Der Konnersreuther Ring hat sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung noch mehr über Leben und Wirken von Theres Neumann zu informieren und das Thema stärker ins Bewusstsein der Menschen rücken. In diesem Zusammenhang referierte Dr. Theresia Reischl, Pastoralreferentin im Erzbistum München und Freising, im voll besetzten "Pferdestall" des Gasthofs Schiml zum Thema "Heilige und Selige - ihre Bedeutung für uns heute".
Dr. Theresia Reischl widmete sich eingangs dem Begriff "heilig". Dieser sei in fast allen Religionen verankert und habe einen Vorbild- und Leitbildcharakter für das Leben. In vielen alten Sprachen, darunter Latein und Griechisch, gebe es mindestens zwei Begriffe für "heilig", denn das Heilige werde doppeldeutig verstanden. Reischl erläuterte dass nach der Berührung des Menschen durch das Göttliche dies zum Gegenstand seiner Ehrfurcht und Verehrung werde. Gott sei der Anfang der Verehrung, er allein sei der Heilige. "Dieser Gedanke des Alten Testaments entwickelte sich weiter zu Gott als dem Heiligen schlechthin, folglich müssen die Stätten und die Priester, die mit ihm zu tun haben, auch heilig sein." Im Neuen Testament trete Jesus als der Heilige Gottes auf. "Und durch die Aussendung gelten die Apostel als die ersten Heiligen."
Weiter stellte die Referentin die Entwicklung der Heiligenverehrung dar. Anhand von Auszügen aus der Bibel zeigte sie auf, dass die Nachfolge Jesu einen radikalen Bruch darstelle. Dieses Idealbild des christlichen Heiligen mit der Bereitschaft zur Kreuzesnachfolge sei zum Teil bis in die heutige Zeit davon geprägt, wobei die Paulusbriefe belegten, dass dies in der Urkirche noch anders gedacht gewesen sei. "Er adressierte seine Briefe an die Heiligen Gottes, nicht an Brüder und Schwestern, wie es in der Liturgie vorgelesen wird", so Reischl. Die Referentin zeigte weiter auf, dass es beispielsweise bei den Römern Grabesriten mit einem Gedenkmahl am Todestag gegeben habe. "Der Märtyrer gilt als erster Prototyp des heiligen Menschen, denn das Martyrium stellt eine vollkommene Nachahmung der Gesinnung und des Tuns Jesu dar, das mit einem Bekenntnis dazu verbunden ist."
Komplexes Verfahren
Nach der Zeit der Christenverfolgung seien auch Asketen und Bekenner sowie Bischöfe und Eremiten als Heilige verehrt worden. "Anfangs bestimmte das Volk, wer ein Heiliger war." Wirtschaftliche Aspekte hätten zu neuen Kulten geführt, so dass die Zahl der Heiligen beständig gewachsen sei und eine Entwertung zur Folge gehabt habe. "Ab dem 10. Jahrhundert zogen die Päpste das Recht der Heiligsprechung an sich, ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts waren Heiligsprechungen nur noch durch den Papst möglich." Seligsprechungen hätten Ortsbischöfe vornehmen können. 1634 wurden Regeln für das Heilig- und Seligsprechungsverfahren festgelegt, einem bis heute sehr komplexen Verfahren, bei dem auch Wunder nachgewiesen werden müssen, so Reischl weiter.
Fürbitter und Mittler
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil sei versucht worden, das "Martyrologium Romanum", das Verzeichnis aller Heiligen und Seligen der römisch-katholischen Kirche, von legendarischen Heiligen zu "befreien", beispielsweise Georg und Ursula, was man allerdings unter anderem auf Drängen der Gläubigen teilweise wieder zurückgenommen habe. Reischl erinnerte auch daran, dass unter Papst Johannes Paul II. mehr Menschen selig- und heiliggesprochen worden seien als je zuvor. Danach erläuterte die Referentin die Bedeutung von Heiligen in der heutigen Zeit. "Sie gelten als Fürbitter und Mittler und weisen einen Vor- und Leitbildcharakter auf."
Theresia Reischl diskutierte noch mit den Zuhörern und beantwortete zahlreiche Fragen. Insbesondere der Seligsprechungsprozess von Theres Neumann wurde dabei behandelt. Die Veranstaltungsreihe wird im Frühjahr 2019 fortgesetzt. Dabei werden spezielle Interessen der Bevölkerung berücksichtigt, die mittels einer Fragebogenaktion eruiert werden.














Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.