17.12.2019 - 14:18 Uhr
Oberpfalz

Die Kraft der Rituale

Rituale sind wichtig für uns Menschen. Sie geben Halt und Orientierung, und sorgen außerdem für ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Weihnachten ist für die meisten von uns nicht nur das schönste Fest des Jahres, sondern auch immer eine Zeit der Rituale.
von Autor EWAProfil

Plätzchen backen, den Weihnachtsmarkt besuchen, Feuerzangenbowle trinken, "Drei Nüsse für Aschenbrödel" gucken, den Christbaum schmücken, zusammen "Stille Nacht" singen, Geschenke auspacken, die Christmette besuchen. Weihnachten ist für die meisten von uns nicht nur das schönste Fest des Jahres, sondern auch immer eine Zeit der Rituale. Wir tun das, was wir jedes Jahr tun - und freuen uns meistens schon wochenlang vorher darauf. Nur zu gerne lassen wir uns vom Lichterglanz, dem Duft von Tannenzweigen und Zimtsternen begeistern, öffnen jeden Tag ein Türchen am Adventskalender, zünden Kerzen an und bauen unsere Krippen auf.

All das wirkt sofort auf unser Unterbewusstsein, dort, wo unsere Emotionen und Erinnerungen gespeichert sind. Wir erinnern uns an das Weihnachten, wie wir es aus unserer Kindheit kennen. Deswegen halten wir nur zu gerne an vertrauten Ritualen fest. "Rituale schaffen Ordnung in einer zufälligen Welt. Sie stabilisieren, auch wenn wir sonst das Gefühl haben, alles sei belanglos", erklärt Michael von Brück, Professor für Religionswissenschaften an der Universität München. Er weiß, wie wichtig Rituale für uns Menschen sind. Sie geben uns Halt und Orientierung, sorgen außerdem für ein Zusammengehörigkeitsgefühl.

Denken Sie nur etwa an die Taufe eines Kindes, das gemeinsame Abendessen mit der Familie, das Auspusten der Kerzen auf dem Geburtstagskuchen - oder eben an das zusammen gesungene Weihnachtslied unter dem Christbaum. Wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit der Psychologie von Ritualen beschäftigt haben, zeigen: Rituale wirken nicht nur oft wie Medizin, sondern können sogar richtig glücklich machen. Eine Studie von Michael Norton und Francesca Gino von der Harvard Business School belegt, dass Rituale uns helfen, schlimme Situationen besser zu verarbeiten.

Egal ob es sich dabei um eine Trennung oder einen Todesfall handelt, durch bestimmte Rituale wird der seelische Schmerz gelindert. Die Trauernden haben das Gefühl, die neue Situation unter Kontrolle zu haben. Doch Rituale eignen sich nicht nur zur Trauerbewältigung, sondern tragen auch dazu bei, Freude zu vergrößern. Das zeigt eine weitere Studie von Forschern der Carlson School of Management. Ein schönes Erlebnis wirkt so noch intensiver - und geteilte Freude ist meistens auch doppelt so schön.

Deswegen freuen wir uns auch heuer wieder auf das Weihnachtsfest mit unseren Lieben - inklusive Plätzchen in den gleichen Keksdosen wie jedes Jahr, den gleichen gemeinsam gesungenen Liedern unter dem Christbaum und dem gleichen Weihnachtsessen am festlich gedeckten Tisch. Ganz nach dem Motto: "Alle Jahre wieder ..." Was für ein Glück, dass manche Dinge eben immer gleich bleiben.

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