Die Kornthaner Dorfglocke hängt und seit Sonntag läutet sie wieder. Anlässlich der Segnung am neu erbauten Glockenstuhl sprach Bürgermeister Toni Dutz von einem "langen Weg". Ein Blick in die Dorfgeschichte verrät, dass die Glocke mehrmals von einem Platz zum anderen wechselte. Der von Dutz angesprochene "lange Weg" begann vor über sieben Jahrzehnten in einer Gießerei bei Dortmund. Danach folgten in Wiesau die Glockenweihe durch Pfarrer Franz Perlinger und der anschließende Transport zum Pfeiferhof südlich des Kornthaner Weihers. Von 1949 an - bis in die 1970er Jahre - wurde die Dorfglocke regelmäßig geläutet.
Nach dem Verkauf des bäuerlichen Anwesens (ehemals mit Wirtshaus und Kegelbahn) folgte der Abbruch. Die Glocke wurde samt Zubehör ins Feuerwehrhaus gebracht. Dort lagerte sie zehn Jahre lang. Der Entschluss, sie auf das Dach des Anwesens der Familie Zrenner (Aslbauer) an der gegenüberliegenden Seite der Wasserfläche zu montieren, reifte Anfang der 1980er Jahre. Als dieses Wohnhaus abgebrochen wurde und einem neuen wich, verschwand auch der hölzerne Glockenstuhl. Nicht aber die Glocke, die beim Aslbauern über 30 Jahre immer wieder erklungen war. Die Familie bewahrte sie in einer Maschinenhalle auf. Viele Jahre vergingen. Vergessen wurde die Glocke nie.
Vorschläge diskutiert
Bei einer am 15. August 2021 einberufenen Dorfversammlung wurde der Weg für einen neuen Standort geebnet. Vorschläge wurden diskutiert, viele davon wieder verworfen. Wie schon zuvor sollte sie - so der endgültige Entschluss - am Südufer des Weihers läuten. Weitere Dorfversammlungen wurden gehalten. Das Ergebnis: Neubau eines frei stehenden Glockenstuhls aus verzinktem Stahl. Parallel dazu sollte das Geläut technisch überholt und modernisiert (elektrisch mit einer Fernsteuerung) werden. Für anfängliche Probleme sorgte die Stromversorgung. Angesichts der Kosten wurde die für die Kabelverlegung ins Auge gefasste Spülbohrung verworfen. Abhilfe schaffte ein Bagger. Mit ins Boot holte man sich Fachfirmen aus der Region.
Hohe Förderung
Vollendet wurde das Werk von den Kornthanern selbst, die Hand anlegten. Maschinen, Geräte und Werkzeuge wurden von privater Hand bereitgestellt, damit das rund 25.500 Euro teure Bauwerk entstehen konnte. Beantragt wurde ein Zuschuss, um die Kosten überschaubar zu halten. Geeigneter Ansprechpartner war die Steinwald-Allianz, die dafür 23.000 Euro nach Kornthan fließen lässt. Am Sonntag war es nun so weit: Glocke, Turm und Anlage wurden gesegnet und im Rahmen eines allerdings verregneten Festaktes übergeben.
Dorfwirtshaus und Dorfglocke seien typische Attribute kleiner Orte, erinnerte Bürgermeister Toni Dutz. Die Kornthaner Dorfglocke, deren neuer Standort demokratisch bestimmt wurde, habe „eine neue Heimat gefunden“, so der Wiesauer Bürgermeister in seiner Festansprache. Dutz vergaß nicht, an die Aufgaben bei bestimmten Anlässen zu erinnern. „Die Glocke läutet bei Unwetter, wenn jemand gestorben ist und zum Tagesgebet.“ Gut gelaunt empfahl er, dass sie auch dann erklingen sollte, wenn ein neues Dorfmitglied zur Welt komme. „Möge sie sehr oft läuten“, bat er - mit Seitenblick auf die jungen Familien - um „viele Geburten“.
Die Dorfglocke habe Tradition, merkte er an. „Sie gehört dazu und ist ein Stück Heimat. Dies ist euer Werk.“ Beeindruckt vom Ergebnis der "gelungenen Sache" fuhr das Gemeindeoberhaupt fort: „Die Glocke ist ein Zugewinn für den Ort.“ Dutz unterstrich: „Heute ist ein stolzer Tag für das schönste Fischerdorf Altbayerns.“ Folgen ließ er auch eine persönliche Botschaft an die Kornthaner: Die derzeit eingestellte Karpfenkirchweih dürfe nur vorübergehend ruhen. Sie müsse baldmöglichst wieder aufleben. Von der Glocken- und Turmsegnung sichtlich begeistert, versprach er, dass die Kosten für das anschließende Dorffest im Gerätehaus der Feuerwehr von der Marktgemeinde Wiesau übernommen würden.
Johannes Reger, Vorsitzender der Steinwald-Allianz, würdigte das hohe Ansehen der, so betonte er wörtlich, „Karpfenstadt Kornthan“. Humorvoll kommentierte der Erbendorfer Bürgermeister den anhaltenden Regen an diesem Tag: „Fische brauchen Wasser, es bringt Farbe ins Dorf.“ Unter dem schützenden Dach des bereitgestellten Pavillons machte er deutlich, dass die Fördersumme gut angelegt sei. Die Förderung sei für Projekte bestimmt, um "gelungene Orte zu schaffen, wo Menschen zusammenkommen“. Auf diesen schönen Ort, wo auch zum Gebet geläutet wird, könne man stolz sein, meinte Reger vor der Andacht mit Pater James George und der anschließenden Segnung.
Toller Zusammenhalt
Zum Ziel geführt worden war das von den Dorfbewohnern gemeinsam getragene Projekt Dorfglocke von Wolfgang Stock. "Ich spreche im Namen aller Kornthaner", betonte er. Der Teichwirt und Marktgemeinderat lobte den Zusammenhalt im Dorf. „Anders wäre das Werk nicht zustande gekommen.“ Unterstützt wurden die Arbeiten auch mit Geld-, Kaffee-, Kuchen- und Brotzeitspenden. Stock bedankte sich bei allen Beteiligten im Dorf, ferner bei der Steinwald-Allianz und der Marktgemeinde Wiesau. Bevor Stock ins Feuerwehrhaus bat, um auf die Glocke anzustoßen, ließ er sie läuten. Der Teichwirt empfahl: „Beten wir für die Verstorbenen aus Kornthan.“
Die Kornthaner Dorfglocke
- Weihe: Am 7. August 1949 kamen sieben neue Glocken nach Wiesau. Geweiht wurden sie vom damaligen Pfarrer Franz Perlinger. Eine davon (mit einem Gewicht von 40 Kilogramm) erhielt Kornthan.
- Material: Zinnbronze (77 Prozent Kupfer, der Rest der Legierung besteht aus Zinn).
- Bisherige Standorte: Gasthaus Pfeifer bis Anfang der 1970er Jahre. Ab 1982 etwa 30 Jahre lang Dach des Aslbauer-Anwesens der Familie Zrenner.
- Überholung der Glocke: Bayreuther Turmuhren (Inhaber Thomas Hollering) in Eckersdorf.
- Notwendige Maßnahmen: Neue Aufhängelasche, neuer Klöppel und elektrisches Zubehör inclusive Fernsteuerung, Stromanschluss.
- Kosten: rund 25.500 Euro.
- Förderung: 23.000 Euro aus dem Regionalbudget der Steinwald-Allianz.
- Fertigstellung: 26. August 2022.
- Festakt mit Segnung: 18. September 2022.















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