18.06.2019 - 14:41 Uhr
Oberpfalz

Das Königreich des Glücks

In Bhutan geht es nicht um Jagd nach mehr Effizienz und höherem Profit, sondern darum, eine Glücksformel für das Volk zu finden. Der buddhistische Glaube spielt dabei eine bedeutende Rolle.

In Artikel 9, Absatz 2 der nationalen bhutanischen Verfassung ist zu lesen: „Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen.“
von Autor EWAProfil

"Hinter den hohen Bergen leben die glücklichsten Menschen der Welt", so erzählt man es sich von Bhutan, einem kleinen Königreich im Himalaya zwischen Indien und China. Hierbei handelt es sich keineswegs um den Anfang eines schönen Märchens. Wahr ist: Das Glück ist in Bhutan oberstes Ziel der Politik. Seit 2008 steht hier sogar in der Verfassung, dass das Wohlbefinden der Nation Vorrang hat - und nicht ein möglichst rasches Wirtschaftswachstum. Das kleine asiatische Land, das in etwa so groß ist wie die Schweiz, gilt seither als das Königreich des Glücks.

In Artikel 9, Absatz 2 der nationalen bhutanischen Verfassung ist zu lesen: "Der Staat bemüht sich, jene Bedingungen zu fördern, die das Streben nach Bruttoinlandsglück ermöglichen." Glück als oberstes Staatsziel? Von der restlichen Welt wurde Bhutan zunächst einmal belächelt. Hielt man hier doch zunächst das Wirtschaftswachstum am bedeutendsten, wenn es um die Zufriedenheit der Nation ging. Mehr Wohlstand bedeutet auch mehr Glück, so die Gleichung. Seit der Finanzkrise denkt man jedoch auch bei uns vielfach anders.

Aber wann geht es einem Land wirklich gut? Wenn die Menschen viel Freizeit haben? Viel zu lachen? Oder doch, wenn ihr Einkommen steigt? Während man außerhalb Bhutans erst seit einiger Zeit über diese Fragen nachdenkt, ist man im Königreich des Glücks schon um einiges weiter. Hier geht es nicht um Jagd nach mehr Effizienz, höherer Produktivität, höherem Profit, sondern darum, eine Glücksformel für das Volk zu finden. Der buddhistische Glaube spielt dabei eine bedeutende Rolle: Er lehrt rechtes Handeln, rechte Absicht und Achtsamkeit.

Schon im 18. Jahrhundert sah das Gesetzbuch Bhutans vor, dass eine Regierung, die es nicht schafft für die Zufriedenheit ihrer Bürger zu sorgen, sinnlos ist und gestürzt werden muss. Rund 200 Jahre später rückte dann das Bruttonationalglück auf die Agenda. 1972 wurde Jigme Singye Wangchuck zum vierten Drachenkönig Bhutans ernannt. Für ihn war klar: Jeder Mensch strebt nach Glück. Also sollte es auch das Ziel eines sich entwickelnden Landes sein, wirtschaftliche und politische Interessen mit der Zufriedenheit der Bürger zu vereinen - und damit das Glück jedes Einzelnen zu fördern.

Um das zu erreichen, rief Wangchuck ein weltweit einzigartiges Konzept ins Leben, das Bruttonationalglück. Und dieses stellt er auf vier tragende Säulen: das Bewahren und Fördern der Kultur, ein Leben im Einklang mit der Natur, eine gerechte Wirtschaftsentwicklung und gute Regierungsstrukturen. Jede politische Entscheidung, jede wirtschaftliche Investition muss danach geprüft werden, ob sie dem Allgemeinwohl dient. Davon können wir hier in der westlichen Welt im Moment nur träumen. Doch zumindest können wir vom Königreich des Glücks folgendes lernen: Wohlstand allein macht nicht glücklich, zum Glück gehören auch Bildung, Kultur, Gemeinschaft, Leben im Einklang der Natur - und vor allem Achtsamkeit. (ewa)

Mehr Rezepte zum Glück: www.onetz.de/themen/gluecksrezept

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