19.11.2019 - 10:51 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Historische Schatzsuche zur SPD in Krummennaab

Vor 100 Jahren wurde der SPD-Ortsverein gegründet. Um Lücken in der Vereinsgeschichte zu schließen, begab sich Bürgermeister und Vereinsvorsitzender Uli Roth auf historische Spurensuche und machte dabei so manche Entdeckung.

Uli Roth sammelte für das 100. Jubiläum des SPD-Ortsvereins in Krummennaab historische Stücke zur Parteigeschichte. Darunter sind auch alte Partei-Mitgliedsbücher, die einiges über die Genossen von damals verraten.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Zum 100-jährigen Geburtstag des SPD-Ortsvereins in Krummennaab versuchte Bürgermeister Uli Roth historische Dokumente und Belege zu finden: "Ich habe an alle Mitglieder eine Einladung zum Jubiläum verschickt. Darauf habe ich auch gefragt, ob jemand etwas zur Geschichte beitragen könnte."

Auf diese Weise fanden den Rathauschef so manche besondere Stücke: Wahlkarten, Protokolle, Korrespondenzen, alte Wahlprospekte, Partei-Mitgliedsbücher, Kassenbücher oder Zeitungsartikel. Von September bis zum Jubiläum saß er viele Nächte und recherchierte, um historisches Material zu sammeln.

Hinweise zur Gründung

"Ein Mitglied brachte alte Partei-Mitglieds-Bücher. Eines davon belegt die Mitgliedschaft von 1919 bis 1933", sagte Roth. Das sei ein Hinweis für das Gründungsjahr der SPD in Krummennaab. Zudem zeigen die kleinen Büchlein, dass der Verein 1946, nach dem Zweiten Weltkrieg, wieder gegründet wurde.

Ein weiterer Beweis für das Gründungsjahr 1919 ist auch die Vereinsfahne, die zum 40-jährigen Geburtstag vom ehemaligen MdB Hans Müller aus Erbendorf gestiftet wurde. Bei einer Suche auf einem Dachboden tauchte zudem ein alter Wimpel auf. "Wir haben wiederentdeckt, dass wir einen Patenverein in Windischeschenbach haben. Der hat uns auch zum Jubiläum besucht."

Lesen Sie hier den Artikel "100 Jahre innere Kraft der SPD" auf onetz.de

Krummennaab

Chronik von Georg Mark

Uli Roth hat noch ein anderes Einzelstück, das bei der Rekonstruktion der Vereinsgeschichte half - die selbst verfasste Chronik von Altbürgermeister Georg Mark. Zwar beleuchtet die Schrift vor allem den Zeitraum von 1946 bis 1980, dennoch gibt sie einiges zu den Anfangszeiten preis.

Zur Gründung der SPD in Krummennaab hat vor allem die Porzellanindustrie beigetragen. So schreibt Mark: "Die kurz vor 1900 gegründete Porzellanfabrik der Firma Wenzl Mannl brachte für den Ort Krummennaab eine völlige Änderung der sozialen Struktur mit sich." Die Porzelliner mischten sich unter die Landwirte und gewerbetreibenden Familien in der Region und es gründete sich innerhalb weniger Jahre eine Arbeiterbewegung, die nach dem Ersten Weltkrieg in der SPD mündete.

Zeitungsberichte, Chroniken und Korrespondenzen geben Auskunft über die Entwicklungen des SPD-Ortsvereins in 100 Jahren.

Zwei große Lücken

"In unserer Geschichte gibt es aber auch zwei große Lücken." Die erste klafft zwischen den Jahren 1919 und 1945. Roth vermutet, dass viele Dokumente vernichtet wurden, nachdem die SPD 1933 durch das Regime des Nationalsozialismus verboten worden ist. Wie es der SPD nach der Machtergreifung Adolf Hitlers erging, erklärt auch Georg Mark und zitiert aus einem Sitzungsprotokoll vom 2. Juli 1933: "Von den 10 Gemeinderäten sind sämtliche Mitglieder der NSDAP und der Volkspartei erschienen. Die Mitglieder sind zurückgetreten. Die Frage, wer für die ausgeschiedenen 3 Gemeinderäte der SPD in den Gemeinderat eintreten soll, wird offen gelassen."

78 Mitglieder nach dem Krieg

Einer der Gemeinderatsmitglieder war auch der Porellandreher Johann Trastl. Er war unter anderem der Vorsitzende einer Baugenossenschaft, die der SPD nahe stand. Er musste seine politische Tätigkeit aufgeben, als er im März 1933 in Schutzhaft genommen wurde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit der Sozialdemokratie wieder aufwärts. 78 Mitglieder zählten nach der Wiedergründung 1946 zum Ortsverein. Johann Trastl wurde nach dem Krieg der erste Bürgermeister von Krummennaab (1948 bis 1960).

In der Nachkriegszeit ging es unter den Genossen nicht immer friedlich zu: Ein Protokollbuch aus den 1950er Jahren zeigt wie sich bei den Sitzungen gestritten wurde. Roth fand ganze Passagen von Aussagen, die nachträglich gestrichen wurden. "In den 1950er und 1960er Jahren hat man sich Demokratie etwas kosten lassen." In den Mitgliedsbüchern finden sich eingeklebte Sondermarken. Sie belegen wie viel die Mitglieder für Landtagswahlen oder Kommunalwahlen gespendet haben.

Protokollbücher dokumentieren Diskussionen, politische Ereignisse und Streitereien.

Ein weiteres geschichtliches Loch klafft zwischen den Jahren 1984 und 1997. "In der Regel ist es bei uns so, dass jeder Vorsitzende des Vereins seinem Nachfolger alle Unterlagen überreicht. Hier ist vermutlich ein Ordner verloren gegangen oder steht noch auf irgendeinem Dachboden", vermutet Roth.

Gebietsreform 1972

Ein weiteres wichtiges Thema für Krummennaab und den SPD-Ortsverein war die Gebietsreform zu Beginn der 1970er Jahre. So wehrten sich die damaligen Genossen vehement vom Landkreis Neustadt/WN ausgegliedert und in den Landkreis Tirschenreuth eingefügt zu werden.

Ein Zeitungsartikel berichtet von einer am 12. Juni 1971 verabschiedeten Resolution: "Wir haben wirtschaftlich, arbeitsstrukturell, schulisch und behördenmäßig gesehen keinerlei Verbindung zum Landkreis Tirschenreuth. Alle unsere Verbindungen, auch in verkehrstechnischer Hinsicht, führen in den Raum Neustadt/WN-Weiden." Doch allen Bemühungen zu trotz, kam die Reform 1972.

Ein Parteiprospekt aus den 1980er Jahren zeigt, dass sich damals schon Frauen von der SPD für den Gemeinderat haben aufstellen lassen. Uli Roth hat einen Entwurf und das fertige Endprodukt.

Wandel durch Industrieverlust

Ein Wahlprospekt aus den 1980er Jahren zeigt, dass die SPD Krummennaab auch Frauen für den Gemeinderat stellten. "Bisher sind wir die einzige Partei im Ort, die das macht", erklärt Roth. Der Prospekt liegt dem Bürgermeister als Entwurf und gedruckter Form vor. "Man sieht deutlich, das jeder der sich aufstellen ließ ein Passfoto mitbringen musste und jeder zu seiner Person oder seinem Beruf schreiben sollte - wie heute auch."

Rund 52 Jahre stellt die SPD den Bürgermeister für Krummennaab. "Der höchste Stand der Mitglieder war gegen Ende der 1970er Jahre. Wir hatten 88 Mitglieder. Von da an ging es bergab." Vor allem der Wegbruch der Porzellanindustrie habe den Wandel begründet. "Früher war es so, wer in der Industrie gearbeitet hat, war meistens in der Gewerkschaft und dann gleich in der SPD."

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