wie es mit der Johanneskirche und dem evangelischen Gemeindeleben in Kirchenthumbach weitergeht.
 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.