05.01.2021 - 14:24 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Pfarrei Kirchenthumbach: Am Dreikönigstag Ansturm auf geweihtes Wasser mit besonderer Heilkraft

Für die einen ist es die "staade Zeit", für die anderen genau das Gegenteil: Der Advent sowie die Vorbereitungen auf Weihnachten und Dreikönig sind stets arbeitsreiche Wochen für die Geistlichkeit. Auch in den 1950er Jahren war das so.

Obwohl in Bayern der Dreikönigstag sogar Feiertag ist, sind Darstellungen der Heiligen Drei Könige mit Gefolge außer in der Weihnachtszeit nur in der Pfarrkirche St. Laurentius in Eschenbach zu sehen, wo sie die „Predella“, wie das Türchen des Tabernakels genannt wird, zieren.
von Georg PaulusProfil

In den Wochen der Advents- und Weihnachtszeit sind Hauptamtliche und "Laienpersonal" einer Pfarrei immer stark gefordert. In den 1950er Jahren hieß das für Pfarrer und Kapläne etwa, stundenlang bei Minusgraden im kalten Beichtstuhl zu sitzen, damit die reumütigen Pfarrkinder von Sündenlast frei das Fest genießen konnten.

Außerdem mussten für Christmette, Weihnachten und den „Steffelstag“, wie man den zweiten Weihnachtstag bezeichnete, sowie das Dreikönigsfest Predigten vorbereitet werden. Während der Herr Pfarrer, ein erfahrener Prediger, keinerlei Problem damit hatte, mussten sich „frisch geweihte“ Kapläne dagegen ihre Predigten für die Festtage in stundenlangem Studium erarbeiten. „A‘ Predigt derf höchstens zwölf Minuten dauern, wennst‘ länger predigst‘, is' für die Katz“, lautete der brüderliche Rat des Pfarrers an die „Lehrbuam“, wie er die Kooperatoren nannte, deren erster Einsatzort nach der Priesterweihe die Pfarrei Kirchenthumbach war.

Auch für das „Laienpersonal“ der Pfarrei war die Zeit bis Dreikönig arbeitsreich. Der Adventskranz, den Schwestern im „Elisabethenheim“ kunstvoll gebunden und mit vier dicken roten Kerzen geschmückt hatten, war Zier des Presbyteriums der Pfarrkirche. Ihn anzubringen war eine leichte Arbeit für den Sporer-Mesner und die Ministranten.

Schwerer war es, im Dunkeln und bei Schnee auf den Granitstaffeln des Kreuzwegs in die Bergkirche zu kommen, um dort um sechs Uhr früh im Rorate des Kaplans als Mesner dabei zu sein. Weil der Kaplan nicht mit Weihrauch sparte und immer ein Löffelchen mehr auf die Holzkohle im Weihrauchfass gab, das die Ministranten schwenkten, durchzog bald himmlischer Wohlgeruch das Kirchlein. Hustenorgien von Sängerinnen auf der Empore waren nur Nebengeräusche.

Arbeitsintensiv waren die Tage vor dem Heiligen Abend. Die Figuren für die Krippe, die bis Maria Lichtmess auf dem rechten Seitenaltar der Pfarrkirche zu sehen war, vom Dachboden über der Taufkapelle zu holen, mit dem Mesner die Einzelteile der Stadt Bethlehem und den Stall zu säubern, eine Hirtenlandschaft zu bilden, Fichten an beiden Seiten des Hochaltars mit echten Weihnachtskerzen schmücken: All das waren die finalen Aufgaben aller Messdiener, die mit dem Ministrieren bei sämtlichen Gottesdiensten der Weihnachtstage vollkommen „ausgelastet“ waren.

Der Dreikönigstag ist mir als Bub mit viel Schnee und eisiger Kälte in Erinnerung. Am Nachmittag des Vortags hatte Pfarrer Josef Bollmann auf dem Vorplatz der Sakristei das „Dreikönigswasser“ gesegnet. Weil ihm besondere Heilkraft zugesprochen wurde, rechnete man mit einem großen Andrang nach diesem Wasser.

Von den Ministranten wurden deshalb zwei große Bottiche mit Wasser gefüllt, das vom Mesnerhaus geholt werden musste. Obwohl sich um diese Bottiche eine gefährliche Eisplatte bildete, weil beim Füllen Wasser daneben spritzte, warteten Frauen mit Flaschen, Krügen und kleinen Eimern darauf, dass sie das geweihte Wasser bekamen.

„Ihr braucht gar net drängeln, mir hom genug Wasser da“, sagte Pfarrer Bollmann, als er, mit Albe und Stola, auf dem Kopf sein schwarzes Birett, zum Segnen näher kam. „Segne dieses Wasser mit der Kraft des Heiligen Geistes. Lass es Menschen, die es in der Wohnung aussprengen, ein Zeichen deiner Macht und Nähe werden“, lautete eines der Gebete, bevor der Geistliche mit dem Kreuzzeichen dem Dreikönigswasser den Segen spendete. Als er den Ansturm auf das geweihte Wasser sah, zog sich der Geistliche Rat kopfschüttelnd in die Sakristei zurück.

Am Feiertag „Dreikönig“ sandte erstmals 1956 ein Kaplan mit Genehmigung des Pfarrers Ministranten als „Heilige Drei Könige“ in alle Ortschaften der Pfarrei Kirchenthumbach aus. Mit ihrem Sternträger und dem Lied „Die Heil'gen Drei König mit ihrigem Stern, die kommen gegangen, ihr Frauen und Herrn“ sammelten sie für das Kindermissionswerk Spenden für Kinder in Afrika. Dieses war Vorgänger der Sternsingeraktion, die mittlerweile in allen deutschen Diözesen veranstaltet wird.

Als das „Josefshaus“ mit seiner großen Bühne noch existierte, fand jedes Jahr am Dreikönigstag die dritte Vorstellung des Theaterstücks statt, das von Pfarrer Josef Bollmann mit einer damals aktiven Kolpingsfamilie einstudiert worden war. Zum ersten Mal war es jeweils am Nachmittag und am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertags aufgeführt worden.

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