Happy Rock in Kropfersricht wiedereröffnet

"Willkommen zu Hause!", schreit ein Mädel mit den Armen nach oben gestreckt, als es zur Bar im ersten Stock rennt. Ja, sie rennt. Auf diesen Abend haben so viele, so lange gewartet. Um genau zu sein: zwei Jahre, acht Monate und einen Tag.

Über tausend Menschen strömen am Freitag in die Kultkneipe.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Zwanzig Minuten zuvor. Es ist 21.42 Uhr. Im Happy Rock laufen die letzten Vorbereitungen für die große Eröffnung. Sind die Limetten vorgeschnitten? Genug Bier im Kühlschrank? Hat jeder reichlich Wechselgeld? Es liegt eine merkliche Spannung in der Luft. Hektik, Aufregung, aber auch Vorfreude. Im Service gibt es bekannte und neue Gesichter. Die Christa ist "seit Anfang an" dabei. Wie lange genau kann sie gar nicht sagen - 40 Jahre dürften es schon sein. Für dieses Wochenende hat sie sich noch einmal in ihren Jeansrock geschmissen, aber das wird es dann gewesen sein. "Die Zeit ist vorbei. Aber es hat mir immer Spaß gemacht", sagt sie.

21.50 Uhr. Noch zehn Minuten bis zum Einlass. Theker Hubert wirft einen Blick durch das Fenster nach unten auf die wartende Meute. "Das überleben wir nicht", seufzt er, grinst dann aber. Kollege Peter motiviert ein letztes Mal seine Truppe. Sie klatschen sich alle ab. "Auf geht's!"

Sie behält den Überblick

Ein Stockwerk darunter sieht es ähnlich aus. Die Mitarbeiter wuseln von einem Ort zum anderen. In der Ecke hinter der rustikalen Theke sitzt eine ältere Dame und wacht über das Treiben. "Frau Müller, passt der Salat Ihnen so?", fragt der Koch die Dame. Sie beurteilt Größe und Geschmack, nickt die Beilage schließlich ab. "Arbeiten kann ich ja nimmer, aber ich schau überall drüber, ob alles passt", sagt die 91-Jährige. Sie hat 1986 das Happy Rock in Kropfersricht eröffnet. Jetzt ist sie wieder dabei - immer noch als Geschäftsführerin. Stellvertreter Thomas Walch ist ihre rechte Hand. Er sorgt mit seinen 26 Jahren für frischen Wind.

Für Hedwig Müller stellt sich die Frage nach dem Aufhören nicht: "Ich mag's halt net verkaufen." Trotz jahrelanger Schließung wegen Brandschutzmängeln und damit einhergehendem "Ärger ohne Ende" habe sie immer daran geglaubt, dass das Happy eine Renaissance erlebt. "Sonst hätte ich ja nicht mein ganzes Geld reingesteckt", erklärt sie. Ihr Blick schweift ebenfalls zur Warteschlange draußen, die immer länger wird. Bis zur B 85 stehen die Leute mittlerweile. "Wie viel Uhr ist es denn?", fragt Müller. Es ist 21.55 Uhr. "Dann lasst's es halt rein. Ich hätt's scho lang rein lassen." Doch jede Minute ist kostbar bei den Vorbereitungen. Dass die Leute bereitwillig warten, kann sich Frau Müller gar nicht vorstellen. Tun sie aber. Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude.

22.00 Uhr. Die Schleusen öffnen sich. Für einen Eintrittspreis von fünf Euro (inklusive 2,50 Euro Getränkegutschein) bekommt man den heiß ersehnten Stempel auf den Handrücken gedrückt und Einlass in die heiligen Hallen. Rockmusik dröhnt aus den Lautsprechern. Langsam füllen sich die drei Etagen. Mehr als tausend Menschen werden an diesem Abend die Security passieren.

Endlich daheim

"Willkommen zu Hause!", die Mädels-Clique geht zielstrebig zur Bar im ersten Stock. Sie strahlen über das ganze Gesicht, quatschen mit den Barkeepern und sind einfach nur happy, wieder hier zu sein. "Hast du 'nen Wischmop und 'nen Eimer für die Scherben?", fragt eine Bedienung ihren Kollegen schon um 22.20 Uhr. In der Lila Lounge habe jemand sein Bier umgeschmissen. Ohne Mop - dafür mit Eimer und Lappen bewaffnet - hastet die junge Frau weg. Zehn Minuten später bahnt sich eine mittelschwere Katastrophe an. "Anders geht's net, sorry", sagt ein Mitarbeiter, als er einen Kasten Fanta über die Theke hievt. Der Aufzug für Speisen und Getränke sei kaputt. Dann muss das Personal das Essen selbst aus der Küche im Erdgeschoss holen. Nach ein paar Minuten ist das Problem aber gelöst. Das Happy ist mittlerweile proppenvoll. Vor allem im Treppenhaus staut es sich und die Wartenden draußen scheinen nicht weniger zu werden. Auf der Tanzfläche steigt die Temperatur. In weißem Nebel, der abwechselnd von rotem, grünem, blauem und orangem Licht angestrahlt wird, tanzen ausgelassene Männer und Frauen, Junge und Alte, Metaler und Modepuppen - alles verschwimmt zu einer einzigen Emotion: Happiness - das heißt Glück.

Im Morgengrauen, gegen fünf Uhr, verlassen die Letzten das Happy Rock. Trunken vor Glück - und anderen Dingen. Für den zweiten Geschäftsführer Thomas Walch ist es eine unglaublich lange Nacht. Nur zwei Stunden Schlaf wird er haben, bevor er am Samstagmorgen die Aufräumarbeiten anpackt, sich um Biernachschub kümmert - den Vorrat für das Wochenende haben die Gäste am Freitag aufgebraucht - und sich erneut ins Getümmel stürzt. "Chaotisch", fällt Walch als erstes zu diesem Abend ein. Er sei "total kaputt" aber auch zufrieden - so wie die Gäste. Zuhause resümiert er: "Unser Plan ist aufgegangen. Zum Glück."

Hier geht es zur Bildergalerie

Hier geht es zur Vorab-Reportage

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.