20.05.2019 - 13:00 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Kevin Kühnert wird in Konnersreuth wie ein Popstar gefeiert

Jubel bei der Konnersreuther SPD. Und das trotz der nicht gerade berauschenden Wahlergebnisse in letzter Zeit. Der Grund ist der Besuch von Kevin Kühnert.

von Josef RosnerProfil

Dieser Nachmittag dürfte in die Geschichte der SPD Konnersreuth eingehen. Der 21 Mitglieder zählende Ortsverein begrüßte am Sonntagnachmittag im überfüllten Schaumberger-Saal den Juso-Bundesvorsitzenden Kevin Kühnert. Er gilt als einer der größten Hoffnungsträger, den die SPD aktuell besitzt. Die Sympathien der Genossen aus der Region eroberte der gebürtige Berliner im Sturm. Mit Ovationen feierten sie Kevin Kühnert. Die arg gebeutelte Sozialdemokratie hat mit ihm wieder einen jungen Hoffnungsträger. Musikalisch wurde der Nachmittag von einem Quintett erlesener Musiker aus der Region unter der Leitung von Armin Scharnagl umrahmt.

"Geballte Vorfreude"

Es mussten noch zusätzliche Stühle in den Saal getragen werden, damit auch alle Platz hatten. Der Besuch des prominenten SPD-Nachwuchspolitikers verzögerte sich etwas. Schließlich kam Kevin Kühnert, im Schlepptau hatte er Bayerns Juso-Landesvorsitzende Anna Tanzer und SPD-Europaabgeordneten Ismail Ertug. SPD-Ortsvorsitzender Markus Wenisch begrüßte sie mit den Worten: "Vor euch steht die geballte Vorfreude, ich hoffe, Ihnen geht es genauso." Die Reaktion der Besucher war stürmischer Applaus.

Seit Januar liefen die Vorbereitungen des Ortsvereins für diese größte SPD-Veranstaltung in der Marktgemeinde, die es bislang gegeben hat. Rund 120 Besucher füllten den Saal. Stellvertretender SPD-Ortsvorsitzender Wolfgang Pötzl führte durch den Nachmittag. Er sagte: "Unser Land und unsere SPD braucht solche Leute mit Format wie Sie." Erste Rednerin war Bayerns Juso-Vorsitzende Anna Tanzer. Die 21-jährige Bayreutherin machte deutlich, dass für sie Europa 70 Jahre Frieden bedeute. In den Mittelpunkt ihrer Rede stellte sie die AfD, die sie europa- und menschenfeindlich nannte. Tanzer forderte eine sozialdemokratische Version eines geeinten Europa und zudem die Einführung der Finanztransaktionssteuer. Die Einführung des Mindestlohns für Auszubildende nannte sie einen Schritt in die richtige Richtung.

Dann - endlich - der Auftritt des 29-jährigen Kevin Kühnert, der von Dresden her kommend Station in Konnersreuth machte. Am Montag war er schon wieder in Freiburg. Gleich zu Beginn seiner 35-minütigen Rede verwies er angesichts der aktuellen Entwicklung auf das Nachbarland Österreich. Die Konservativen hätten dort die Freiheitlichen in die Regierung gebracht und würden jetzt dumm schauen. Kühnert kritisierte das Gehabe der Konservativen und ihre Zusammenarbeit mit Leuten wir Orban oder Salvini: "Die haben sie erst salonfähig gemacht."

In der Bundespolitik kritisierte er die Union, die jetzt von zu viel Sozialklimbim spreche. Kühnert: "Lieber mehr Sozialklimbim als Nationalklimbim." Dafür erntete er stürmischen Applaus. Die AfD kritisierte er, dass sie sozial Schwache gegen noch Schwächere ausspiele, "so wie wir es in unserer Geschichte schon mal hatten. Die AfD interessiert die soziale Frage nicht, sie sind die letzten, die den Mindestlohn einführen würden". Bezugnehmend auf die Europawahl am kommenden Sonntag sprach Kühnert von einer Richtungsentscheidung. Kühnert forderte ein Bündnis der Humanität für Europa und die Einführung eines gemeinsamen Asylverfahrens. "Und wenn da 15 bis 18 Staaten mitmachen, die europäische Werte einhalten, dann müssen diese Staaten auch mehr europäische Fördergelder bekommen."

Kühnert nannte es ein Armutszeugnis, wie Deutschland die Flüchtlingssituation im Mittelmeer bewerte. Auf die Kapitalismusdebatte eingehend sagte Kühnert, dass er das "Zeit"-Interview nicht aus einer Laune heraus gemacht habe, sondern ganz bewusst. "Bei allem Profitinteresse, die Würde des Menschen ist unantastbar und muss immer höher bewertet werden. Von einer Verstaatlichung habe ich gar nicht gesprochen." Kühnert forderte mehr Leistungsgerechtigkeit und weniger Kapitalismus. Der Sozialdemokratie riet er, mehr Politik für die Menschen zu machen. "Wir müssen endlich den Hintern hochkriegen in der politischen Auseinandersetzung." Dafür erntete er stürmischen Applaus. Mit stehendem Beifall wurde die Rede von Kevin Kühnert gefeiert, der im Anschluss noch zahlreiche Autogrammwünsche erfüllte und sich bereitwillig mit Besuchern fotografieren ließ. Es wurde deutlich: Kühnert ist der Hoffnungsträger einer Sozialdemokratie, die endlich wieder bessere Zeiten erleben will.

Europaabgeordneter Ismail Ertug hatte es als nächster Redner nicht leicht, aber es gelang ihm trotzdem, seine Botschaft gut rüberzubringen. Er dankte der SPD Konnersreuth für eine "fulminante Veranstaltung", wie er sie selbst noch nicht oft erlebt habe. "Die Europäische Union ist für die Menschen da und nicht für die ein Prozent Millionäre", sagte Ertug. Die SPD stehe "wie ein Fels in der Brandung gegen die braune Brut". Bezüglich des CSU-Spitzenkandidaten Manfred Weber, der EU-Kommissionspräsident werden will, sagte Ertug: "Wir hatten vor fünf Jahren auch einen deutschen Spitzenkandidaten und wurde nicht unterstützt. Es geht hier nicht um nationale Interessen, sondern um gute Politik."

Weiter rief Ismail Ertug die Menschen auf, die Entscheidungen in Brüssel und Straßburg besser zu verfolgen, alle Sitzungen würden live gestreamt. "Die Merkels und Macrons dieser Welt" forderte er auf, dem europäischen Parlament mehr Macht zu geben. "Der Sinn für Gerechtigkeit liegt in unseren Genen, wir sind das Gegengewicht gegen die Monsterbosse dieser Welt." Abschließend rief er zu einer hohen Beteiligung bei den Europawahlen auf. Der Nachmittag endete mit dem gemeinsamen Singen der Nationalhymne.

Kühnerts politische Ansichten

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