19.05.2019 - 20:06 Uhr
KonnersreuthOberpfalz

Kevin Kühnert: Zwischen Resl von Konnersreuth und Europapolitik

Seine Bereitschaft den Autokonzern BMW zu verstaatlichen hat Kevin Kühnert viel Kritik eingebracht, auch in den eigenen Reihen. In Konnersreuth trifft er auf einen Mittelständler, viel Religiösität und die SPD-Basis.

Otto Grillmeier (rechts) führt die Juso-Landesvorsitzende Anna Tanzer und den Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten Kevin Kühnert durch das Geburtshaus der Resl von Konnersreuth.
von Alexander Pausch Kontakt Profil

Da steht der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert nun im Geburtshaus der Resl von Konnersreuth und hört deren Geschichte: von den Stigmata der Therese Neumann, vom Seligsprechungsprozess, von ihren weltweiten Kontakten, von ihrer Ablehnung der Nationalsozialisten und wie sie den Münchener Journalisten Fritz Gerlich inspirierte hatte. Der Gründer der Zeitung "Der gerade Weg" hatte viele Jahre gegen die Nationalsozialisten geschrieben und war von diesem im Jahr 1934 im Konzentrationslager Dachau ermordet worden.

Zwischen der Resl von Konnersreuth, dem Besuch der mittelständischen Bäckerei Kutzer und den Europawahlen am nächsten Sonntag spannt sich der Besuch Kühnerts am Sonntag in Konnersreuth (Kreis Tirschenreuth). Patrick Kutzer diskutiert mit Kühnert und dem SPD-Europaabgeordneten Ismail Ertug die Belastung durch die Bürokratie, für die er in seinem Betrieb mit 600 Beschäftigten, eine Kraft abstellen müsse. In einem kleinen Betrieb mit 25 Mitarbeitern sei dies nicht möglich. Kutzer, der im Umkreis von 80 Kilometern 52 Filialen beliefert, hat 45 Auszubildende. Es könnten aber mehr sein, sagt er. 15 Stellen seien unbesetzt, obwohl er über dem Tarif zahle und es zusätzlichen Urlaub gebe für die Azubis. Was sein Unternehmen bremse, seien die fehlenden Fachkräfte. Gut 20 Prozent Mitarbeiter kommen inzwischen aus Tschechien.

Kühnert ist sich mit Kutzer einig, dass auch im ländlichen Raum der 5G-Mobilfunk ausgebaut werden müsse. Ohne diesen verliere dieser Raum den Anschluss.

Kühnert ist für viele in der SPD der Hoffnungsträger, das zeigen sie am Nachmittag bei der Europawahlveranstaltung des Ortsvereins: Autogramme, Selfies, selbst 80 Jahre alte, langjährige Mitglieder wollen ein Bild mit dem 29-Jährigen. Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Arzberg, Stefan Klaubert, bittet Kühnert, seinen Geist und seine Position zu behalten, und lobt den Juso-Vorsitzenden wegen seines Einsatzes für neue soziale Gerechtigkeit.

Als Kühnert in seiner Rede seine Kritik an der wachsenden Ungleichheit erneuert und fordert, dass nicht alles den Regeln des Kapitalismus unterworfen werden sollte, wird er beigeistert gefeiert. "Wir werden natürlich die Würde des Menschen an die erste Stelle stellen", sagt der Juso. Kühnert nennt Pflege, Gesundheit, Bildung, Wohnen und Mobilität. Und: Er bringt auch das Beispiel BMW und verwiest darauf, dass die Hauptaktionärin Susanne Klatten durch die Dividende jede halbe Stunde so viel erhalte, wie ein Polizist im Jahr verdiene. Dabei flicht er ein, dass selbst das "Handelsblatt" seine Kritik als Anlass genommen habe, nach der Reformbedürftigkeit des Kapitalismus zu fragen.

Kühnert wirbt für einen europaweiten Mindestlohn, eine Untergrenze von 60 Prozent des jeweiligen nationalen Durchschnittseinkommens. In Deutschland würde dann der Mindestlohn bei über 12 Euro langen. Der Juso-Chef wirbt zudem für die Abschaffung der Einstimmigkeit in der EU, damit die europäischen Steueroasen ausgetrocknet werden können, die vor allem große Konzerne nutzen. Kühnert macht klar, dass es nur der EU mit ihren 500 Millionen Einwohnern gelingen könne, Amazon und Co. zu bändigen.

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