14.06.2021 - 14:04 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Kirchenthumbach: Über Lausbuben-Streiche aus alten Zeiten

Die Kirchenthumbacher Jugend hat früher so einige Streiche ausgeheckt. Georg Paulus erinnert sich noch an viele davon. Kreativ waren aber nicht nur die Jungen.

Eine Werbetafel, die Mädchen der Jugendgruppe vor dem „Elisabethenheim“ platzierten, brachte ein Donnerwetter von Pfarrer Josef Bollmann und anschließend eine Entschuldigung bei den Schwestern mit sich.
von Georg PaulusProfil

Dass mit Freunden zum „Schwarzbeerreißen“ in Wälder geradelt wurde, der „Holzmühl“-, „Kandel-“ und „Hammerweiher“ kostenlose Freibäder waren, und die Gipfelbesteigung des Rauhen Kulm mit anschließendem „Kracherl-Trinken“ in der Bergwirtschaft schon kleine Abenteuer waren, das kann sich heutzutage kaum noch einer vorstellen. Urlaub war zu Opas Zeiten und auch in den 90er Jahren bei uns ein Fremdwort. Dafür war das Streichespielen umso beliebter. Georg Paulus erinnert sich:

Wer als „Jungspund“ Erzählungen Älterer zuhört, bekommt Spitzbübereien mit, die man an Stammtischen ehrenwerter Bürger zu später Stunde und bei reichlich Bierkonsum ausgeheckt hat. Ein Beispiel: Weil er prahlte, ein 30er-Fassl Bier aus München zu erwarten, das mit der Bahn angeliefert wird, bekam das ein Bäckermeister und Stammtischbruder zu spüren. Zwei Tage später informierte der Bahnhofsvorstand die Stammtischler über das Bierfassl, das am nächsten Tag in der Güterhalle abgeholt werden könne. „Net oan Pfief hat's g'macht“, bedauerte der traurige Bäckermeister, als die Spezln ihn fragten, wie ihm das Münchener Bier geschmeckt hat. Dass sie zehn Maß abgezapft und durch Leitungswasser ersetzt hatten, beichteten sie dem Bäckermeister erst viel später.

Kalte Dusche von oben

In den 50er Jahren, der Zeit Katholischer Jugendgruppen, waren nicht nur der Herr Pfarrer und der Herr Kaplan Ziele unserer Streiche. Als wir nach der Gruppenstunde auf dem Marktplatz neben einem Haus gestapelte Hohlblöcke liegen sahen und wussten, dass der Hausherr im Gasthaus war, „mauerten“ wir damit die Haustüre zu. Seine Töchter beobachteten uns und wollten uns, bevor wir fertig waren, mit einem Eimer Wasser abduschen. Als wir schon längst geflohen waren, wollte der Vater die Barriere beseitigen und bekam so die kalte Dusche seiner Töchter ab.

Einen Streich spielten wir Pfarrer Seiderer aus Neuzirkendorf, Besitzer eines Kleinwagens, als er seinen Nachbarn Pfarrer Josef Bollmann besuchte. Bei Rotwein und Zigarrendunst plauderten sie und vergaßen dabei die Zeit. Als der Nachbarpfarrer wieder heimfahren wollte, stand sein Rutscherl quer in der Pfarrhofgarage. Wir lauerten hinter Büschen im Pfarrergarten auf das, was dann passieren wird. Die Geistlichen stutzten und lachten. Dann donnerte die Stimme von Pfarrer Bollmann: „Raus ihr Hundsbuam, sonst schepperts gewaltig!“

„Raus ihr Hundsbuam, sonst schepperts gewaltig!“

Pfarrer Josef Bollmann

Aber nicht nur wir Buben hatten Bosheiten auf Lager, auch die Mädchengruppe verübte kleine Streiche. Eines der "Opfer" war die Pfarrersköchin. Baldriantropfen, auf der Pfarrhaustreppe versprüht, haben dem Fräulein Anna nächtelang ein kostenloses Konzert vieler verliebter Kater beschert. „Getrocknete Zwetschgen eingetroffen“, lautete der Text auf der Werbetafel eines Lebensmittelgeschäfts. Mädchen hatten sich die Tafel „ausgeliehen“ und vor dem „Elisabethenheim“ aufgestellt. Von den Klosterschwestern humorvoll ertragen, mussten die jungen Damen später aber beim Pfarrer antreten und sich nach seinem Donnerwetter ins Kloster aufmachen, um sich bei den Schwestern zu entschuldigen.

VW auf Ziegelsteine aufgebockt

Als Kirchenglocken noch mit Seilen „von Hand“ geläutet wurden, Elektrikermeister Sepp Brunner, verantwortlich für unsere Turmuhr, nach der Kontrolle vergaß, die Tür in den Turm abzuschließen, nutzten das „Unbekannte“, um die Glockenseile hochzuziehen. Die Ministranten konnten erst läuten, als der Mesner die Seile am nächsten Tag runtergelassen hatte. Auch unser Kaplan wurde nicht geschont. Am späten Abend, als er seinen VW in die Garage bringen wollte, rührte sich dieser nicht von seinem Platz. Mit Ziegelsteinen aufgebockt, die vier Räder abgeschraubt, so stand er da. „Was Dümmeres ist euch wirklich nicht eingefallen, sofort kommt's ihr raus und auf geht's“, rief er genervt ins Dunkel. Lachend kamen wir aus dem Versteck und bald waren alle vier Räder an seinem Käfer wieder anmontiert und unser Herr Kaplan wieder mit uns ausgesöhnt.

Als das Federballspielen modern war, hat Pfarrer Bollmann uns erlaubt, den Pfarrgarten zum Spielen zu nutzen. Weil die Pfarrersköchin ihre Forsythien-Staude gefährdet sah, musste der Pfarrer die Erlaubnis wieder zurücknehmen. Der Staude hat das leider überhaupt nichts genutzt. Aus unerklärlichen Gründen ist sie eingegangen. Weil von Fräulein Anna ein Attentat vermutet wurde, forderte sie Strafe. Unser Herr Pfarrer winkte aber ab, die Geschichte war für ihn erledigt, unseren Jugendgruppen war das Federballspielen weiter erlaubt und der Pfarrgarten lange Zeit unser Jugendtreff. „Wenn's bei mir spiel'n, bracht koaner ins Wirtshaus geh'n“, war die logische Erklärung Pfarrer Bollmanns gegenüber seiner Schwester.

Beunruhigt war ein Bäckermeister, weil seine Verkäuferin nicht zu ihrem Dienst erschienen war. Weil man in einer Nacht- und Nebelaktion mittels einer langen Leiter ihr Mansardenfenster von außen mit schwarzem Plakatkarton verklebte, hat sie verschlafen. Aus dem Frühstück wurde eine Standpauke ihrer Chefin.

Es waren harmlose, manchmal vielleicht auch derbe Streiche, die die Jugendlichen sich früher erlaubten. Sie haben aber nie jemanden beleidigt, hinterher lachten (fast) alle darüber herzhaft. Wenn heutzutage die „Walpurgisnacht“ dazu genutzt wird, um verwunderliches Geschehen in Kirchenthumbach an den Pranger zu stellen, ist das gut. Wenn sie aber dazu dient, um Beleidigungen auf die Straße zu schmieren, oder um Kanaldeckel abzuheben und dadurch Menschenleben zu gefährden, sind das Straftaten, die mit Streichen der Jugendlichen früherer Zeiten nicht zu vergleichen sind.

Berggasthof Kirchenthumbach: Tanzen und Schlägern

Desöfteren war der Tanzsaal im ehemaligen Berggasthof in Kirchenthumbach Schauplatz größerer Raufereien zwischen US-Soldaten und Einheimischen.
Geistlicher Rat Josef Bollmann, 22 Jahre Pfarrer in Kirchenthumbach, hatte für junge Leute immer ein offenes Ohr. Gestorben ist er am 11. Januar 1964.

 

 

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