06.02.2020 - 14:51 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Gemeinderat Kümmersbruck rät von Steingärten ab, aber kein Verbot

Sie sind pflegeleicht, weil aus Beton, Pflaster oder Schotter. Gleichzeitig sind sie aber ein Symbol wider die Natur, weil ohne Grün, ohne Leben, Pflanzen und Blüten – und nach Meinung vieler einfach nur öde und hässlich: Steingärten.

Steingärten vor dem Haus sind offenbar in Mode gekommen. Der Gemeinderat Kümmersbruck empfiehlt, darauf zu verzichten, sieht aber von einem Verbot ab.
von Klaus HöglProfil

Diese Modeerscheinung war auch Thema bei der Sitzung des Kümmersbrucker Gemeinderats. Schon der Name Steingarten bildet nach Ansicht von Gemeinderätin Veronika Frenzel (SPD) ein Paradoxon, "denn ein Steinhaufen kann ja nun wirklich kein Garten sein". Im Gremium wurden in geradezu epischer Breite das Für und Wider von Steingärten diskutiert. Die Erörterung basierte auf einem Antrag von Gemeinderätin Monika Rambach (SPD), die in neuen Bebauungsplänen für Kümmersbruck künftig verboten haben wollte, Grünflächen mit Kies oder Steinen zu gestalten oder ganz abzudecken. „Demnach sind alle Areale auf Baugrundstücken, die nicht durch Gebäude, Wege, Terrassen, Zufahrten oder Stellplätze in Anspruch genommen werden, als sogenannte Vegetationsflächen anzulegen. Infrage kommen dafür Rasen- oder Wiesenvegetation, Gräser, Stauden oder Gehölze“, wollte die Gemeinderätin festgeschrieben haben.

Vegetation, Grünflächen, Bienen- und Insektensterben, Klimaschutz - das waren die Schlagworte in der auseinanderdriftenden Diskussion. „Sehr wohl berechtigt“ fand SPD-Fraktionssprecher Werner Cermak den Antrag. Hans Graf (CSU) und CSU-Fraktionssprecher Marcus Graf hielten ein Verbot für nicht durchsetzbar, laut Bürgermeister Roland Strehl sei es wohl auch nicht kontrollierbar. Zwar bestand im Gremium grundsätzlich die Erkenntnis, dass Steingärten der Weisheit letzter Schluss nicht sind. Doch von vornherein und kategorisch im Bebauungs- oder Bauplan verbieten? Das wollte man dann auch nicht, der Hausbesitzer sollte schon noch ein Stück gestalterische Freiheit haben, hieß es. Schlussendlich konnten sich nur vier Gemeinderäte mit einem absoluten Verbot von Steingärten anfreunden. Die große Mehrheit sprach sich lediglich für eine Empfehlung aus, die in künftigen Bebauungsplänen aufgenommen werden soll.

Um Flächenverbrauch ging es auch bei der Änderung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans mit integriertem Grünordnungsplan Kreuzhügel 2. Bauamtsleiter Alexander Greiner erläuterte die Maßnahme. Die Gemeinde beabsichtigt, das Sondergebiet Kreuzhügel 1 zu erweitern. Städtebaulich ist dieses Vorgehen laut Greiner mit der Verbesserung des Versorgungsangebots in der Gemeinde Kümmersbruck zu begründen. Konkret: Die Firma Rewe will an der nördlichen Grenze, grob gesagt am Ende des Parkplatzes in Richtung Amberg gesehen, auf der bisher landwirtschaftlichen Fläche einen Getränkemarkt bauen. Das war 2019 schon einmal Thema im Gemeinderat, der das Vorhaben nun gegen drei Stimmen genehmigte.

Ganz ohne Gegenrede ging das allerdings nicht ab. „Braucht`s das überhaupt?", fragte Hans Graf (CSU) angesichts des Flächenverbrauchs, „nachdem im 500-Meter-Umkreis schon zwei Getränkemärkte sind.“ In dieses Horn stieß auch Josef Flierl (SPD), der an eine Grundsatzdiskussionen über dieses Thema vor Jahren erinnerte. Udo Fechtner (SPD) riet angesichts horrender Flächenversiegelung zu überlegen, ob künftig Supermärkte nicht in die Höhe gehen müssten, um Gelände- und Flächenverbrauch möglichst zu vermeiden. "Nicht große Flächen versiegeln und verbrauchen, sondern eben einen Stock drauflegen, ist die Zukunft", sagte Marcus Graf (CSU). Hans Hartinger (SPD) forderte gemäß dem Beispiel Österreich, unten Parkplätze zu bauen und drüber die Geschäftsräume einzurichten, um nicht Riesenflächen durch Parkplätze zu versiegeln.

Steingärten
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