Rund 100 Teilnehmer zeigten bei einer Veranstaltung der Interessengemeinschaft (IG) Köfering, dass der geplante Solarpark die Gemüter der Köferinger bewegt. Nicht nur die hiesigen Bürger waren gekommen, sondern auch Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl und eine ganze Reihe seiner Gemeinderäte. Die Entscheidung, ob der Solarpark in Köfering gebaut wird oder nicht, wird Strehl und sein Gemeinderat treffen, Köfering ist ein Gemeindeteil von Kümmersbruck. Marc Hoßfeld von der IG Köfering war vor Ort freudig überrascht über die große Beteiligung. Er ließ wissen, dass er vor dreieinhalb Jahren auf der Suche nach einem neuen Wohnsitz gewesen sei und sich mit seiner Frau für die attraktive Wohngegend Köfering entschieden habe. „Ausschlaggebende Gründe seien der natürliche Charakter von Köfering als Eingangstor zum Naturpark Hirschwald und der Zusammenhalt der ländlichen Bevölkerung gewesen“, erinnert Hoßfeld.
Für erneuerbare Energien
Er und die nachfolgenden Redner Hubert Schanderl und Marianne Gutwein aus den Reihen der IG Köfering betonten: „Wir sind grundsätzlich nicht gegen den Bau von Solarparks, im Gegenteil, wir sind für die erneuerbaren Energien. Uns geht es um die Auswahl des Standorts und darum, dass bei der Genehmigung derartiger Projekte, Rücksicht auf die Menschen und deren Umfeld genommen wird.“ Hoßfeld betonte, dass der IG wichtig sei, dass die Harmonie der Dorfgemeinschaft und der Nachbarschaftsfriede durch den geplanten Solarpark nicht beeinträchtigt werde und hofft, dass mit den verantwortlichen Politikern und Behörden gemeinsam eine gangbare Lösung gefunden werde.
Bürgermeister Roland Strehl erinnerte in seinen Worten, dass die Idee des Baus des Solarparks an ihn und seinen Gemeinderat herangetragen worden sei und dass sich das Gremium grundsätzlich die Realisierung einer Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem Gemeindegebiet vorstellen konnte. Er versicherte einen "sensiblen Umgang mit der Thematik" und sagte den Köferingern zu, dass das Planungsvorhaben nur gemeinsam mit den Köferingern entschieden werde. Dazu werde als nächster Schritt eine Bürgerbefragung gemacht. In jeden Haushalt in Köfering gehen dazu je nach Personenzahl Abstimmungszettel mit Grußwort und Infos zum geplanten Solarpark, hieß es.
Schon viele Belastungen
Hubert Schanderl von der IG Köfering informierte, dass sich der Ort in den vergangenen 20 Jahren sehr gut entwickelt habe. Er machte bewusst, dass man in Sachen Solarenergie in Köfering mit Photovoltaikanlagen auf Privathäusern und landwirtschaftlichen Anwesen einiges vorweisen könne. „Auch an Belastungen trägt Köfering mit der großen Stromleitung durch das Dorf, der Autobahn und der geplanten Westumgehung schon Vieles“, bemerkte Schanderl. Er erläuterte, die Ausmaße und die dadurch entstehenden Eindrücke bei den Bürgern. Das Dorf liege nach seinen Aussagen höher als der geplante Solarpark mit einem Ausmaß von 10,6 Hektar, sodass den Anwohnern ein Blick auf die 100 000 Quadratmeter große Glasfläche des Solarparks nicht erspart bliebe, trotz geplanter Eingrünung der Anlage. Problematisch gestalte sich laut Schanderl auch die Ausmaße der Module in einer Höhe mit 3,5 Metern, von denen 25 000 Stück im Solarpark aufgestellt werden sollen. „Diese Monstermodule wirken sehr aggressiv“, betonte Schanderl. Er wertete die Aussage des Geschäftsführers der Energiebauern GmbH, Sepp Bichler, als Investor aus der Augsburger Gegend: „Man sieht die Anlage nur, wenn man darüber fliegt“ als verachtend und rücksichtslos. Die Aussagen der IG dagegen basieren auf der Aufstellung eines Musters von der Solarmudul-Aufständerung auf einer Wiese neben der Köferinger Siedlung, um jedem Bürger die Ausmaße der Anlage zu verdeutlichen. Schanderl ging auch noch auf vom Betreiber angeführten Vorteile für den Bau der Anlage ein, um diese gleichzeitig zu entkräften: Zum einen führe der Investor die Gewerbesteuer für die Gemeinde an, die laut Schanderl allerdings von dessen Wohlwollen abhängig sei. Zum anderen sei eine artgerechte Schafzucht auf dem Gelände des Solarparks geplant, was nach Meinung Schanderls zwischen 30 000 Solarmodulen samt Elektrosmog unmöglich sei.
Gemeinde soll Standort bestimmen
Schanderl regte an, dass die Standortwahl einer solchen Anlage die Gemeinde in die Hand nehmen sollte und nicht der Investor, der in Köfering die Nähe zur Einspeisungsquelle als enormen Vorteil für diesen Standort entdeckt habe. Seiner Meinung nach gehören solche Anlagen an Autobahnen und neben Gewerbegebiete, aber nicht in die Nachbarschaft von Wohngebieten. Schanderl plädierte für den Vorschlag von Bürgermeister Roland Strehl, ein Ingenieur-Büro für die Suche nach geeigneten Flächen für derartige Anlagen im Gemeindegebiet zu beauftragen und darüber hinaus für die überregionale Lösung des Speicherproblems von Solarstrom. „Der Gemeinderat entscheidet über den Solarpark in Köfering. Wir von der IG bitten um eine wohl überlegte Entscheidung für oder gegen diesen Standort, der nicht alternativlos ist“, appellierte Schanderl.
Marianne Gutwein als gebürtige Köferingerin bat den Investor und einschlägige Vereine und Organisationen wie BN und Solarförderverein die Köferinger in ihren Anliegen hinsichtlich des Solarparks ernst zu nehmen. An die Politik richtet sie die Bitte, ihren diesbezüglichen Beschluss zurückzunehmen. Sie appellierte an Bürgermeister Strehl zu seiner Aussage zu stehen und nur im Konsens mit den hiesigen Bürgern eine Entscheidung für oder gegen den Solarpark zu treffen und an die Köferinger, sich an der Bürgerbefragung zu beteiligen.
















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