15.07.2020 - 11:01 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Radwanderung der VHS Eschenbach

Es war seit März die erste Veranstaltung der Eschenbacher VHS und gleich ein voller Erfolg: die Radwanderung „Von Vilseck in die ehemalige Hauptstadt der Oberpfalz". Dennoch war die Vorsicht ein ständiger Begleiter.

Unter dem Titel „Von Vilseck in die ehemalige Hauptstadt der Oberpfalz und jetzige Hochschulstadt Amberg“ bietet die Eschenbacher Volkshochschule eine Radwanderung an. Die Route führt die Teilnehmer unter anderem an Hahnbach vorbei.
von Autor MÜLProfil

Die Radwanderung der Volkshochschule Eschenbach unter dem Titel „Von Vilseck in die ehemalige Hauptstadt der Oberpfalz und jetzige Hochschulstadt Amberg“ war ein gelungener vorsichtiger Neustart: Wegen des Coronavirus mussten seit März viele VHS-Veranstaltungen abgesagt werden und dementsprechend groß war das Interesse an der Radtour. Die 40 Teilnehmer – die meisten davon mit E-Bike – wurden in vier Zehnergruppen eingeteilt. Mit genügend Abstand zueinander radelten sie dann die etwa 60 Kilometer lange Strecke durch die herrliche Oberpfälzer Landschaft entlang dem weitgehend naturbelassenen Flussverlauf der Vils. Jeder trug außerdem eine Mund-Nasen-Maske.

VHS während der Coronakrise

Eschenbach

Meist in Flussnähe fuhren die Teilnehmer mit den Radführern Gerdi und Adolf Mücklmann bei idealem Wetter auf dem Vilstalradweg von Vilseck über Schlicht, Irlbach und Hahnbach nach Amberg, in die „heimliche Hauptstadt der Oberpfalz“. Rechts und links des Radweges begeleiteten in den Vilsauen, in denen Biber und Störche beste Lebensbedingungen vorfinden, mal lichte Auwälder, saftige Wiesen, fruchtbare Kartoffel- und Getreidefelder und zahlreiche Fischteiche die Radler. Gute asphaltierte Wege wechselten mit gepflasterten Wirtschafts- und naturbelassenen Waldwegen sowie wenig frequentierten Nebenstraßen. Auf dem größten Teil der Strecke war kaum jemand unterwegs, erst ab Traßlberg wurde der Radverkehr dichter.

In Amberg angekommen, lernten die Teilnehmer bei einer Stadtrundfahrt mit dem Rad die zahlreichen Sehenswürdigkeiten der Vilsstadt kennen, die auf eine fast 1000-jährige Geschichte zurückblickt. Die „festeste Fürstenstadt des Reiches“, wie Amberg im Mittelalter genannt wurde, war oft der Spielball der Mächtigen: mal vererbt, mal verkauft, mal als Kriegspfand benutzt. Die glanzvollen Zeiten überwogen. 300 Jahre gehörte die Stadt zur Rheinpfalz und die Pfälzer Kurfürsten waren die Landesherren. Viele Gebäude, wie das Kurfürstliche Schloss mit dem Wassertorbau – die sogenannte Amberger Stadtbrille –, das Kurfürstliche Zeughaus und die Kurfürstliche Regierungskanzlei mit prächtigem Erker zeugen von dieser Zeit. Eindrucksvoll war die Basilika St. Martin, die zweitgrößte Kirche nach dem Regensburger Dom in der Oberpfalz, das spätgotische Rathaus und die Ratstrinkstube auf dem Marktplatz, wo der Hochzeitsbrunnen an die prunkvolle Hochzeit des späteren Kurfürsten Philipp mit der bayerischen Prinzessin Margarete im Jahre 1474 erinnert.

Beeindruckt waren die Teilnehmer von der vollständig erhaltenen, drei Kilometer langen Stadtmauer um das „Amberger Ei“ mit vier erhaltenen Toren und dem Stadtgraben ebenso wie von dem 160 Meter langen Maltesergebäudekomplex mit der gotischen St.-Georgs-Kirche und der Provinzialbibliothek. In der vollständig restaurierten Altstadt, die im Zweiten Weltkrieg von Fliegerangriffen verschont blieb, fanden das im ehemaligen Franziskanerkloster liegende Stadttheater sowie das auffällige, in einer Seitenstraße versteckte „Walfischhaus“ mit weit vorspringendem Dach und zwei figürlichen Konsolen besondere Aufmerksamkeit. Das „Eh´häusl“, ein zweieinhalb Meter breites und kleinstes Hotel der Welt, das auch Paaren ohne Haus- und Grundbesitz die Heirat ermöglichte, wurde bestaunt. Die Schiffsgasse und der Salzstadelplatz sind Zeugen dafür, dass Amberg über Jahrhunderte Zentrum der Eisengewinnung war und „Vilsplätten“ Eisen und Erz vilsabwärts transportierten und Salz mit nach Haus brachten.

Weil sich die Radler für Selbstversorgung entschieden hatten, verbrachten die meisten die Mittagspause auf den Sitzbänken des ehemaligen Landesgartenschaugeländes. Die Rückfahrt erfolgte auf leicht abgewandelter Route über Ursulapoppenricht. In einem großen Kümmersbucher Biergarten legte die Gruoppe noch eine Kaffeepause ein, bevor sie über Hahnbach mit der großen St.-Jakobus-Kirche, dem Markttor mit besetztem Storchennest und dem Radlerdenkmal wieder nach Vilseck zurückkehrte. Dort rundete die Information über das Deutsche Türmermuseum und das barocke Wünnenberghaus am Marktplatz die erlebnis- und abwechslungsreiche Radwanderung ab. 1637 hatte in letzterem nicht nur der Schwedenkönig Gustav Adolf übernachtet, sondern im Revolutionsjahr 1848 auch Lola Montez, die einflussreiche Geliebte von König Ludwig I., auf ihrer Flucht mit dem Vilsecker Elias Peißner, mit dem sie ebenfalls ein Verhältnis hatte.

Nicht nur beim Radeln, sondern auch bei der Mittagspause im ehemaligen Landesgartenschaugelände in Amberg halten sich die Teilnehmer an den Sicherheitsabstand.
In Amberg angekommen, besichtigt die Gruppe de St. Georgskirche.
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