09.11.2018 - 17:02 Uhr
KirchenthumbachOberpfalz

Steinerner Dank eines Kriegsheimkehrers

Viele Marterl, Bildstöcke und Feldkreuze erinnern an Wegen und Straßen an einen Unfall oder eine Missetat und bitten Passanten um ihr Gebet. Seltener sind Gedenksteine aus Dankbarkeit. Einer ist jetzt 100 Jahre alt: das Zeitlmann-Marterl.

Wann diese Aufnahme entstand, ist unbekannt. Das Bild zeigt Margarete, die Ehefrau von Alois Zeitlmann, und ihre Tochter Lina (hinten, von links) sowie (vorne, von links) Sohn Anton, Tochter Fanni, einen „Besucher-Buben“ und Sohn Theo.
von Georg PaulusProfil

Bei jedem Spaziergang an die Forstkapelle kommt man an diesem von vier Birken umgebenen Marterl vorbei, das hoch droben am "Forst" liegt, wie der Flurbereich genannt wird.

Das Marterl wurde von Schmiedemeister Alois Zeitlmann zum Dank für seine gesunde Heimkehr aus dem Ersten Weltkrieg errichtet. Ein von ihm selbst geschmiedetes Kreuz mit Korpus, das Bild der Muttergottes, die Inschrift "Schmerzhafte Mutter, bitte für uns" und die Jahreszahl 1918 zierten den Stein.

Schmiede und Musiker

Schon seit dem Dreißigjährigen Krieg ist die Familie Zeitlmann auf ihrem Anwesen in Kirchenthumbach nachweisbar. Der Hausname "Fahnenschmie" belegt, dass seither das Schmiedehandwerk ausgeübt wird. Daneben lag den Zeitlmanns generationenübergreifend Musik im Blut. Sowohl Großvater Ignaz und Vater Alois als auch Sohn Theo waren begnadete Musiker. Die Kapelle Zeitlmann hatte in Kirchenthumbach, aber auch in der gesamten Umgebung einen guten Ruf.

Wie Margarete, die Witwe von Theo Zeitlmann, der 2009 verstorben ist, erzählt, wurde 1904 nach dem Tod von Anna, der Ehefrau von Ignaz Zeitlmann, das Eisengitter um das Familiengrab durch eine Grabeinfassung ersetzt. Das Gitter hat die Familie später um das Marterl am "Forst" wieder aufgebaut. 1934 wurden dann dort die vier Birken gepflanzt: Vater Alois hatte dazu auch die Söhne "eingespannt", habe ihr Theo erzählt.

"Dem Theo war das Marterl ein Herzensanliegen. Er hat es gehegt und gepflegt, hat auch eine Bank angefertigt und aufgestellt, denn von da hat man einen herrlichen Blick auf Kirchenthumbach", erläutert Margarete Zeitlmann. Was ihm besonders gefallen habe, sei der Sonnenuntergang gewesen, den man vom Marterl aus so schön betrachten kann.

Schmerzhafter Wandel

Als durch die Flurbereinigung die Familie ihren gesamten Grund auf dem "Forst" verlor, musste laut Margarete Zeitlmann gekämpft werden, dass ihr "die paar Quadratmeter" um das Marterl erhalten blieben. Die Grundstücke wurden ihnen zwar woanders ersetzt, dass die Äcker am "Forst" weg waren, hat Theo Zeitlmann trotzdem weh getan, wie er einmal seiner Ehefrau gestand.

Dass nichts mehr unmöglich ist, hat die Familie vor Jahrzehnten erlebt. Unbekannte rissen das Marterl-Kreuz heraus und beschädigten dabei den Sandstein. Theo Zeitlmann hat ein neues Kreuz ohne Christusfigur geschmiedet. Der Fleck im Stein, der von den Frevlern beim Herausbrechen des Kreuzes verursacht wurde, wird immer an die Tat erinnern.

Da die Schrift im Laufe der Jahre immer unleserlicher geworden ist und das Marterl locker wurde, sollte es restauriert werden. Die Krankheit und der Tod ihres Mannes ließen dies aber nicht zu, berichtet Margarete Zeitlmann. "Mein Versprechen, das ich Theo gab, habe ich aber gehalten." Im Jahr 2011 holte die Firma Müller aus Thurndorf den Stein ab, erneuerte die Schrift und stellte den Stein danach wieder auf. Der schmiedeeiserne Zaum um das Marterl sowie die Bank wurden ebenfalls runderneuert.

"Sauber halten, nicht verschandeln":

Seit 60 Jahren pflegt Margarete Zeitlmann das Marterl, nimmt in der warmen Jahreszeit eine Gießkanne voll Wasser für die Blumen mit hinauf. Sie macht das gerne, so lange sie fahren kann. Zeitlmann hat aber ein großes Anliegen: „Leider wurde und wird von Jugendlichen viel Unfug gemacht. Ich kann nicht verstehen, dass so viele Sachen da herumgeworfen werden. Was ich da schon alles weggeräumt habe.“ Sie hofft, dass sich das bessert, denn mehrere Leute versprachen, aufzupassen, wer sich an dem Marterl häufiger aufhält. „Jeder kann sich auf der Bank ausruhen und den Blick über Kirchenthumbach schweifen lassen, ob jung oder alt. Man sollte aber das Marterl sauber halten, nicht verschandeln“, betont Zeitlmann.

Morgen, Sonntag, jährt sich das Ende des Ersten Weltkriegs zum 100. Mal. Aus Dankbarkeit für seine gesunde Heimkehr errichtete Schmiedemeister Alois Zeitlmann noch 1918 ein Marterl am „Forst“. Selbst der Sturm „Fabienne“ Ende September hat den 4 mehr als 80 Jahre alten Birken dort nicht geschadet. Spaziergänger genießen die schöne Aussicht, die sie beim Rasten auf der Bank haben, die Theo Zeitlmann geschaffen hat.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.