Kohlberg
25.08.2026 - 17:26 Uhr
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Herzensprojekt von Kohlbergerin: Radtouren für nicht mehr mobile Senioren

Für Menschen, die nicht mehr Rad fahren können, bietet Maria Müller aus Kohlberg ehrenamtlich Touren mit einem Tandem-E-Bike an. Das stößt vor allem bei Senioren und Seniorenheimen auf Interesse.

Einfach aufs Rad steigen und losfahren: Für viele Menschen ist das nicht möglich. Maria Müller möchte das ändern. Seit über einem Jahr steckt die Seniorenbeauftragte von Kohlberg viel Zeit und Mühe in ihr privates Herzensprojekt. Ehrenamtlich bietet sie Menschen, die nicht mehr selbstständig Fahrrad fahren können, Radtouren mit einem dreirädrigen Tandem-E-Bike an. Wer kann, kann mit ihr zusammen in die Pedale treten. Wer das nicht kann, überlässt ihr das Treten. Der Kohlbergerin geht es dabei allerdings nicht nur ums Radfahren. Sie möchte ihren Fahrgästen ein Gefühl von Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit zurückgeben, unbeschwerte Momente mit ihnen teilen und schöne Erinnerungen neu aufleben lassen. Auf die Idee, solche Touren anzubieten, kam Maria Müller, als sie mit einem ihr nahestehenden, schwer dementen Menschen mit dem Tandem-E-Bike Eis essen fuhr. Die Frau, die früher gerne geradelt sei, habe sich sichtlich gefreut und an den Bewegungsablauf erinnert, obwohl sie normalerweise aufgrund der Demenz gar keine Reaktionen mehr gezeigt habe.

„Mir ist es wichtig, möglichst vielen Menschen in meiner Heimat wundervolle Erinnerungsmomente zu schenken, egal, ob man jung, schon etwas älter, körperlich oder geistig beeinträchtigt oder einfach nur unsicher auf einem normalen Fahrrad ist“, sagt die Kohlbergerin. Knapp 90 Menschen sind bei ihr allein seit Mai dieses Jahres mitgefahren. Einer davon ist Ernst Schmer, der seit zehn Monaten im Seniorenheim „Am Sand“ in Wernberg-Köblitz lebt. Er kann aus gesundheitlichen Gründen heute nicht mehr selbst radeln. Gemeinsam mit Maria Müller radelte er zu seinem Elternhaus, in dem er zuletzt seit 2002 und bis zu seinem Umzug ins Seniorenheim gelebt hat.

Seniorenheime zeigen Interesse

Um Fahrgäste zu Hause oder im Seniorenheim abzuholen, fährt Maria Müller mit dem Rad von Kohlberg aus zu ihnen. „Die Anfahrt dauert meist 30 bis 45 Minuten. Aber es ist den Aufwand wert, wenn ich sehe, wie sich die Mitfahrer freuen. Was zählt, ist das, was es bewirkt.“ Ernst Schmer formuliert das, was die Fahrt bei ihm bewirkt hat, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien so: „Man fühlt sich wieder als Mensch.“ Denn man bekomme ein Stück Selbstständigkeit zurück.

Andere Fahrgäste von Maria Müller freuten sich über Abwechslung im Alltag, über eine Fahrt zum Supermarkt oder an einen früheren Lieblingsort. So fuhr sie mit einer Dame dorthin, wo diese früher Gras für die Enten ihrer Familie gesammelt hat. Ein ehemaliger Pfarrer freute sich, weil er bei der Simultankirchen-Radwanderung dabei sein konnte. Auf Festen in den Landkreisen Neustadt/WN, Amberg-Sulzbach und Schwandorf bietet Maria Müller 15-minütige Probefahrten an, wenn die Fahrgäste einen Haftungsausschluss unterschreiben.

Ehemalige Nachbarn treffen, ein Picknick machen, das Lieblingslokal oder einen Ort aus der Kindheit besuchen, während der Fahrt Lieder singen, Fahrten zu Festen oder Ärzten: Maria Müller hat viele Ideen für sinnvolle Ausflüge. Seniorenheime in Wernberg-Köblitz, Schnaittenbach, Hirschau und Kohlberg hätten bei ihr schon wegen solcher Fahrten angefragt. Manch Bewohner war bereits mehrfach mit ihr und dem Tandem-E-Bike unterwegs.

Spendensammlung fürs Rad

Es gibt zwei Hürden für diese Fahrten. Erstens müssen alle Fahrgäste einen Haftungsausschluss unterschreiben. Zweitens kann Maria Müller das Rad nur leihweise nutzen. Ein Spezialist, unter anderem für E-Dreiräder, aus Schwarzenfeld stellt ihr das Rad seit einem Jahr kostenfrei leihweise zur Verfügung, wenn es nicht anderweitig verliehen ist. Bei diesem Anbieter könnte die Kohlbergerin ein solches Rad für einen Sonderpreis kaufen. Aber es kostet rund 13.000 Euro – zu viel, um es allein privat zu finanzieren.

Maria Müllers ursprüngliche Hoffnung, dass sich der Markt Kohlberg und andere Kommunen am Projekt beteiligen, hat sich bislang nicht erfüllt. Vor allem die Haftungsfragen schreckten offizielle Stellen bislang ab. Deshalb hat Maria Müller auf der Plattform „GoFundMe“ einen Spendenaufruf gestartet (abrufbar unter https://gofund.me/f6d979086). Sie hofft auf 5500 Euro für den Kauf des Rads mit sinnvollen Sonderausstattungen, das Herrichten einer Unterstellmöglichkeit und den Unterhalt in den ersten zwei Jahren. Fast 3000 Euro sind schon zusammengekommen. Sollte es nicht für den gesamten Betrag reichen, möchte Maria Müller die Spenden an eine oder mehrere gemeinnützige Institutionen weiterleiten.

Ernst Schmer und Maria Müller haben schon ihr nächstes Ausflugsziel ins Auge gefasst: Eis essen in Wernberg-Köblitz. „Das wäre super“, sagt der Senior und grinst breit.

Korrektur: In der ursprünglichen Version des Artikels hieß es, Maria Müller sei ehemalige Seniorenbeauftragte in Kohlberg. Sie ist allerdings auch aktuell im Amt.

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Kohlberg21.05.2025
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