12.06.2020 - 15:04 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Braune Flut nach starkem Regen in Konnersreuth

Schlammige Wassermassen strömten am Donnerstagabend, 11. Juni, durch die Ortsmitte von Konnersreuth, nachdem es länger stark geregnet hatte. Doch anders als bei den großen Unwettern 2018 kam die Marktgemeinde glimpflich davon.

Von diesem Maisfeld aus setzte sich die braune Brühe in Bewegung und floss durch die Hohlgasse auf den Pfarrer-Naber-Platz. Das Feld befindet sich gleich hinter der Wohnbebauung am Groppenheimer Weg
von Josef RosnerProfil

Als am Donnerstagabend nach heftigem Regen ein brauner Strom durch den Konnersreuther Ortskern floss, wurden Erinnerungen an 2018 wach. Ebenfalls an Fronleichnam hatte es damals nach einem Starkregenereignis schwere Schäden gegeben. Und schon wenige Tage später hatten die Naturgewalten erneut gnadenlos zugeschlagen. Betroffen war diesmal aber nur die Ortsmitte, alle anderen Bereiche blieben verschont. Schäden sind nach ersten Erkenntnissen kaum entstanden.

Kurz hintereinander schlugen vor zwei Jahren zwei schwere Unwetter in Konnersreuth zu

Konnersreuth

Von einem Maisfeld am Groppenheimer Weg schwemmte es schlammige Wassermassen in Richtung Hohlgasse und weiter zum Pfarrer-Naber-Platz. Von dort aus suchte sich der braune Strom weiter einen Weg durch den Ortskern. Mitgeführt vom Wasserstrom wurden Holzscheite, die von einem Wohnanwesen stammten. Auf dem Schafferhof-Gelände versickerte das Wasser im Innenhof-Bereich und erreichte die Gebäude nicht. Im Baugebiet "Waldsassener Straße Nord" und am Klosterweg, wo die Wassermassen 2018 schwer gewütet hatten, blieben diesmal Folgen des Starkregens aus. Ein Anlieger im Baugebiet "Waldsassener Straße Nord" zeigte sich froh, dass auf dem benachbarten Feld kein Mais angebaut werde. So habe das Wasser im Boden versickern können. Zum Schutz des Bereichs am Klosterwegs waren große Gräben ausgehoben worden.

Kurz nach 20 Uhr rückte die Feuerwehr Konnersreuth aus. Kommandant Stefan Kreuzer berichtete, dass weitere Unterstützung nicht erforderlich gewesen sei. "Wir haben dieses Mal nur die Fahrbahn gereinigt, das war unsere Hauptaufgabe", so Kreuzer auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

25 Aktive im Einsatz

Insgesamt 25 Einsatzkräfte reinigten den Groppenheim Weg, die Hohlgasse, den Pfarrer-Naber-Platz, Teile der Hauptstraße und des Therese-Neumann-Platzes sowie den Innenbereich des Schafferhofs. Keller waren nach Aussagen von Stefan Kreuzer nicht überflutet worden. Die aufgesammelten Holzscheite habe man der betroffenen Familie zurückgebracht. Gegen 22.30 Uhr war der Einsatz beendet. Kreuzer betonte, dass alle Aktiven mit Schutzmaske gearbeitet und auch den erforderlichen Sicherheitsabstand eingehalten hätten.

Viel Wasser aufgehalten

Bürgermeister Max Bindl freute sich, dass die für viel Geld umgesetzten Schutzmaßnahmen Wirkung gezeigt hätten. Die groß dimensionierten Graben hätten viel Wasser aufgehalten und eine erneute Überflutung des Orts verhindert, so Bindl. Während des Feuerwehreinsatzes sei er vor Ort gewesen, um sich ein genaues Bild von der Lage zu machen. Der Starkregen sei nur in bestimmten Zonen niedergegangen, so Bindl. "Bei mir hat es gar nicht so stark geregnet", sagte der Bürgermeister, der am Ende der Waldsassener Straße wohnt.

SPD-Marktrat Edgar Wenisch zeigte sich ebenfalls erfreut, dass die Schutzmaßnahmen entlang des Klosterwegs gegriffen hätten. Nun müsse aber der weitere Ausbau in Richtung Osten angegangen werden - und zwar zügig. Das Amt für Landwirtschaft forderte er auf, endlich gemeinsam mit den Landwirten das Konzept des Programms "Boden:ständig" umzusetzen. "Was nützt ein großer Entwässerungsgraben, wenn im Anschluss kurz hinter der Wohnbebauung Maisfrüchte angebaut werden?", so Wenisch weiter. Er erinnerte auch an seine einstigen Aussagen, wonach das Areal des Schafferhofs schon früher ein Überschwemmungsgebiet gewesen sei. "Daraufhin hat man mich der Lüge bezichtigt."

Im Blickpunkt:

Gefahr bei Gewittern aus Südosten

Videoaufnahmen vom braunen Wasserfluss, der am Donnerstagabend durch die Konnersreuther Ortsmitte strömte, wurden vielfach in sozialen Medien geteilt. Dazu gab es jede Menge Reaktionen, darunter auch kritische Fragen und Vorwürfe.

Fakten in sachlichem Ton steuerte auf einer Seite Wetterexperte Andy Neumaier bei. Er verwies darauf, dass es meist Konnersreuth treffe, wenn ein Unwetter von Südosten her in der Region aufziehe. „Die Gefahr habt ihr jetzt leider ein paar Tage lang“, ergänzte er mit Bedauern. „Ab Sonntag gibt es wahrscheinlich nahezu täglich Gewittergüsse aus Südosten.“

Kommentar:

Auf „Warnschuss“ schnell reagieren

Die braune Brühe, die am Donnerstag durch den Konnersreuther Ortskern geschossen ist, hat böse Erinnerungen an die Geschehnisse von 2018 geweckt. Seitdem ist jedoch einiges passiert, es wurden viel Zeit und viel Geld in verschiedene Schutzmaßnahmen investiert. Wie es aussieht, hat sich das Geschaffene bewährt.
Die Verantwortlichen der Gemeinde wären dennoch gut beraten, nach diesem „Warnschuss“ prüfen zu lassen, wo noch Schwachstellen liegen und wie sich diese möglichst schnell beseitigen lassen. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, bis wieder ein gewaltiges Unwetter wie zuletzt 2018 aufzieht.
Anregungen und sachliche Hinweise sind da sicherlich willkommen. Was es aber nicht braucht, sind besserwisserische Bemerkungen und voreilige Schuldzuweisungen, wie sie etwa gleich wieder in sozialen Medien aufgetaucht sind.

Udo Lanz

Die Schafferhof-Einfahrt war mit Sandsäcken geschützt worden.
Der Baustelleneingang auf dem Schafferhof-Areal ebenfalls mit Sandsäcken geschützt worden. Wasser trat ins Gebäudeinnere nicht ein.
Das eingedrungene Wasser versickerte auf dem Schotterfeld des Schafferhof-Areals.
Bewährt hätten sich die groß dimensionierten Straßengräben entlang des Klosterwegs, wie Bürgermeister Max Bindl erklärte.
Bewährt hätten sich die groß dimensionierten Straßengräben entlang des Klosterwegs, wie Bürgermeister Max Bindl erklärte.
Von diesem Maisfeld aus setzte sich die braune Brühe in Bewegung und floss durch die Hohlgasse auf den Pfarrer-Naber-Platz. Das Feld befindet sich gleich hinter der Wohnbebauung am Groppenheimer Weg

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