18.04.2019 - 11:56 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Osterbräuche in Königstein

Bis heute zählt das Eiersuchen vor allem, aber nicht nur für die Kinder zu den Höhepunkten an Ostern. Es entwickelte sich im 18. Jahrhundert bei evangelischen Christen gleichzeitig zur katholischen Speisensegnung.

Die Königsteinerin Johanna Spaethe zeigte vor einigen Jahren bei einen Stammtisch des Gartenbauvereins Ostereier, die sie selbst mit einst üblichen Naturfarben gefärbt und verziert hatte.
von Autor WKUProfil

Das Suchen von Ostereiern ist bereits im Jahre 1783 im Hause Johann Wolfgang von Goethes in Weimar belegt. Auch die frühesten Belege für Osterhasen gehen auf protestantische Autoren des 17. Jahrhunderts zurück.

Früher dominierten in Königstein Hühner der Rasse Italiener. Sie legten weiße Eier, die sich gut zum Färben eigneten. Dazu benutzten die Mütter rote Beete und Zwiebelsaft. Danach wurden die Eier mit einer Speckschwarte eingerieben, damit sie schön glänzten. Das Ergebnis nannte man "Räidl-Oier", was soviel wie "gerötete Eier" heißt.

Der Ausdruck stammt aus einer Zeit, als die Ostereier noch auf natürliche Weise, zumeist rot, gefärbt wurden. Der rote Farbstich ließ sich beim Kochen mit Birken- und Apfelbaumrinde oder Schwarzbeeren erzielen. Die Eier wurden in ein Körbchen mit Moos oder Holzwolle gelegt. Dazu kamen noch Schoko-Eier und ein Waffelhase. Auch "Ziewerla" (Küken) aus gelber Zuckermasse und andere Zuckersachen, zum Beispiel das Dotterei, waren dort zu finden.

Das Nest deponierten die Eltern im Garten oder im Holzschuppen. Beim "Untern Pesold" in Königstein war es stets am Heuboden versteckt. Am Breitenstein schwärmten die Kinder zum Ostereiersuchen manchmal auch in den Wald aus, wenn ein Verwandter vorher die Eier in den Felsenritzen des Steinberges oder entlang des Waldweges verteilt hatte. Manchmal kamen die Paten zu Besuch und brachten eine Tafel Schokolade mit.

Sonntag Nachmittag war der Höhepunkt des Osterfestes: Es wurde "Räidloier geschmissen". Das war eine große Gaudi für die Kinder. Sie trafen sich auf einer Wiese, nahmen ihre gefärbten Eier aus dem Osternest und warfen sie, so weit sie konnten. Gewonnen hatte, wessen Ei unbeschädigt blieb und wer am weitesten geworfen hatte.

Es gab aber auch Wasserwiesen, wo der Boden so weich war, dass die Eier auch nach vielen Versuchen nicht zerbrachen. Entnervt schmissen die Buben dann manchmal vor lauter Wut die Eier an die Stadelwand, um sie dann genüsslich aufzuessen. War der Dotter gelb, hießen sie "Engerl". Hatte der Dotter einen grauen Schleier, wurden sie "Deiferl" genannt.

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