24.11.2021 - 11:40 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Hausbauen in früheren Zeiten: Kein Bagger, kein Bier

In Kirchenthumbach wird derzeit fleißig gebaut. Doch auch vor 70 Jahren zogen Bürger Hauswände in die Höhe – damals aber noch anders als heute. Es war noch härtere Arbeit.

So sahen 1951 die Rohbauten in der Kreuzleite in Kirchenthumbach aus. Gebauten wurden sie ohne große Maschinen.
von Fritz FürkProfil

Die "Kreuzleitler," heute die Bewohner der Kirchenthumbacher Buchberger-, Gartenstraße und der Waldstraße, können heuer ein Jubiläum feiern. Vor 70 Jahren wurden in den drei Straßenzügen die ersten Einfamilienhäuser errichtet – ein anstrengendes Unterfangen.

Wohnraum war damals knapp in Kirchenthumbach. Die Bevölkerungszahlen schnellten nach oben. Hinzukamen die zahlreichen Heimatvertriebenen aus Schlesien und dem Sudetenland. Die Gemeinde konnte keine Grundstücke anbieten. So kam man auf die Idee mit Unterstützung von Bürgermeister Hans Schuller, bei der Kirche, bei der Pfarrpfründestiftung, anzuklopfen. Pfarrer Josef Bollmann stand hinter der Idee und knüpfte Verbindungen mit der Diözese Regensburg. Bald kam die Zusage aus der Domstadt. Im sogenannten Erbpachtverfahren mit einer Laufzeit von 99 Jahren stellte die Pfarrpfründestiftung Baugrundstücke für 26 Häuser zur Verfügung. Die Gemeinde dankte dem Bischof und gab der Buchbergerstraße seinen Namen.

Dann konnte das Bauen beginnen.

Mit Pickel und Schaufel

Die Baugruben wurden mit Pickel und Schaufel ausgehoben. Zur damaligen Zeit standen keine Maschinen wie Bagger zur Verfügung. Die Schubkarren hatten eiserne Räder, was das Schieben umso schwerer machte. Die Keller wurden mit Kalksteinen gemauert und aus den Steinbrüchen rund um Kirchenthumbach gebrochen. Die Hohlblöcke bestanden unter anderem aus Schlacke von der Hochöfen der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg. Das Stück kostete eine Mark. Die Steine lieferte die Firma Vetterl aus Michelfeld. Der Sand zum Mauern musste mit Schaufeln in einer Sandgrube bei Auerbach aufgeladen werden. Das Fuhrunternehmen Baptist Heindl hat den Transport mit seinem Lastwagen, einem roten Ford, übernommen. Die Fuhre kostete 20 Mark, wobei Heindl selbst mit schaufelte. Für einen Sack Zement musste man 3,50 Mark hinblättern und für einen Sack Kalk 3 bis 4,50 Mark. Das war sehr viel Geld für die kleinen Häuslbauer, die ja nicht viel Arbeitslohn nach Hause trugen.

Zement sparen

Der Mauerkalk wurde selbst gelöscht. Zement wurde nur verbaut, wo er dringend notwendig war. Der Mörtel wurde mit Hand in einer Mörtelpfanne angerührt. Das war meist Frauenarbeit. Die Elektroleitungen wurden auf Putz verlegt. 300 Euro kostete das damals. Zentralheizungen waren kein Thema. Auch der Einbau von Badezimmern und Toiletten, einst noch Abort genannt, wurden zurückgestellt. Es war kein Geld für solchen Luxus da. Das "Haisl" stand im Garten. Das war nicht immer angenehm vor allem im Winter. Die Eindeckung mit Doppelbiber-Betondachsteinen plus Firstdachsteine für das gesamte Haus schlug mit 912 Mark zu Buche. Haustüre und Fenster konnte man sich noch leisten. Die Zimmertüren mussten warten, bis wieder Geld angespart war. Insgesamt 26 Häuser wurden aus dem Boden gestampft. Errichtet wurden auch Nebengebäude. Viele Siedler fütterten ein Schwein, Stallhasen waren ebenso anzutreffen, wie Ziegen, Hühner, Enten und Gänse. Selbstversorgung hieß das Gebot der Stunde.

Gebaut wurde in der Regel drei Jahre lang. Eine kürzere Bauzeit ließ der Geldbeutel nicht zu. Die Maurerstunde kostete 1,41 Mark. Bier auf der Baustelle gab es nicht. Getrunken wurde unter anderem Preiselbeerwasser. Dazu wurden eingeweckte Preiselbeeren mit kaltem Wasser aufgegossen. Zeitgleich wurden in der Buchbergerstraße drei Wohnblöcke mit 18 Wohneinheiten gebaut. Bauträger war die Gemeinnützige Wohnungsbau GmbH. In die Wohnungen zogen überwiegend Flüchtlinge ein. Als die Heimatvertrieben ihren Lastenausgleich ausbezahlt bekamen, sah man in der Buchbergerstraße die ersten Autos stehen. Es waren VW-Käfer, NSU-Prinz, Gogomobile und Zündapp - Janus. Weitere Baugebiete wurden anfangs der 60er Jahre in der Bayreuther Straße und im Gebiet Nickelsee erschlossen. Dafür machte sich Bürgermeister Alois Lotter stark.

Bahnhof Kirchenthumbach: Zug durch die Vergangenheit

Kirchenthumbach
Der Blick auf die Buchbergerstraße im Jahr 1954.
Bischof Dr. Michael Buchberger und BGR Josef Bollmann haben es möglich gemacht, dass in der Kreuzleite in Kirchenthumbach ab 1951 Eigenheime gebaut werden konnten. Vorne Pfarrer Bollmann. Das Foto entstand am 1. Juli 1951 nach einem Pontifikalgottesdienst.
Eigenheime wie dieses von Rosa und Georg Fürk entstanden ab 1951 in der Kreuzleite, heute Buchbergerstraße.
Hintergrund:

Wo die Baumaterialien früher herkamen

  • Kalksteine aus den Steinbrüchen rund um Kirchenthumbach
  • die Schlacke für Hohlblöcke von den Hochöfen in Sulzbach-Rosenberg
  • Sand aus der Sandgrube bei Auerbach
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