Kohlberg
10.01.2021 - 13:02 Uhr

Kohlberg: Naturfrevel statt fachgerechter Pflege

Ausufernde Eingriffe in die Natur im Klingenbachtal sorgen nicht nur bei Bürgermeister Gerhard List für Unmut. Die Schäden sind kaum wiedergutzumachen

von fsb
Feldgehölze entlang des Naturerlebnisweges wurden zur Wegseite hin nicht fachgemäß zugeschnitten. Bild: fsb
Feldgehölze entlang des Naturerlebnisweges wurden zur Wegseite hin nicht fachgemäß zugeschnitten.

Über das Ziel hinausschießende Pflegemaßnahmen bei Hecken, Feldgehölzen und Baumbeständen führen genauso wie das Mulchen in der Landschaftspflege dazu, dass alles ordentlich und perfekt aussieht, aber nicht, dass Lebensräume und Biotopverbünde für die Flora und Fauna erhalten bleiben. Solche nicht fachgerechten Eingriffe in die Natur mussten nun entlang der Heckenzeilen an der Bernsteinstraße, einem Teil des Klingenbachtalweges, bis hin zum Waldbeginn festgestellt werden.

Dabei hatte der Marktgemeinderat erst in seiner Dezember-Sitzung bei der Vorstellung eines Maßnahmenkatalogs durch Fachkräfte des Naturparks Nördlicher Oberpfälzer Wald grünes Licht für eine Sanierung und Umgestaltung des Rundweges gegeben.Nun lud Bürgermeister Gerhard List zu einem Ortstermin ein, um die Schäden zu begutachten und Möglichkeiten zu finden, die begangenen Fehler etwas zu korrigieren. Daran nahmen Bernd Bauer, OWV-Vogelschutzwart und Initiator des Naturerlebnispfades, Philipp Glaab, Fachkraft für Landschaftspflege und Diplom-Biologe vom Naturpark sowie vom LBV das Mitglied Manfred Häring aus Hannersgrün und Adolf Küblböck aus Weiherhammer, Ehrenvorsitzender der LBV-Kreisgruppe Weiden/Neustadt, teil, der das Klingenbachtal als "Visitenkarte Kohlbergs" bezeichnete.

Abrasierte Hecken

Dessen Teilabschnitt weist nun an den Wegrändern abrasierte Hecken auf. Man erkennt einseitig zur Straße hin zugeschnittene und damit deformierte Feldgehölze und Obstbäume, die dadurch bei Sturm besonders anfällig sind. Die Liste geht noch weiter mit Baumstümpfen und längeren Stummelresten von Ästen, die teilweise mehr abgerissen als glatt abgeschnitten wurden und bei denen deshalb Pilzbefall droht. So stehe man, wie Bürgermeister List ausführte, vor vollendeten, nicht mehr rückgängig zu machenden Tatsachen in einem Bereich, für den solche Maßnahmen nicht erteilt worden waren. Bereits vor drei Jahren hatten Baumbeauftragte im gesamten Gemeindegebiet die für Pflege vorgesehenen Bäume mit roter Farbe markiert.

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Tännesberg16.12.2020

Die Ausführung wurde jedoch durch seinen Amtsvorgänger nicht weiter verfolgt. Da die Kommune die Sicherheit des Weges, auf den Waldbesitzer mit ihren Fahrzeugen und Spaziergänger unterwegs sind, gewähren muss, galt es, den Flurweg freizuhalten und abgestorbene Äste oder Bäume zu entfernen. Daher nahm List nun die Sache selbst in die Hand und ließ durch die Gemeinde eine ortsansässige Firma beauftragen, die in der Woche nach Weihnachten mit ihren Maschinen anrückte und vor Tagen das angefallene Geäst und Stammholz abtransportierte. Zu den übrigen Arbeiten des Unternehmers im Gemeindegebiet stehe er, der sich als Landwirt für die Natur einsetze und seit 20 Jahren auch Pflegemaßnahmen im Auftrag des Naturparks mache, voll dahinter, auch wenn man dabei anderer Meinung sein könne.

Schwierige Schuldfrage

Doch leider sei er ausgenutzt worden. Ohne sein Zutun wurden auf diesem Abschnitt der alten Handelsstraße zusätzliche Arbeiten von Dritten vergeben. Dabei werde die Schuld nun von einem zum anderen geschoben. Ihn ärgere es besonders auch, weil hier komplette fachgerechte und geförderte Pflegemaßnahmen vorgesehen waren. Selbst in einer vorherigen Besprechung mit der Vorstandschaft der Jagdgenossenschaft war von Eingriffen im Bernsteinweg nicht die Rede.

Jetzt müsse man das Beste aus der Angelegenheit machen. Ein Fachmann soll demnächst die Stummel zurückschneiden und die Bäume schonend entästen, auch wenn es wenig Korrekturmöglichkeiten gibt, und sie dabei südwärts nicht zu sehr in die Wiese ragen lassen. Die nun entstandenen aufgerissenen Schnittflächen sind zu säubern und sauber nachzuschneiden. An geeigneten Stellen sind Ersatzpflanzungen vorgesehen. Für Häring wurde hier Gemeindeeigentum zerstört.

Auch Glaab sprach von einer Ordnungswidrigkeit. Bauer erklärte, man "könne solche Menschen nur in Fichtenmonokulturen lassen", und fragte an, wer zu belangen sei. Alle Anwesenden stimmten darin überein, dass den Verursachern klar gemacht werden müsse, dass dies eine Straftat war. List setzte sich für ein Miteinander statt Gegeneinander ein, für Gespräche statt sofortiger Anzeige. Zur möglichen Kostenbeteiligung und zur künftigen Vermeidung solcher Ausuferungen soll ein Runder Tisch mit den zu diesem Ortstermin Geladenen, dem Umweltausschuss und den Vorständen der Jagdgenossenschaft erstmals nach Möglichkeit schon im Frühjahr einberufen werden.

Auch dieser Baum wurde zur Straße hin abrasiert. Bild: fsb
Auch dieser Baum wurde zur Straße hin abrasiert.
Maschinell und nicht fachgerecht erfolgten die Zuschnitte an etlichen Bäumen. Bild: fsb
Maschinell und nicht fachgerecht erfolgten die Zuschnitte an etlichen Bäumen.
 
Kommentare

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Hilde Lindner-Hausner

Naturfrevel am Naturerlebnispfad Klingenbachtal der "Visitenkarte Kohlbergs"
Was hier passiert ist, macht erst mal sprachlos.
Wie ein Schlag ins Gesicht aller, die sich an einer intakten geschützten Ecke natürlichen Lebensraums erfreuen. Für alle, die sich als Umweltschützer und Wertschätzer oder auch als­­ Kommunalpolitiker seit Jahren für den Naturerlebnispfad Klingenbachtal einsetzten und damit daraus ein über die Ortsgrenzen hinaus gewürdigtes Schatzkästlein entstehen ließen, mag sich das, was zum Jahresbeginn damit angerichtet wurde, als nicht heilbarer Sabotageakt anfühlen.
Kaum vorstellbar, dass diejenigen, die hier zugange waren nicht wahrgenommen hatten, worum es hier geht und dass solch zerstörerische Vorgehensweise kaum eine Aufwertung des Projektes Klingenbachtal bewirken würde. Eher könnte Bereinigung, Säuberung, Beseitigung, Platz machen die Motivation gewesen sein. Doch dafür konnte es doch keinen Auftrag gegeben haben. "Bürgermeister List fühlt sich ausgenutzt." Eine bittere Lehre, für das Vertrauen auf zuverlässige auftragsgemäße Arbeit? Ogsägt is schnell, wie sollen die verlorene Hecke, die "verhunzten" Bäume, die verfrüht absterben werden ... geheilt werden? Wie hieß es doch im onetz-Bericht "Digitale Lauschtour durchs Kohlberger Klingenbachtal" vom Dezember: "Mögliche weitere neue Elemente des Erlebnispfades könnten Erlebnisangebote zu den Themen Hecke und Steine sein. Einstimmig wurde beschlossen, dass der Naturerlebnisweg runderneuert und ein Förderantrag gestellt wird. .."
Das klang nach angekommen sein, nach allgemeiner Akzeptanz, sogar nach Begeisterung. Daraus entstand der Eindruck, über die naturgemäß wertvolle Erhaltung und We­­­­itergestaltung des Klingenbachtals müssen wir uns keine Sorgen mehr machen.... Die langjährige beständige Arbeit von Bernd Bauer und vom LBV und anderen hat gefruchtet.

Wie lässt sich das jetzt verwirklichen: Förderung für "Runderneuerung" zu beantragen, wenn gleichzeitig Bestehendes beseitigt wird?

Alle zur Kommunalwahl angetretenen Parteien hatten das Klingenbachtal als weiter auszubauendes Naturerlebnis und touristische Aufwertung Kohlbergs, sowie den historischen Bernsteinweg zum Thema gemacht. Das konnte doch nicht an den Köpfen der ausführenden Firma, vorbeigegangen sein. Schlagwort naturnahe, sanfte, regionale Touristik. Wer hätte gedacht, dass es trotz solcher Bewusstseinsbildung - dafür hatten wenige Bürger*innen viel Kraft investiert - noch immer intensive Kontrolle braucht? Dieses naturfrevelhafte eigenmächtige Vorgehen wird laut Bericht als Straftat angesehn. Der Gemeinde - uns Bürger*innen - ist ein finanzieller Schaden entstanden. Jedoch kann kein Geld den ideellen Schaden am Verlust am Vertrauen, am Ansehen, am sich Zuhausefühlen, an der Würdigung und Erhaltung der natürlichen und historischen Schätze Kohlbergs ersetzen.

Eine schmerzhafte Erfahrung.

Zu wünschen wäre, dass der Vorfall zu mehr Vorsicht und Verständnis führt und aus dem Runden Tisch ein vertrauensvolles Miteinander entsteht.

Bleibt zu hoffen, dass Menschen, die sich mit Begeisterung aktiv und beständig für eine intakte heimatliche Natur einsetzten, durch sowas den Mut zum, doch auch für´s weltweite Klima so wichtigen, Weitermachen nicht verlieren.

17.01.2021
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