11.03.2020 - 10:34 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Amtsmüde nur auf Ortsebene

Uli Roth ist entspannt. Er sieht dem 30. April mit Gelassenheit und stiller Vorfreude entgegen. An diesem Tag endet seine zweite Amtsperiode. Einen dritten Anlauf wird es nicht geben. Der 52-Jährige mag nicht mehr Bürgermeister von Krummennaab sein.

Einfach so einmal abends in einem Buch zu schmökern, dazu fehlt dem Krummennaaber Uli Roth meistens die Zeit. Vielleicht wird’s eines Tages besser, wenn der 52-Jährige „nur noch“ Lehrer ist.
von Manfred Hartung Kontakt Profil

Trotz vollen Einsatzes für die Kommune ist der verheiratete Vater dreier Töchter nur Rathauschef in Teilzeit. Hauptberuflich unterrichtet Roth Biologie, Chemie sowie Natur und Technik am Stiftland-Gymnasium in Tirschenreuth. Nebenbei engagiert sich der überzeugte Sozialdemokrat politisch als SPD-Orts- und stellvertretender Kreisvorsitzender. Schließlich ist er auch stellvertretender Vorsitzender des Unterbezirks Weiden/Neustadt/Tirschenreuth. Wird das auf die Dauer einfach zu viel?

"Nein", sagt Uli Roth. "Am Stress liegt es nicht." Amt, Job und Familie ließen sich schon auf die Reihe kriegen. "Ich bin von einer Schlafmütze zum Frühaufsteher geworden. Und man muss ein sehr diszipliniertes und gut organisiertes Leben führen." Die Amtsmüdigkeit auf Ortsebene hat eher etwas mit "lokalen Besonderheiten" zu tun.

Nach den Worten Roths gibt es im Ort Strömungen, die es einem trotz sichtbarer Erfolge schwer machen, den enormen Einsatz und Zeitaufwand auf Dauer vor sich und auch der Familie zu rechtfertigen. Stichwort: "Versteckte Spitzeleien".

Details oder Namen nennt Roth nicht. Ein Beispiel gibt es dann doch: das Abstimmungsverhalten von CSU und Freien Wählern in Sachen Umbau und Sanierung des evangelischen Gemeindehauses. In der Weihnachtssitzung 2018 lehnten die beiden Fraktionen, die zusammen eine Mehrheit im Gremium haben, die Pläne des Bürgermeisters ab. Mangelhafter Informationsfluss lautete der Vorwurf. Anfang 2019 gab es plötzlich doch grünes Licht. Ganz ohne Groll sagt der scheidende Bürgermeister: "Ich muss mir das nicht mehr antun. Ich freue mich jetzt, dass ich bald nicht mehr Probleme regulieren muss, die ich selber nicht habe." Seiner designierten Nachfolgerin Marion Höcht von der CSU - einen weiteren Bewerber gibt es nicht - wünscht er aufrichtig Glück und eine gute Hand. "Sie ist eine sehr qualifizierte Kandidatin."

Mit der Politik ist für den 52-Jährigen aber keinesfalls Schluss. Auf Kreisebene will der amtierende Kreisrat nun verstärkt Gas geben. Und beruflich ändert sich auch ein bisschen was. Oberstudienrat Roth wird sich ab 1. Mai wieder voll am Stiftland-Gymnasium den Naturwissenschaften und seinen Schülern widmen.

Falls sich - wider Erwarten - ein flexibleres Zeitbudget als Bürgermeister a. D. ergeben sollte, wüsste Uli Roth mit den "zusätzlichen Freistunden" umgehend etwas anzufangen. Seine große Leidenschaft ist der A-capella-Gesang. Als Bass trägt er seinen Teil zum Erfolg von "Sing Out" bei. Das einzigartige sechsköpfige Ensemble hat sich über die Grenzen der Region hinaus einen ausgezeichneten Namen gemacht. Nach einer gewissen Vorbereitungszeit wird es in absehbarer Zeit auch wieder einen Auftritt geben.

Falls sich dann immer noch Freiräume ergeben, hätte Roth zwischendrin ganz große Lust auf Gartenarbeit, um das kreative Chaos ein wenig in den Griff zu bekommen.

Und schließlich gibt es da auch noch vier besondere Frauen im Leben des Ulrich Roth: Ehefrau Denise sowie die Töchter Lilli (16), Luzi (14) und Lizzi (10). Die Damen werden ganz bestimmt nichts gegen ein paar zusätzliche gemeinsame und entspannte Stunden haben.

Hintergrund:

Startschuss ohne Computer im Büro

Der Hang zur Sozialdemokratie war für Uli Roth nicht unbedingt vorgezeichnet. „Ich komme aus einem tief katholischen, ‚schwarzen‘ Elternhaus.“ Das SPD-Parteibuch hat er seit 1997. Ein Jahr zuvor hatte er den damaligen Krummennaaber SPD-Vorsitzenden Hans Mark im Wahlkampf unterstützt. Der scheidende Bürgermeister ist zwar im Krankenhaus in Erbendorf geboren, ansonsten aber ein waschechter Krummennaaber.

Er machte 1987 sein Abitur am Stiftland-Gymnasium, war beim „Bund“ als Sanitäter in Regensburg und Amberg, studierte Biologie und Chemie auf Lehramt in Bayreuth und war nach zweijährigem Referendariat ohne Anstellungs-Perspektive. Es waren gerade keine goldenen Zeiten für Gymnasiallehrer. Zur Überbrückung arbeitete der 52-Jährige damals als Pharma-Referent für ein großes Unternehmen. Im Jahr 2000 klappte es doch noch mit der pädagogischen Laufbahn – zunächst acht Jahre lang am Luisenburg-Gymnasium in Wunsiedel, danach an alter Wirkungsstätte in Tirschenreuth. 2008 wurde Roth ins Rennen um die Nachfolge von Franz Stangl geschickt. In der Stichwahl setzte er sich mit sage und schreibe nur fünf Stimmen Vorsprung gegen Herbert Mattes von den Freien Wählern durch. Der aktuelle Zweite Bürgermeister Reinhard Naber war im ersten Wahlgang ausgeschieden. 2014 bekam Uli Roth ohne Gegenkandidaten nur 73 Prozent. Eine „auffallend große“ Zahl von Stimmen war ungültig. Weiter machte Roth trotzdem. Auf seine Arbeit blickt er heute zufrieden zurück. Ob Mehrzweckhalle, der Ankauf und Abbruch der Porzellanfabrik, der Kläranlagenbau, der Bürgerpark – Krummennaab hat 2020 ein ganz anderes Gesicht als 2008, als es noch nicht einmal einen Computer im Bürgermeister-Büro gegeben hat.

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