28.08.2020 - 10:19 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Geschichte des Wasserbaus in Kirchenthumbach

Wasser - das kostbare Elixier ist unverzichtbar. Doch wie es in die Häuser der Menschen gelangt, hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt.

Spuren des Wasserleitungsbaus: 1904 wurde die erste Wasserleitung in Betrieb genommen. Der dunkle Streifen (vorne) zeigt den verfüllten Rohrgraben. Rechts der Marktbrunnen, im Hintergrund die Bergkirche.
von Fritz FürkProfil

Wasser aus kommunalen Leitungen und auch Abwasser. Diese zwei Begriffe sind bei den Bürgern derzeit in aller Munde. In der Augustsitzung hat der Marktgemeinderat beschlossen, die Beiträge und Gebühren zu erhöhen. Dies bedeutet, die Kunden müssen tiefer in die Tasche greifen. Doch Trinkwasser ist für den menschlichen Bedarf lebensnotwendig und es ist ein Lebensmittel, zu dem es keine Alternative gibt. Dass Wasser mit hoher Qualität in die Häuser kommt, dafür sorgen in der Regel die Kommunen. Den Preis dafür zahlen die Bürger mit Herstellungsbeiträgen und Verbrauchsgebühren.

Doch wie war das früher? Dieser Frage ist Heimatkundler Fritz Fürk nachgegangen: Schon 312 vor Christus verfügten die Römer über eine Wasserversorgung, wie noch heute Teile von Aquädukten beweisen. Eine erste Wasserversorgung in Europa wurde in Hamburg gebaut. Grund war nicht die Trinkwasserversorgung, sondern eine ausreichende Löschwasserversorgung.

Ab 1904 geordnete Wasserversorgung

In Kirchenthumbach mussten die Bürger bis zum Jahr 1904 auf eine geordnete Wasserversorgung warten. Zu verdanken war dies dem Bau der Eisenbahnlinie Kirchenthumbach-Pressath. Für die Dampflokomotiven der 64er Baureihe wurden größere Mengen Wasser zum Be- und Nachfüllen der Dampfkessel benötigt.

Vor dieser für die damalige Zeit hochmodernen Wasserversorgungseinrichtung schöpfte man Wasser für Mensch und Vieh aus Brunnen und Bächen. Es gab drei öffentliche und zahlreiche private Brunnen. In einem Geschichtsbeitrag von Pfarrer Paulinus Fröhlich von 1951 heißt es unter anderem: "Am Brünnlein hab ich oft gerauscht, wissen möcht ich gern, was es heimlich rauscht. Das war einmal – damals, als sie noch standen, die zwei Rohrbrunnen auf dem oberen Platz, ein größerer Brunnen im Quatro und unterhalb das Rathauses ein kleinerer, bis sie - die Thumbacher - eines Tages die Erde aufrissen und ein neues Wasser von Tagmanns her durch eiserne Rohre in jedes Haus leiteten."

Mit Eimern Wasser geschöpft

Als die alten Brunnen am Marktplatz noch funktionierten, haben Knechte und Mägde und die kleinen Leute das Wasser in Eimern geholt. Als in den stillen Sommernächten das Leben in den Häusern längst erloschen war, gab es am Brunnenrand noch Stelldicheins. Manches Herzensbündnis wurde unter den Gaslaternen geschlossen, gar manches auch wieder getrennt.

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Eschenbach

Gespeist wurden die beiden Brunnen mit Wasser aus dem "Binsenrängel". Die Brunnstube befand sich neben dem Kirchsteig, Richtung Asbach. Das Wasser lief durch von Hand gehauene Holzrohre Richtung Marktplatz. Zwischenstation machte es am Grubbach, in einem Holzschacht, ehe es zwischen den Anwesen Michl und Heringklee, damals Rupprecht und Stengel, direkt zum Oberen Marktbrunnen lief. Der Überlauf speiste den Unteren Marktbrunnen. Dieser bestand aus einem alten Kupferkessel aus dem Kommunbrauhaus.

1664, so ist dokumentiert, herrschte ein strenger Winter. Die Rohre waren zugefroren. Wochenlang musste man sich mit Wasser, meist Eisschollen, aus dem Thumbach und Grubbach oder den Weihern begnügen. Die beiden Brunnen am Marktplatz hatten einen ungleichen Bruder auf der Wident (Windt). Sein Standort war gegenüber dem Elisabethenheim an der Ecke Lettengasse/Burgring. Es war ein Ziehbrunnen.

Pfarrer Fröhlich beendete seinen Aufsatz mit der Feststellung: "Keiner der drei Brunnen steht mehr. Wo heute die Trümmer liegen, weiß ich nicht. Aber das weiß ich, dass mit den lieben alten Brunnen ein Stück Heimat und eine gute alte Zeit verschwunden sind für immer."

Uhlbrunnen fließt noch

Ein Brunnen aus alten Zeiten fließt noch, der Uhlbrunnen am Eingang zur Mühlbachstrasse hinter dem Anwesen Eckert (Schwarzgergel). Früher hieß die Straße Bochgass und die untere Bahnhofstraße war die Fahnenschmiedgass. Das Wasser wurde für das Brauen von Bier verwendet. Bis 1871 stand dort das Kommunbrauhaus, ehe es dem großen Brand von Kirchenthumbach zum Opfer fiel. Das neue Brauhaus wurde in der Färbergasse (früher Teifelsgass) erbaut. Die Ära der modernen Wasserleitung mit Hausanschlüssen begann um 1902. Grund war der Bau der Eisenbahnstrecke Pressath-Kirchenthumbach. Man brauchte Wasser zum Befüllen für die Dampfkessel der Lokomotiven. Die Gemeinde unter den Bürgermeistern Johann Hammer und Franz Eckert packten die Gelegenheit am Schopf: Das Königreich Bayern förderte das Vorhaben mit hohen Zuschüssen. Die Umsetzung war dennoch teuer und technisch sehr anspruchsvoll.

Im "Saugraben" zwischen Burggrub und Sassenreuth wurde eine Wasserader angezapft. Mit Gussrohren wurde das Wasser im freien Lauf nach Kirchenthumbach gefördert. Zwischenstation machte das köstliche Nass in einem Pumphaus unweit des Grubbaches unterhalb der Arztpraxis Dr. Schreglmann. Von dort wurde es zum Hochbehälter auf der Kreuzleite gepumpt, ehe es in die Häuser verteilt werden konnte. Doch die Freude über die moderne Technik hielt nicht lange an. Das Wasser aus dem Saugraben führte Flötzsand mit sich. Die Folge: Die Gußrohre legten sich mit Sand an, der Durchlauf wurde immer geringer. Hinzu kam nach dem Zweiten Weltkrieg der Zustrom von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, mit dem die Einwohnerzahl anstieg. Der Gemeinderat mit den Bürgermeistern Josef Albersdorfer und Hans Schuller reagierte und fand am Pröller eine ergiebige Quelle, dem Kropfbrunnen. Das Pumpwerk, in dem das Wasser zur Kreuzleite gepumpt wurde, wurde 1948 errichtet und steht heute noch. Jetzt wird es vom Fischereiverein genutzt.

Hintergrund:

Bau der modernen Wasserleitung ab 1972

Unter Bürgermeister Alois Lotter wurde 1972 der Bau der heutigen Wasserleitung in Angriff genommen und 1976 unter Bürgermeister Gerhard Sporer fortgesetzt. Bei Burggrub wurden Tiefbrunnen gebohrt. Aufbereitungsanlagen und Hochbehälter wurden errichtet in Burggrub, Asbach, Görglas und auf dem Kütschenrain.

Unter den Bürgermeister Johann Kleber und Fritz Fürk wurde die Wasserversorgungsanlage stets verbessert und alle Ortsteile mit Ausnahme die Einöde Knittlhof an die zentrale Anlage angeschlossen. Stück für Stück wurden im Zuge von Straßenbaumaßnahmen innerorts neue Wasserleitungen verlegt. Ein Prozess, der nie enden wird. Derzeit wird zwischen Görglas und Sommerau ein neuer Hochbehälter gebaut. Dieses Projekt wurde den Bürgern allerdings noch nicht transparent gemacht.

Martin Kohl hat ein Stück Wasserrohr aus Fichtenholz aufgehoben. Es dürfte mehrere 100 Jahre alt sein. Es ist Teil der Rohrleitung vom Binsenrängel zum Marktbrunnen.
Der Obere Marktbrunnen nach einer Zeichnung von Lehrer Schriml im Jahr 1951.
Diese Zeichnung zeigt den Markt Kirchenthumbach um 1730 mit dem Oberen und dem Unteren Marktbrunnen.
Das 1948 erbaute Pumphaus am Ende der Mühlbachstraße steht noch. Es pumpte das Wasser aus dem Kropfbrunnen zum Hochbehälter auf der Kreuzleite.
Der Uhlbrunnen in der Mühlbachstraße hat bis 1871 Wasser für die Kommunbrauerei geliefert. Der Brunnen läuft heute noch.
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