„Wenn wir jetzt aufhören, dann ist alles kaputt“, sagt Rainer Knoll, zweiter Vorsitzender der Ortsgruppe Kirchenthumbach des Bundes Naturschutz (BN). Er klingt enttäuscht. Seit rund zehn Jahren pflegt die Gruppe die Landschaft im Steinbruch Kerschgraben und bewahrt so wichtige Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Möglich war das bisher durch Fördergelder des Bayerischen Umweltministeriums. Doch genau diese Gelder fallen jetzt möglicherweise weg.
In der Vergangenheit hat der BN in Kirchenthumbach über den Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald (NOW) die Pflege des Steinbruchs bei der Regierung der Oberpfalz angemeldet. Dadurch erhielt der BN Fördermittel der sogenannten „Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes, der Landschaftspflege sowie der naturverträglichen Erholung in Naturparks“. Doch Ende Januar erreichte den BN ein Schreiben des Naturparks. Inhalt: Das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz habe darüber informiert, dass der Haushalt des Ministeriums „für 2025 bereits nahezu vollständig ausgeschöpft“ sei. Die Fördermittel, die sonst im Rahmen der Landschaftspflege- und Naturpark-Richtlinien (LNPR) zur Verfügung standen, seien in ganz Bayern gestrichen worden.
Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien bestätigt ein Sprecher des Ministeriums, dass man schon jetzt für 2025 allein für Maßnahmen der Landschaftspflegeverbände Mittel „knapp unter dem Vorjahresniveau“ bereitgestellt habe. Die Gesamtausstattung der Landschaftspflegeverbände werde 2025 ähnlich hoch ausfallen wie 2024. Doch „angesichts der großen Vielzahl bereits beantragter und bewilligter Projekte“ müssten „neue Maßnahmen mit Auszahlungszeitpunkt im Jahr 2025 vorübergehend auf wenige Ausnahmen beschränkt werden“. Wieso der BN Kirchenthumbach und viele andere Projekte des Naturparks trotz ähnlich hoher Fördersummen wie im Vorjahr um die finanzielle Unterstützung des StMUV bangen müssen und für welche Maßnahmen die Mittel bereits vergeben wurden? Die Fragen von Oberpfalz-Medien können weder das Bayerische Umweltministerium noch die Regierung der Oberpfalz beantworten.
Gravierende Folgen
Nach Informationen des Naturparks sollen Maßnahmen, die im Jahr 2024 genehmigt wurden, 2025 noch ausbezahlt werden. Alles, was neu beantragt werden muss, darunter auch die Förderung des Steinbruchs, sei noch offen. Welche und wie viele der geplanten Projekte in der nördlichen Oberpfalz konkret betroffen sind, ist der Verwaltung des Naturparks mit Sitz im Landratsamt Neustadt nicht bekannt. Marcel Weidner, Pressesprecher des Landratsamts, teilte mit, dass die Regierung der Oberpfalz den Naturpark dazu aufgefordert habe, die geplanten Projekte in der Landschaftspflege bis Mitte Februar zu priorisieren und zu melden. „Bis Ende März soll dann eine oberpfalzweite Priorisierungsliste an das Umweltministerium durch die Regierung der Oberpfalz verschickt werden“, erklärt Weidner. Es sei nicht bekannt, nach welchen Gesichtspunkten eventuell frei werdende Gelder verteilt würden.
Klar sei aber schon, dass neue Maßnahmen zum sogenannten Streuobstpakt 2025 wohl gar nicht möglich sein werden. Der Beschluss aus dem Jahr 2018 sollte eigentlich dafür sorgen, dass die bayerischen Streuobstbestände erhalten und vermehrt werden. Das Ziel war klar: Bis 2035 sollten zusätzlich eine Million Bäume gepflanzt und bestehende Streuobstwiesen erhalten werden. Noch Ende November des vergangenen Jahres wurden im Zuge dessen im Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald etliche neue Obstbäume gepflanzt.
Der Naturpark warnt vor gravierenden Folgen, sollten Projekte der Landschaftspflege jetzt wegfallen: Wertvolle Arten, Biotopflächen und Lebensräume könnten verloren gehen, die staatlichen Ziele zu den Themen Moorschutz, Biotopverbund und Streuobstpakt könnten verfehlt werden. Zudem befürchtet der Naturpark, das Vertrauen seiner Flächeneigentümer und -bewirtschafter zu verlieren. „Ich halte es für einen Fehler, gerade in diesen sensiblen Bereichen zu sparen“, betont Landrat Andreas Meier, Vorsitzender des Naturparks, gegenüber Oberpfalz-Medien – auch wenn er die finanzielle Lage des Freistaats kenne und „einen gewissen Sparzwang“ verstehe.
Rückzugsgebiet für bedrohte Arten
Laut Umweltministerium werden pro Jahr normalerweise mehr als 5000 Maßnahmen aus dem Bereich der Landschaftspflege gefördert. Dafür wurden im Jahr 2024 „rund 63 Millionen Euro Fördermittel investiert“, teilt das Ministerium auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit. Der Naturpark NOW stellte im vergangenen Jahr Anträge im Bereich der Landschaftspflege mit einem Gesamtvolumen von rund 615.000 Euro, die Fördersumme lag bei etwa 475.000 Euro.
„Was unser Projekt im Steinbruch angeht, reden wir aber über Peanuts“, betont Knoll. Es gehe um circa 5.000 Euro pro Jahr. Der Bund Naturschutz erwarb 2020 als Hauptkäufer das Steinbruchgelände im Kerschgraben in Kirchenthumbach. Seitdem übernimmt die Ortsgruppe die Pflege des Gebiets. Das sei „schon sehr aufwändig“, erzählt Knoll. „Wir arbeiten mit einem Schäfer zusammen, der hat extra noch Ziegen für den Steinbruch angeschafft. Ohne die Tiere läuft es nicht, und es ist auch das naturverträglichste überhaupt.“ Man brauche für die Arbeit aber auch Geräte, die müssten regelmäßig gewartet werden. „All das haben wir bisher von den Fördergeldern gezahlt, jetzt würde das auf unseren privaten Geldbeuteln liegen bleiben, das können wir auf Dauer nicht leisten.“ Wie es jetzt weitergehe, wisse er nicht.
„Wenn wir jetzt aufhören, war die ganze Arbeit und das Geld, das in den letzten Jahren reingeflossen ist, umsonst“, betont der Naturschützer. Dann käme es wieder zu einer Verbuschung, denn die Natur hole sich alles zurück. Das würde schützenswerte Rückzugsgebiete für bedrohte Tier- und Pflanzenarten verdrängen. Im Steinbruch gibt es beispielsweise Schlingnattern, Gelbbauchunken, Zauneidechsen und Rebhühner. „Wir hatten wirklich eine tolle Kooperation mit dem Naturpark Nördlicher Oberpfälzer Wald. Dass wir nicht wie gewohnt weitermachen können, ist ein Desaster“, sagt Knoll.
Förderstopp bis mindestens Mai
Auch Landrat Andreas Meier, Vorsitzender des Naturparks NOW, spricht von „großartigen und auch wichtigen Maßnahmen“, die mit den Fördermitteln in den letzten Jahrzehnten durchgeführt wurden. Der bayernweite Bewilligungsstopp gilt bis mindestens Mai 2025, wie es danach weitergeht, ist unklar. Die Information darüber, dass es keine Förderung mehr gebe, sei ohne Vorwarnung gekommen, bedauert Knoll. Er und die anderen Mitglieder der Ortsgruppe Kirchenthumbach sind wütend – und sie sind sich einig, dass sie nicht einfach aufgeben werden.
Der Steinbruch Kerschgraben
- Ist 7,4 Hektar groß.
- Wurde in den 70er Jahren stillgelegt.
- Liegt am äußersten Rand des Jura-Gebietes Fränkische Schweiz.
- Ist ein Rückzugsort für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten.
- Gehört seit 2020 dem Bund Naturschutz.



























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