17.09.2020 - 08:20 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Flüchtlingshilfe Kümmersbruck stellt Arbeit ein

Fünf Jahre nach Angelas Merkel Satz "Wir schaffen das" heißt es bei dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe in Kümmersbruck: "Wir haben es geschafft." Die Gruppe Ehrenamtlicher, die 2016 sogar den Integrationspreis gewonnen hat, löst sich auf.

Die Flüchtlingshilfe Kümmersbruck löst sich auf. Von links: Maria Schönberger, Renate Amrhein und Richard Bäumler.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Der Arbeitskreis hatte selbst daran gearbeitet, sich überflüssig zu machen. "Unser Ziel war es, den Familien einen guten Start zu ermöglichen, um sie dann in die Selbstständigkeit zu entlassen", sagt Renate Amrhein beim Pressegespräch im ehemaligen Martin-Schalling-Haus in Kümmersbruck. Dort erinnert nichts mehr an die unzähligen Deutsch-Unterrichtsstunden, an Hausaufgaben- oder Kinderbetreuung. Ein kleiner Schrank ist noch übrig, gefüllt mit Material aus der Flüchtlingshilfe. Auch Geld ist noch da. Renate Amrhein zählt es noch einmal zur Sicherheit ab. 600 Euro sollen zu gleichen Teilen an die Amberger Tafel und den Verein Hoffnung für Menschen in Indien gespendet werden.

Die Helfer aus dem Arbeitskreis Flüchtlingshilfe betreuten in Kümmersbruck, Theuern und Ebermannsdorf zu Hochzeiten rund 100 Flüchtlinge. Männer, Frauen, Kinder aus Ländern wie Irak, Syrien oder Äthiopien kamen ab 2015 nach Deutschland und damit auch in die Region. Sie waren den Gemeinden vom Landkreis Amberg-Sulzbach zugeteilt worden. "Natürlich waren Vorurteile da", erinnert sich Renate Amrhein zurück. "Uns war ganz schnell klar, dass sich diese nur durch Begegnungen abbauen lassen." Ein wesentlicher Schlüssel zur Integration ist die Verständigung. Deshalb begann die Flüchtlingshilfe im Gemeindehaus mit Sprachkursen.

"Wir vermittelten anfangs einfach nur die Grundlagen", sagt Maria Schönberger. Aus den Sprachkursen ergab sich die Kinderbetreuung, damit auch die Frauen teilnehmen konnten. "Und die waren oft die Ehrgeizigeren", erinnert sich Schönberger. Aus den Kontakten zu den Flüchtlingen wurde immer deutlicher, woran es ihnen eigentlich fehlt, zum Beispiel warme Kleidung. Erst unterstützte der Pfarrhelferkreis die Gruppe, dann die Caritas Amberg-Sulzbach. Aus den anfänglichen sechs Helfern wurden ab Januar 2016 15. Es wurden Fahrradspenden organisiert, Familienpatenschaften vermittelt sowie bei der Suche nach Praktikums-, Ausbildungs- und Arbeitsstellen geholfen. "Wir haben uns ganz einfach darum gekümmert, dass sie den Alltag hier auf die Reihe bekommen", so Amrhein. Dazu gehörten auch ganz banale Dinge wie beispielsweise: Was braucht eigentlich das Kind im Sportbeutel?

Der Weg, den die Ehrenamtlichen mit den Flüchtlingen beschritten, lief nicht geradlinig ab. Es gab Männer, die nicht wollten, das ihre Frauen Kurse besuchten, Menschen, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Religionen nicht an einen Tisch setzten, Probleme mit Nachbarn oder Wohnverhältnissen. Auch Richard Bäumler ist ein Mann der ersten Stunde im Helferkreis und hat heute noch einen guten Draht zu vielen ehemaligen Flüchtlingen, die sich hier gut integriert haben. "Nur ein Beispiel: Ein Rechtsanwalt aus Syrien kam nach Kümmersbruck mit zwei Plastiktüten in der Hand. Sonst nichts." Auch Kfz-Mechaniker, Maler, Studenten oder ein Frisör waren unter ihnen.

Amrhein, Schönberger und Bäumler sind die Integrationsnachmittage in Kümmersbruck noch gut in Erinnerung. Etwa 35 Flüchtlinge und 65 Deutsche waren gekommen. "Es war wunderbar zu sehen, wie die Distanz innerhalb weniger Stunden gewichen ist", so Schönberger. "Irgendwann war das Eis gebrochen." Für die Kümmersbrucker sei es interessant gewesen zu erfahren, welche Schicksale hinter den Gesichtern stecken. Als 2016 die Regierung der Oberpfalz einen Integrationspreis auslobte, bewarb sich Richard Bäumler mit der Flüchtlingshilfe. Mit Erfolg. Der Helferkreis gewann ein Preisgeld von 1000 Euro, wovon Lehrbücher, Schreibmaterial, Spielzeug und Ausflüge, unter anderem in den Nürnberger Zoo, veranstaltet wurden. Auch davon ist noch Geld übrig, das jetzt gespendet werden soll.

2018 habe sich abgezeichnet, dass immer weniger Personen die Hilfe vor Ort in Anspruch nehmen mussten. "Sie besuchten organisierte Sprachkurse oder gingen einer Beschäftigung nach", sagt Schönberger. Die Kinder seien in Kindergärten und Schulen gut untergebracht, denn auch in diesem Umfeld gebe es schließlich ein funktionierendes Netzwerk. Zu Beginn des Jahres 2019 entschloss sich deshalb der Helferkreis dazu, die Vorortbetreuung einzustellen. Die persönlichen Kontakte werden sie aber aufrecht erhalten.

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