19.11.2020 - 16:00 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

"Hilfe für Anja" hilft auch nach 20 Jahren noch

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56.260 registrierte potenzielle Knochenmarkspender in 20 Jahren: Das ist ein Jubiläums-Ergebnis, auf das der Kirchenthumbacher Verein "Hilfe für Anja" stolz sein kann. Damit es noch mehr werden, muss die Aktion wegen Corona neue Wege gehen.

Mit einem Wangenabstrich kann möglicherweise Leben gerettet werden. Der Verein "Hilfe für Anja" sucht auch in Zeiten von Corona potenzielle Knochenmarkspender.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Mit Anja aus Oberviechtach, einem kleinen schwerkranken Mädchen, fing vor 20 Jahren alles an. Das Schicksal des Kindes, das damals in jungen Jahren mit Morbus Farquhar – einer Krankheit, bei der sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper stellt, – zu kämpfen hatte, bewegte Michael Sporrer aus Kirchenthumbach zu tiefst. Er wollte helfen und begann, potenzielle Knochenmarkspender für das Mädchen zu suchen. Als Fan des 1. FC Nürnberg organisierte er die erste Typisierungsaktion vor dem Nürnberger Fußballstadion. Es folgten viele weitere – beispielsweise in Auerbach. 2011 gab es dann endlich einen Treffer, erinnert sich der heute 52-Jährige. Das sei für ihn auch einer der bewegendsten Momente in den 20 Jahren des Vereins gewesen. Ein 30 Jahre alter Portugiese konnte der kleinen Anja helfen. "Ihr geht es gut", freut sich Sporrer noch viele Jahre später. "Erst heute früh haben wir geschrieben." Mittlerweile ist die junge Frau sogar Teil des Vorstands des Vereins "Hilfe für Anja".

Nachdem Anja geholfen werden konnte, kamen immer mehr Menschen auf Sporrer zu, die ebenfalls für ein Familienmitglied dringend Knochenmarkspender suchten. "Irgendwann war der Punkt da, wo man nicht mehr ,Nein' sagen konnte. Meine Frau sagt aber immer zu mir: ,Du wolltest auch nie ,Nein' sagen", schmunzelt Sporrer. "Es ist zur Lebensaufgabe geworden." Deshalb macht der Kirchenthumbacher Verein, zu dem mittlerweile 60 Mitglieder zählen, immer weiter mit seinen Typisierungsaktionen – erst vergangenes Jahr für drei kranke Kinder. "Das geht einem ans Gemüt. Besonders, wenn man selbst Kinder hat." Traurig macht es Sporrer jedes Mal dann, wenn die Hilfe zu spät kam. Er erinnert sich an ein neunjähriges Mädchen aus dem Bayreuther Raum, das gestorben sei. "Da habe ich mich schon gefragt, ob das alles überhaupt noch etwas bringt." Doch der Gedanke, dass durch "Hilfe für Anja" auch vielen geholfen werden könne, habe ihn wieder aufgebaut.

Der Adventsmarkt 2019 für "Hilfe für Anja"

Kirchenthumbach

In diesem Jahr ist es für den Verein allerdings schwieriger geworden, zu helfen. Wegen der Corona-Pandemie haben sich die Bedingungen erschwert. "Sämtliche Aktionen mussten abgesagt werden", bedauert Sporrer. Deshalb muss der Verein auf andere Wege zurückgreifen, um weitere potenzielle Spender zu finden – beispielsweise mit dem Typisierungs-Home-Set. Wattestäbchen und Infobroschüren sind in dem Paket enthalten. So kann man sich gut von zu Hause aus in der weltweiten Datenbank registrieren lassen. Zwar sei die Resonanz nicht so gut wie bei Typisierungsaktionen vor Ort, doch es werden trotzdem immer mehr potenzielle Lebensretter. Aktuell liegt die Zahl bei 56.260 – und "wir haben nicht vor, aufzuhören", betont der Vorsitzende des Vereins.

Michael Sporrer.
Service:

Typisierungs-Set für zu Hause

  • Was: Um neue potenzielle Knochenmark-Spender zu finden, hat sich der Verein "Hilfe für Anja" in Zeiten von Corona etwas überlegt: Ein Typisierungs-Set für zu Hause. Darin befinden sich unter anderem Wattestäbchen, mit denen selbst Wangenabstriche gemacht werden können. Werden die Proben eingeschickt, sind die potenziellen Spender in der weltweiten Datenbank registriert.
  • Wie: Über die Homepage www.hilfe-fuer-anja.de lässt sich das Typisierungs-Set ganz einfach anfordern. Eingegeben werden müssen nur Name, Adresse, Geburtsdatum, E-Mail-Adresse und die Anzahl der gewünschten Sets.
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