Kirchenthumbach
12.08.2026 - 10:44 Uhr
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Zauneidechsen müssen wegen neuer Ortsumgehung in Kirchenthumbach umsiedeln

Zauneidechsen fühlen sich genau dort in Kirchenthumbach wohl, wo die neue Ortsumgehungsstraße gebaut werden soll. Damit die streng geschützten Tiere in der Nähe ein neues Zuhause finden, wird großer Aufwand betrieben – der einiges kostet.

Die Vorarbeiten für die neue Umgehungsstraße bei Kirchenthumbach haben begonnen. Die Baumaschinen brummen und rattern und schichten einen Erdwall in die Höhe, der besonders zwei große Aufgaben hat – Anwohner vor späterem Autolärm schützen und kleineren, europaweit streng geschützten Lebewesen ein neues Zuhause geben. Denn dort, wo nächstes Jahr die Ortsumgehungsstraße gebaut werden soll, haben es sich Zauneidechsen gemütlich gemacht. Sie müssen umziehen.

Die Böschung, in der die Reptilien momentan noch leben, liegt direkt am östlichen Ortseingang von Kirchenthumbach an der Staatsstraße 2120, die in die B 470 in Richtung Eschenbach mündet. Genau dort soll auch die neue Umgehungsstraße entlang des Ortsrandes von Kirchenthumbach in Richtung Netto-Markt entstehen. Damit bei Baubeginn der Straße im nächsten Jahr die Tiere nicht plötzlich ohne Wohnung dastehen, bereitet die Baufirma in Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach schon jetzt Habitate vor, wohin die Zauneidechsen dann umziehen können.

Insgesamt neun Habitate

Für die sechs neuen "Wohnungen" gräbt ein Bagger in den Lärmschutz-Erdwall ein Loch. In die Erdkuhle legen die Arbeiter zunächst eine Drainage, damit die Eidechsen-Behausungen später nicht überschwemmt werden. Dann kommen große und kleine Steine, Äste, Sand und kleinere Holzstämme dazu, in denen sich die Tiere verkriechen können. Später wird der Wall auch noch bepflanzt.

"Die Zauneidechse braucht Büsche, Wärme, Sonne, einen offenen Boden und Sand. Möglichst natürlich", informiert Daniel Thurner vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Deshalb seien Straßenböschungen ideale Lebensräume, wo sie sich in Erdlöchern oder zwischen Steinen verstecken können. Auf 125 Metern des circa einen Kilometer langen Erdwalls werden die Habitate in der Nähe der alten Wohnungen der Eidechse verteilt, sagt Thurner. Das sei wichtig, um den Reptilien die Möglichkeit zu geben, in der Nähe bleiben zu können. Drei weitere Habitate wollen die Arbeiter noch am Straßenrand Richtung Blechmühle anlegen.

Eingriffe zulässig

Die Ersatzlebensräume müssen laut Thurner gebaut werden, bevor die alten Böschungen weggerissen werden, denn die Ruhe und Fortpflanzungsstellen der geschützten Tierart dürften nicht zerstört werden. Nur weil die Habitate als Ausgleich gebaut werden, sei die Umsiedlung laut Thurner überhaupt möglich. Das bestätigt auch die Untere Naturschutzbehörde auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Allgemein ist es so, dass es nicht immer möglich ist, Lebensräume von geschützten Tierarten von Bauvorhaben auszunehmen. Das Artenschutzrecht sieht vor, dass solche Eingriffe zulässig sind, sofern an anderer Stelle zum Beispiel Ersatzhabitate geschaffen und Lebensräume aufgewertet werden, um den Fortbestand der lokalen Population zu gewährleisten", informiert Marcel Weidner, Pressesprecher des Landratsamtes Neustadt an der Waldnaab, zu dem auch die Naturschutzbehörde gehört.

Für das Prozedere der Umsiedelung gibt es dann auch nur ein sehr kurzes Zeitfenster. Die Umsiedlung muss direkt nach dem Winterschlaf, also circa im April, passieren. Es dürfe noch nicht zu warm sein, sonst seien die Tiere zu schnell, sagt Thurner. Es werde "versucht, die alte Böschung unattraktiv zu machen", informiert er weiter. Im Frühling kommen deshalb dort die Steine und Büsche weg, damit die Eidechsen sich lieber eine neue Bleibe suchen und hoffentlich die Habitate entdecken. Bleiben doch noch ein paar Tiere zurück, würden diese auch mit der Hand eingesammelt und zum neuen Zuhause getragen.

Aber nehmen Eidechsen solche Umsiedlungen und ihr neues Zuhause dann auch an? Bei stichprobeartigen Kontrollen sei das sogar relativ schnell der Fall gewesen, weiß Thurner aus Erfahrung, denn das Anlegen von Zauneidechsen-Habitaten gehöre, obwohl die Tiere zu den in Europa streng geschützten Arten zählen, mittlerweile zur Routine. Und er fügt hinzu: "Es kann sein, dass sie auch von selbst herwandern."

Bauende im Herbst 2028

Für die Umsiedlung der Zauneidechsen wird also schon vor Baubeginn der Umgehung viel Aufwand betrieben. Und dieser Aufwand kostet: Auf circa 30.000 Euro schätzt Thurner die Kosten für die Habitate. Die Baumaßnahme insgesamt für die komplette Ortsumgehung beziffert er auf geplante 7 Millionen Euro. Im Herbst 2028 soll die neue Straße fertig sein, nächstes Jahr ist Baustart, informiert Bauaufseher und -leiter, Alexander Reinhold.

Die neue Route führt dann von der Staatsstraße 2120 entlang des Ortsrandes am Netto-Markt vorbei und endet in einem fünfarmigen Kreisverkehr, von dem aus Autofahrer in Richtung Thurndorf, Heinersreuth, Holzmühle und in die Ortsmitte von Kirchenthumbach weiterfahren können. Während der Bauzeit der Umgehungsstraße müssen sich die Autofahrer dann laut Reinhold auf kurzeitige Sperrungen sowohl nahe des Netto-Marktes als auch beim östlichen Ortseingang von Eschenbach kommend einstellen.

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