23.07.2021 - 13:28 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Basaltabbau am Hirschentanz bei Konnersreuth vor dem Aus

Der Hirschentanz ist ein erloschener Vulkan und geologisch sehr interessant. Jahrzehntelang war er auch Arbeitsplatz und Baustofflieferant. Doch mit dem Basaltabbau ist bald Schluss.

Ein Blick in die Vulkangeschichte ist am Rand des Abbaugebietes nördlich von Preisdorf möglich. Ein Zubringer zum Goldsteig-Wanderweg führt direkt vorbei.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Der Basaltkegel zwischen Konnersreuth und Pechbrunn hat durch den Abbau schon viel seiner ursprünglichen Höhe von 644 Metern verloren. Vom direkt vorbeiführenden Wanderweg aus blickt man tief hinunter in die Vulkangeschichte und sieht, wie weit sich die Maschinen schon in den Berg vorgearbeitet haben. Ende 2021 wird der Steinbruchbetrieb eingestellt. Das bestätigte die Basalt-Actien-Gesellschaft auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Am Standort Hirschentanz verlieren 15 Mitarbeiter ihre Stelle.

Dass die genehmigten Basaltvorräte am Hirschentanz nicht mehr lange reichen, war bekannt. Gerüchte über die baldige Schließung kursierten schon länger, nun ist sie Fakt. "Nach der Einstellung des Betriebs im Basaltwerk Pechbrunn zum Ende 2019 aus natur- und artenschutzrechtlichen Gründen wird nun auch das Basaltwerk Hirschentanz im Gemeindegebiet Konnersreuth zum Ende des Jahres 2021 seine Produktion einstellen", bestätigte Torsten Honkisch von der Basalt-Actien-Gesellschaft. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Linz am Rhein betreibt den Steinbruch.

"Damit verliert die nördliche Oberpfalz innerhalb kurzer Zeit die beiden leistungsfähigsten Basaltsteinbruchbetriebe", schreibt der für Umwelt, Rohstoffe und Liegenschaften zuständige Abteilungsleiter der Basalt-AG im Geschäftsfeld Nord-Ost. Als Grund nennt Honkisch "die Erschöpfung der wirtschaftlich nutzbaren und genehmigten Vorräte der Basaltlagerstätte am Hirschentanz".

15 Mitarbeiter betroffen

Den 15 von der Schließung betroffenen Mitarbeitern werde eine Weiterbeschäftigung an anderen Standorten angeboten, teilt der Abteilungsleiter mit. Der einzig nahe Betrieb der Hartsteinwerke liegt allerdings bei Windischeschenbach, die anderen Steinbrüche sind weit entfernt.

Die Schließung scheint unwiderruflich. "Eine unmittelbare Fortsetzung der Basaltgewinnung in der Region ist derzeit nicht möglich", so Honkisch. Der Grund liege in den Genehmigungsverfahren mit den notwendigen natur- und artenschutzrechtlichen Untersuchungen sowie Ausgleichsmaßnahmen. Das alles sei "außerordentlich aufwändig und komplex".

Landrat bedauert Schließung

Landrat Roland Grillmeier sagt auf Nachfrage, dass er das Ende des jahrzehntelangen Basaltabbaus und die Schließung des Werks ausdrücklich bedauere. Vor allem die Prüfung der Umweltverträglichkeit, wie ein Abbau in Zukunft aussehen könnte, hätte viel Geld gekostet. Vermutlich habe dieser Umstand das Unternehmen bewogen, lieber zu schließen. "Eigentlich wären noch Vorrangflächen für den Schotterabbau vorhanden", hofft Grillmeier auf eine entsprechende Prüfung. Aber auch dafür würden die Auflagen immer aufwändiger.

"Ich bedauere die Schließung ausdrücklich, zumal die Bayerischen Staatsforsten und Basalt-AG Verträge hatten", sagt der Konnersreuther Bürgermeister Max Bindl. Er habe Ende Juni von der unternehmerischen Entscheidung erfahren: "Ich bin darüber nicht glücklich." Über die Zukunft des Werkes und des Geländes sei bislang noch nichts bekannt. Bindl kündigt für die Marktratssitzung am 29. Juli eine Stellungnahme an.

Staatsforsten: Alles versucht

"Wir hätten gerne mit dem Basaltabbau im Gebiet rund um den Hirschentanz weitergemacht", betont Norbert Zintl, Leiter des Staatsforstbetriebs Waldsassen. Er ist für die Abbauflächen zuständig, die auf dem Gebiet der Bayerischen Staatsforsten liegen. "Wir haben der Basalt-AG verschiedene Optionen zur Erweiterung angeboten und sogar zwei weitere Flächen zur Verfügung gestellt. Leider ging das Unternehmen nicht darauf ein." Zintl räumt ein, dass das Genehmigungsverfahren wohl sehr aufwändig geworden wäre. "Wir als Staatsforsten haben letztendlich alles versucht, müssen aber die Entscheidung des Unternehmens respektieren."

Was die Zukunft des Geländes angeht, rechnet Zintl mit einem Rückbau der Anlage und Renaturierung. Das bestätigt auch Torsten Honkisch von der Basalt-AG: "Am Standort Hirschentanz werden nach Einstellung der Produktion die Werksanlagen zurückgebaut und mit den Arbeiten zur Rekultivierung der in Anspruch genommenen Abbau- und Werksflächen begonnen."

Der Vertreter der Basalt-AG schließt seine Stellungnahme so: "Nach dem Wegfall der beiden Produktionsstandorte Pechbrunn und Hirschentanz muss zukünftig die Region aus weiter entfernten Produktionsstandorten mit mineralischen Baustoffen beliefert werden."

Der Basaltabbau in Pechbrunn ist seit 2019 Geschichte

Pechbrunn
Hintergrund:

Basaltabbau im Landkreis Tirschenreuth von 1880 bis 2021

  • 1880 wurde die Erste Bayerische Basaltstein AG (EBAG) mit Steinbrüchen in Mitterteich und Steinmühle auf Initiative des Gastwirts Josef Wiendl gegründet.
  • Der Basaltabbau war im Landkreis einst ein blühender Wirtschaftszweig mit Hunderten von Arbeitsplätzen. Das Material war wichtig für den Ausbau des Eisenbahn- und Straßennetzes.
  • 1979 waren die Basaltvorräte in Steinmühle (heute Gelände der landkreiseigenen Mülldeponie) erschöpft.
  • Ersatzweise begann man die Erschließung im Gebiet Hirschentanz zwischen Konnersreuth und Pechbrunn. Die EBAG übernahm auch den Basaltsteinbruch am Teichelberg in Pechbrunn.
  • In den 1990er Jahren übernahm die Basalt-Actien-Gesellschaft mit Hauptsitz Linz am Rhein das operative Geschäft des Unternehmens. Die BAG zählt zu den führenden deutschen Baustoffherstellern mit zahlreichen Steinbrüchen und Vertriebsgesellschaften.
  • Die Hartsteinwerke Bayern-Mitteldeutschland (HBM) bilden eine Zweigniederlassung der BAG. Der für den Steinbruch Hirschentanz zuständige Verwaltungssitz ist in Steinmühle.
  • 2018 endete der Abbau am Teichelberg, nachdem die Bayerischen Staatsforsten den Pachtvertrag gekündigt hatten. Vorausgegangen war ein jahrelanges Tauziehen zwischen wirtschaftlichen Interessen und Naturschutz-Belangen im dreifach geschützten Naturwald-Reservat. Mit dem Abbau der Basaltvorkommen am Hirschentanz könne man jedoch leben, wie der Bund Naturschutz in Bayern damals auf seiner Homepage vermerkte.

„Damit verliert die nördliche Oberpfalz innerhalb kurzer Zeit die beiden leistungsfähigsten Basaltsteinbruchbetriebe.“

Torsten Honkisch von der Basalt-AG

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