Konnersreuth
17.06.2018 - 12:11 Uhr

Gegen Hauruck-Aktionen

Eine der am besten besuchte Bürgerversammlung der Marktgemeinde seit Jahrzehnten: Das einzige Thema im Schimlsaal ist brandaktuell. Es geht um Schäden und die Auswirkungen nach den Starkregen-Ereignissen am 23. und 31. Mai.

Hervorragend besucht war die Bürgerversammlung am Freitagabend im Schiml-Saal. kro
Hervorragend besucht war die Bürgerversammlung am Freitagabend im Schiml-Saal.

(kro) Bürgermeister Max Bindl betonte, dass Veränderungen kommen werden. Mit Hauruck-Aktionen und Aktionismus wäre dies aber nicht zu lösen. Vielmehr bedürfe es eines kurz-, beziehungsweise mittelfristigen Konzeptes in Verbindung mit den Fachstellen und aller Beteiligten. Am 14. Juni habe er, Bindl, eine Expertenrunde, bestehend aus dem Ingenieurbüro Bork, dem Wasserwirtschaftsamt, dem Amt für Landwirtschaft und Forsten, dem Amt für ländliche Entwicklung, Vertretern der Abteilung Wasserrecht am Landratsamt, dem Bauernverband, der Verwaltung und den Fraktionsvorsitzenden einberufen. In seiner sehr umfangreichen Rede verwies der Rathauschef darauf, dass Wetterexperten die Unwetter dem Klimawandel schulden.

Bindl nannte aber auch andere Gründe dafür. Denn gerade in der Natur habe es in den vergangenen Jahrzehnten viele Veränderungen gegeben - Flurbereinigung, Flächenzusammenlegungen, die Ausdünnung von Feldgehölzen in der Fläche, die Feld-Bewirtschaftung, Baugebiete, Verdichtungen und Flächenversiegelungen. All dies habe zu extrem hohen Schäden in Konnersreuth geführt. "Es ist mehr als schlimm, wenn Privatpersonen und öffentliche Grundstücke durch diese Wassermassen in Mitleidenschaft gezogen werden."

Abwasserkonzept

Die Marktgemeinde habe in den vergangenen Wochen teils mit schwerem Gerät zugeschwemmte Gräben entlandet, ausgespülte Bankette, Böschungen und Schotterstraßen wieder hergestellt. Auch seien Sinkkästen entleert und Kanäle mit Videokameras befahren worden. Bindl betonte, dass die Entwässerungsgräben permanent gewartet werde und verwies auf das seit 2011 laufende Abwasserkonzept für den Kanalkataster. Mit baulichen Maßnahmen versuche man zudem, dass das Oberflächenwasser nicht mehr in das Kanalsystem komme und demzufolge das Kanalsystem zu entlasten. Doch nicht nur bauliche Maßnahmen sollen helfen. Mit dem Amt für Landwirtschaft und Forsten sei auch über alternative Anbauarten und Fruchtfolge gesprochen worden.

Auch mit dem Ingenieurbüro Bork stehe die Gemeinde in Verbindung. Doch eine 100-prozentige Sicherheit werde es nie geben. Fakt sei auch, dass man nicht nur über technische Veränderungen sprechen müsse, sondern auch darüber, wie man Niederschlagwasser in der Fläche - also auf Feldern und Äckern - zunächst halten oder verzögern könne. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisung, sondern um Ursachenbekämpfung. Deshalb müsse ein Konsens gefunden werden.

Ferner sei in die Planungen aufgenommen worden, die bestehenden Regenrückhaltebecken erheblich zu vergrößern und als Not-Überlauf der Regenüberlaufbecken die umliegenden Flächen bis in den Wald als Regen-Mulden umzufunktionieren. "Dazu benötigen wir aber Flächen und die Bereitschaft der Grundstückseigentümer." Ein Thema sei auch der Querschnitt bestehender Kanäle.

Unbürokratische Hilfe

Die Marktgemeinde als Schuldigen anzuprangern, sei nicht richtig, so Bindl. Denn die bisherigen Unternehmungen beruhten auf Berechnungen durch Vorgabe des Wasserwirtschaftsamtes und der Tiefbauingenieure. Zudem betonte der Bürgermeister, dass das Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat unbürokratische Hilfe angeboten habe. Weitere Informationen gebe es am Landratsamt und auf der Internetseite der Marktgemeinde.

Bindls Dank galt letztlich allen Einsatzkräften, den beteiligten Wehren, der BRK, den Landwirten und der Bevölkerung, die ohne lange zu fragen, mitgeholfen und zugegriffen habe. Dank zollte er auch den Markträten, die Hunderte von Sandsäcken ehrenamtlich gefüllt haben. "Nur wenn man gemeinsam anpackt und miteinander statt übereinander redet, können wir etwas bewegen."

Konnersreuth17.06.2018
Bürgermeister Max Bindl bei seiner Rede. kro
Bürgermeister Max Bindl bei seiner Rede.
 
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