02.06.2020 - 12:22 Uhr
Kondrau bei WaldsassenOberpfalz

Dichte Matte gegen nackte Tatsachen

Starkniederschläge sind auch in der nördlichen Oberpfalz keine Seltenheit mehr. Ist der Ackerboden dann nicht ausreichend bedeckt und durchwurzelt, kann es zu Abschwemmungen kommen.

Das Amt für ländliche Entwicklung probiert im Bereich Kondrau verschiedene Möglichkeiten aus, wie sich der Bodenabtrag nach Starkregenereignissen verringern lässt.
von Externer BeitragProfil

Besonders gefährdet sind Sommerkulturen wie etwa Mais. Er wird gegen Ende April ausgesät und braucht einige Wochen bis die Reihen geschlossen sind.

Damit der Boden bis dahin nicht nackt daliegt, bauen die Landwirte nach der Ernte im Vorjahr Zwischenfrüchte an. Vor der Maisaussaat wird der Boden dann flach bearbeitet, so dass die Pflanzenteile die Oberfläche noch deutlich bedecken. Diese Mulchauflage reduziert die erodierende Wirkung der aufprallenden Wassertropfen und verhindert damit Bodenabschwemmungen bis die jungen Maispflanzen sich ausreichend entwickelt haben.

Eigentlich hätten sich Landwirte und Interessierte aus den boden:ständig-Projektgebieten Kondrau, Konnersreuth und Waldershof zur Felderbegehungen vor Ort getroffen. Aufgrund der Corona-Situation war dies jedoch nicht möglich. Deswegen dokumentierten Pflanzenbauberater Johannes Schrems vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth mit Projektkoordinator Stefan Haupt vom Amt für ländliche Entwicklung Oberpfalz die Vorarbeiten zur Mulchsaat von Bauer Martin Riedl. Die Ergebnisse werden interessierten Landwirten und Bürgern über die regionalen Medien auf der Internetseite des Projekts vorgestellt.

Nach dem Befüllen des 18,5 Kubikmeter fassenden Güllebehälters mit Gärrest fuhr das Gespann bei strahlendem Sonnenschein und frischem Ostwind auf den Acker und brachte mit einem Schleppschuhverteiler auf 18 Meter Arbeitsbreite den organischen Dünger gleichmäßig in der unbearbeiteten Zwischenfrucht aus.

Parallel fuhr auf der gleichen Fläche ein Schlepper mit Grubber, um den ausgebrachten Dünger gleich nach der Ausbringung oberflächlich einzuarbeiten. "Auf diese Weise gelangten die Nährstoffe sofort in den Boden und nicht in die Atmosphäre", heißt es in der Pressemitteilung des Amts für ländliche Entwicklung.

Doppelte Schlagkraft

Nach dem Grubbern war der Boden in optimalem Zustand für die bald folgende Maisaussaat. Martin Riedl konnte durch optimale Taktung die Eingriffe minimieren und damit Kosten sparen. Die erosionsmindernde Pflanzenauflage blieb dem Boden lange erhalten.

Somit wurde auch die Verdunstung reduziert und der Boden war trotz der vorherrschenden Trockenheit überraschend feucht. Das kommt der Folgefrucht zugute. "In Hinblick auf die Mulchauflage nach dem Winter stand der reine Senf im Zwischenfruchtversuch an erster Stelle. Auch in kühleren Regionen wie bei uns entwickelt er selbst bei später Einsaat noch ausreichend oberirdische Pflanzenmasse", erklärt Bauer Riedl.

Spärliches Wurzelwachstum

Diese dichte Matte schützt den Boden vor Wind- und Wassererosion sowie Austrocknung. In Fruchtfolgen mit Kreuzblütlern, wie zum Beispiel Winterraps, sollte er aber aufgrund der Übertragung von Fruchtfolgekrankheiten nicht verwendet werden. Großer Nachteil ist das eher spärliche Wurzelwachstum im Vergleich zu anderen Arten. Das Angebot an organischer Masse unterhalb der Bodenoberfläche ist jedoch ausschlaggebend für Humusaufbau, Bodenleben, Wasseraufnahmefähigkeit und nicht zuletzt auch den Erosionsschutz.

"Wie so oft im Leben müssen auch hier Prioritäten abgewogen werden und der Landwirt muss Kompromisse eingehen", heißt es in der Pressemitteilung weiter. "Zwischenfruchtmischungen, die aus einer Vielzahl verschiedener Arten zusammengesetzt sind, stellen eine gute Alternative dar, nicht zuletzt auch als Nahrungsquelle für eine Vielzahl von Insekten im Spätsommer." https://www.boden-staendig.eu/

Hintergrund:

Die Initiative "boden:ständig"

In der Initiative boden:ständig werden landwirtschaftliche und bauliche Lösungskonzepte auf landwirtschaftlichen Flächen kombiniert, um der Erosion entgegen zu wirken. Dabei arbeiten Landwirte, Vertreter von Gemeinde, landwirtschaftlichen Fachstellen und Wasserwirtschaft zusammen. Koordiniert werden die Projekte vom zuständigen Amt für ländliche Entwicklung.

Das Projekt im Internet

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