08.11.2020 - 12:10 Uhr
KrummennaabOberpfalz

Seit 50 Jahren ein Wald des Friedens

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Der Waldfriedhof in Krummennaab wurde vor 50 Jahren offiziell eröffnet. Er ist ein Ort, der zum Verweilen und Gedenken einlädt.

Zwischen den Bäumen spitzt das alte Holzkreuz hervor.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Die Tage sind kurz, oft grau und kalt. Kein Wunder, dass der November zum Totenmonat deklariert wurde. Den Anfang machen die katholischen Gedenktage Allerheiligen und Allerseelen. Ein wenig später erinnert der Volkstrauertag an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft. Am Ende des Monats gedenkt die evangelische Kirche mit dem Totensonntag ihrer Verstorbenen. Der November ist ein Monat der Trauer - aber auch des Gedenkens .

Erinnerungen und Gedanken an bereits verstorbene Freunde und Familienmitglieder werden bei einem Spaziergang über den Friedhof geweckt. Der Waldfriedhof in Krummennaab lädt zudem zum Verweilen, Gedenken und Innehalten ein. Er erhielt für sein Konzept bereits eine Auszeichnung.

Am 1. Oktober 1968 wurde der alte Friedhof in der Gemeinde Krummennaab endgültig geschlossen und der Waldfriedhof angelegt. Die geplante Auflösung der seit vielen Jahren teils vernachlässigten und bisweilen sogar von den Angehörigen in Vergessenheit geratenen Gräber wurde zu einem regelrechten Politikum und sorgte bis vor ein paar Jahren immer wieder für hitzige Diskussionen im Gemeinderat.

Platz für 366 Gräber

"1970 wurde der Waldfriedhof am westlichen Ortsrand oberhalb der Bundesstraße 299 offiziell eingeweiht", erzählt Julia Horn von der Friedhofsverwaltung in Krummennaab. Schon damals wurde beschlossen, aus dem alten Gottesacker eine Grünanlage zu machen.

Vor zwei Jahren wurde auf dem Gelände des alten Gemeindefriedhofs ein Friedenshain als Gedenkstätte mit den Namen der Gefallenen und Vermissten angelegt. Die Stätte hebt sich als stilles Areal vom benachbarten Bürgerpark ab. Sie ist kein Kriegerdenkmal, sondern ein Symbol und Mahnmal des Friedens.

Ein blickdichter Zaun aus Laub- und Nadelbäumen zäunt den 7000 Quadratmeter großen Gottesacker ein. Wer den Friedhof betritt, dem steigt gleich der wohlige Waldgeruch in die Nase. Feine Regentropf-en prasselten in den ersten Novembertagen vom Himmel und sorgten auf den Blättern für leises Knistern. Insgesamt können auf dem Areal 366 Gräber angelegt werden. Für Urnen stehen 40 Gräber im "Auge Gottes" und 15 Erdurnengräber auf der angrenzenden Wiese bereit. "Meist jedoch wird ein Platz im 'Auge Gottes' vorgezogen, da hier keine weiteren Arbeiten am Grab anfallen", weiß Horn.

Der Stein soll Ewigkeit und Unvergänglichkeit, die gelben Glasscheiben Licht und Hoffnung symbolisieren.

Julia Horn

Das "Auge Gottes" wurde im Frühjahr 2011 als Urnen-Gemeinschafts-Grabanlage seiner Bestimmung übergeben. Das Werk aus Glas und Stein stammt vom Reuth-er Künstler Erwin Otte. Sieben aus Flossenbürger Granit gefertigte Stelen nehmen in den Zwischenräumen gelbe, nach oben hin immer heller auslaufende Glasscheiben auf. Vor den Steinen befindet sich das "Auge", in dessen Zentrum eine Platane als Zeichen des ewigen Lebens eingepflanzt wurde.

Bepflanzung wird vorgegeben

In der Augenform sind die einzelnen Grabstellen eingebettet, die mit den schweren Granitplatten geschlossen werden. "Der Stein soll Ewigkeit und Unvergänglichkeit, die gelben Glasscheiben Licht und Hoffnung symbolisieren", erklärt Horn. Der Schotterweg führt den Besucher einmal durch das gesamte Gelände. "Unser Friedhof ist in mehrere Grabfelder aufgeteilt", erzählt Julia Horn. Nach den Erdurnengräbern befinden sich am rechten Waldrand die ersten Erdgräber, die sich alle sehr ähnlich sehen.

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"Um den Charakter eines Waldfriedhofs zu wahren, sind bei der Bepflanzung einige Vorgaben einzuhalten", sagt die Verwaltungsangestellte. Eine Einfriedung durch einen Randstein ist nicht vorgesehen. Das übernehmen Pflanzen, die sich als Bodendecker eignen. Auch Einzelpflanzen sind erlaubt, allerdings muss es zum Gesamtbild des Waldbodens passen. "Fremdländische Gewächse wie Palmen, Dracaenen oder Palmlilien dürfen nicht gepflanzt werden."

Zweiter Platz beim Wettbewerb

Um das Bewusstsein für gut gestaltete Friedhöfe zu schärfen, haben der Landkreis Tirschenreuth und der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege vor fünf Jahren den Wettbewerb "Unser Friedhof - Ort der Würde, Kultur und Natur" ausgeschrieben.

Die Gemeinde Krummennaab hat daran mit dem Waldfriedhof teilgenommen. Die Wege wurden neu geschottert, Steine von Moos befreit und Hecken millimetergenau gestutzt. "Gegen zwölf Konkurrenten haben wir uns durchgesetzt und den zweiten Platz belegt", blickt Horn stolz zurück. Das große Holzkreuz, über das schon diskutiert wurde abgesägt zu werden, erstrahlt ebenfalls in neuer Farbe und darf auf dem Waldfriedhof bleiben.

Gegen zwölf Konkurrenten haben wir uns durchgesetzt und den zweiten Platz beleg.

Julia Horn

Der Spaziergang durch den Friedhof endet am "Auge Gottes" und der Aussegnungshalle. Die Atmosphäre auf dem Waldfriedhof ist angenehm und friedlich. Im Sommer spenden die Bäume Schatten, im Herbst machen sie die Vergänglichkeit bewusst. Die Natur spendet Trost - auch wenn die Gedenktage in diesem Jahr anders als bisher ablaufen.

Hintergrund:

Gedenktage

  • Bereits 1919 schlug der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge einen Volkstrauertag für die Verstorbenen des ersten Weltkriegs vor. Im März 1925 wurde der erste Gedenktag gefeiert. Im Dritten Reich wurde er zum „Heldengedenktag“ umbenannt. Nach Gründung der BRD wurde der Volkstrauertag 1950 erneut abgehalten. Seit 1952 wird der staatliche Gedenktag zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Gedacht wird allen Kriegstoten und allen Opfern von Gewaltherrschaften.
  • Am Totensonntag gedenkt die evangelische Kirche den verstorbenen Gemeindemitgliedern. Es ist ein Tag der Trauer, aber auch der Hoffnung auf das ewige Leben und ein Wiedersehen nach dem Tod. Er wird am Sonntag dem ersten Advent gefeiert.
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