Kohlberg
27.10.2026 - 16:12 Uhr
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Schwammerlsucher entdeckt stinkenden Tintenfischpilz bei Kohlberg

Der Kohlberger Ernst Neuber findet beim Schwammerlsuchen ein merkwürdiges Pilzexemplar, das Rätsel aufgibt. Eine Pilzexpertin weiß Rat: Es ist ein Tintenfischpilz, der in der Oberpfalz eigentlich nichts zu suchen hat.

Von Johann Müller und Stephanie Hladik

Schwammerlsucher Ernst Neuber staunte, als er vor Kurzem bei einem Spaziergang in der Kohlberger „Schlemm“ ein sonderbares Pilzexemplar am Waldboden entdeckte. Und weil dieses feuerrote Gebilde einem herkömmlichen Schwammerl so gar nicht ähnlich sah, fotografierte er es und machte sich anschließend im Internet schlau. Seinen Recherchen zufolge handelt es sich bei diesem Exoten höchstwahrscheinlich um einen Tintenfischpilz. Der stammt ursprünglich aus Australien und Neuseeland und soll um 1930 nach Europa eingeschleppt worden sein.

In Deutschland taucht er hin und wieder auf. Er werde aber nicht als invasive Art gesehen, die heimische Arten verdränge, ist auf den Webseiten des Nabu und in verschiedenen Pilzforen nachzulesen. Der Fruchtkörper enthalte keine Giftstoffe, sei jedoch wegen des unangenehmen Geruchs und seines muffigen Geschmacks nicht als Speisepilz zu empfehlen.

Auch Martina Franke aus Schwarzenbach bei Pressath rät vom Verzehr ab. Die zertifizierte Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie hat den Pilz mit den auffälligen Tentakeln auch schon gefunden, wenn auch eher selten. In der Oberpfalz gebe es nur vereinzelte Vorkommen. "Es wird vermutet, dass die Sporen über das Fell von australischen Schafen nach Europa eingeschleppt wurden", teilt Franke auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit.

Der Geruch des Tintenfischpilzes (lat. Clathrus Archeri) ähnle dem von Aas. Das locke Schmeißfliegen an, die die klebrige Sporenschicht auf den Armen des Pilzes fressen. Über die Ausscheidungen der Fliegen würden die Sporen weitergetragen. Das sei eine raffinierte Strategie zur Sporenverbreitung.

Finden kann man den Verwandten der Stinkmorchel vom Frühsommer bis in den späten Herbst auf Wiesen, an Wegrändern oder in Mischwäldern. Er gehe dabei keine Symbiose mit Bäumen ein. Aus dem sogenannten kugeligen „Hexenei“ in der Mitte bilden sich vier bis sechs rot bis rötlich gefärbte tintenfischartige Arme mit dunklen Flecken, die Fruchtkörper, erklärt die Pilzsachverständige. Sie habe das „Hexenei“ schon einmal gegessen. „Es ist nicht giftig, aber aufgrund seiner Konsistenz und des Geruchs nicht zu empfehlen.“ Der Pilz sei deshalb als ungenießbar eingestuft.

Der Tintenfischpilz ist ein sogenannter Saprobiont, der sich von totem organischem Material ernährt. Seine Pilzfäden durchziehen das Erdreich und nehmen gelöste Nährstoffe auf. Er mag warme und feuchte Standorte. „Möglich, dass der fortschreitende Klimawandel die Ausbreitung des Tintenfischpilzes begünstigt“, sagt Martina Franke.

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