19.07.2020 - 12:12 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Glaskünstler Bernhard Dagner Kulturpreisträger des Bezirks Oberpfalz

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Bernhard Dagner ist jetzt Kulturpreisträger des Bezirks Oberpfalz. Mit 3500 Euro ist die Auszeichnung dotiert. Auf die Frage, wohin mit dem Geld, antwortet er: „Material einkaufen, zumindest einen Teil davon werde ich dafür verwenden.“

Kunst hat viele Facetten. Bernhard Dagner in Krummennaab ist ein außergewöhnlicher Glaskünstler und wurde dafür jetzt mit dem Kulturpreis des Bezirks Oberpfalz ausgezeichnet.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zwei Möglichkeiten gibt es, den Kulturpreis der Oberpfalz zu bekommen. Man bewirbt sich dafür, oder, wie es Dagner passiert ist, man wird dafür vorgeschlagen. Von mehreren Seiten gleichzeitig ist das in seinem Fall so gewesen. Dieser Preis wird einmal pro Jahr verliehen. In den verschiedensten Genres ist er quasi der "Oscar" der regionalen Kunstszene.

Auf großes Interesse stieß Dagners Ausstellung „LichtSchichtSchichtLicht“ 2019 in Amberg:

Amberg

10 000 Arbeitsstunden

Die ehemalige Mannl-Villa in der Schulstraße dient Dagner gleichzeitig als Atelier, Wohn-, Ausstellungs- und Lagerraum. Als "Lost Place" hat er 1999 das desolate Gebäude an der Schulstraße erworben. 10 000 Arbeitsstunden haben er und sein heute 82-jähriger Vater Robert in das Projekt gesteckt und alles selbst restauriert. "Für mich sind Zeit und Platz der größte Luxus und beides habe ich hier." Bernhard Dagner ist studierter Künstler, ein Gewächs aus der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. "Ich kam schnell von der Malerei zur Zeichnung und dann zum Glas. Das Material fasziniert mich und ich habe sehr schnell begriffen, ich bin ein Mann der Abstraktion." Dagner hat keine eigene Seite im weltweiten Netz. Das wolle und brauche er nicht. Es vergehe kein Tag, wo er nicht im Atelier ist, und sei es nur, um kreativ zusammenzukehren. Manchmal verliert er sich darin und vergisst das Außenherum, wenn er an seinen zahlreichen Entwürfen und Skizzen für neue Glasbilder und -objekte arbeitet.

Im Haus hängen Bilder von Kevin Coyne, dessen skurrilen Farbstiftzeichnungen Dagner sehr schätzt, neben seinen eigenen Werken aus Antikglas. Klar umrissene geometrische Formen dominieren darin. Bernhard Dagner ist Glasmaler. Keiner, der hinter Glas malt, sondern einer, der das leuchtende Material selbst als Farbe einsetzt. Nicht irgendein Glas. Aus Waldsassen kommt es, aus der Glashütte Lamberts. Mundgeblasenes Antikglas, wie es außer diesen wenigen Spezialisten in der Hütte in der Klosterstadt heute kaum noch jemand kann. Auf sage und schreibe 5000 Farben kann er dort ab Lager zugreifen. "Und wenn ich einmal eine ganz spezielle brauche, lasse ich sie anfertigen - kein Problem."

Leidenschaftlicher Fotograf

Als er erfuhr, dass er für den Kulturpreis vorgeschlagen war, habe er gleich ein Fotobuch mit seinen Arbeiten an die Jurorenstelle geschickt. Dagner ist nämlich auch leidenschaftlicher Fotograf und fotografiert seine Sachen selbst. "Da weiß ich, was rauskommt." Sein ehemaliger Kunstprofessor, Georg K. Pfahler, sei einer der ganz großen Farbfeldmaler in Deutschland gewesen. "Ich fühle mich immer noch als Maler, weil ich mit Farbkombinationen arbeite", sagt Dagner, der sich seit jeher für transparente Materialien interessiert. Vom Glasermeister Martin Popp, dem "Gloser von Eschawo", habe er die Grundkenntnisse erworben. Mit Anton Heindl habe er einen weiteren Freund, der ihn unterstütze. In dessen Firma dürfe er die Sandstrahlkammer benutzen. "Im Atelier mache ich nur kleinere Arbeiten, die keinen großen Dreck machen."

Dagner erledigt alle Arbeitsschritte selbst, vom Schneiden über Schleifen, Polieren, Sandstrahlen und dem Verkleben mit einem ganz speziellen Hightech-Kleber. Der sei perfekt und hochtransparent. Interessant findet er, wenn man mit der Arbeit an Grenzen stoße. 2001 ging es los mit dem Glas. "Damit ist es, wie in jedem Bereich, ob Handwerk, Sport oder Fotografie, wenn man sich nicht mindestens zehn Jahre intensiv damit beschäftigt, sind alle Ergebnisse mehr oder weniger nur Zufall. Jetzt bin ich so weit, dass ich sage, ich verstehe mein Material einigermaßen. Glas muss sehr akribisch geplant werden", weiß der 58-Jährige. "Es verzeiht keine Fehler." Das Ergebnis sehe man erst nach Wochen. "Für einen ungeduldigen Menschen wie mich ziemlich schwierig." Für den Künstler ist das Material konkurrenzlos, was Haptik und Farbgebung angeht. "Da ist auch mal ein Verlauf drin. Man sieht einfach, dass es von einem Menschen und nicht von einer Maschine gemacht worden ist."

Weitere Standbeine

Um als Künstler möglichst unabhängig zu sein, unterrichtet Dagner als Kunsterzieher einige Stunden am Gymnasium in Eschenbach und arbeitet als Dozent an der Fachakademie für Sozialpädagogik in Weiden. Die meisten Werke haben keine Titel, nur Nummern. "Aber manchmal weiß ich plötzlich, wie ein Bild heißen will, zum Beispiel ,Glasfarbenspiel', ,Gelbgelb' ,Lichtmomente' oder ,Gelbfieber.'"

Hintergrund:

Von 1983 bis 1989 Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg bei Professor Clemens Fischer (1983) und Professor Georg Karl Pfahler (1984 bis 1989) - Meisterschüler. Akademiepreis 1984, 1985 und 1986. Ab 1987 Kunst-am-Bau-Projekte mit Professor Pfahler. Darunter Arbeitsamt Frankfurt (1989) und Saal des Ältestenrates im Reichstag Berlin (1998). Ab 1987 Dozent an verschiedenen Kulturinstituten (unter anderem "Kunstquartier Nürnberg"). 1994/1997 Mitarbeiter von Professor G.K. Pfahler an der Internationalen Sommerakademie Salzburg. 2001 künstlerische Leitung der Sommerakademie Plauen. 2006 Dozent beim deutsch-tschechischen Projekt "grenzenlos" in Selb. 2007 Teilnahme am internationalen Malersymposium Beratzhausen. 2008/2009 Dozent beim Werkbund Nürnberg. Seit 1989 freischaffender Künstler mit Ausstellungen und Projekten im In- und Ausland.

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