08.05.2020 - 16:00 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Kümmersbruck plant Kindergarten-Neubau

Einen Neubau in einen Hang hinein zu setzen, ist nicht ganz ohne. Für die Kita St. Raphael hat das aber auch Vorteile. Die Gemeinde plant hier gerade den größten ihrer fünf Kindergärten.

Vor 50 Jahren wurde der Kindergarten St. Raphael im Kümmersbrucker Ortsteil Haselmühl gebaut. Heute ist er nicht mehr zeitgemäß und auch zu klein: Die Gemeinde plant hier einen Neubau für rund 8,5 Millionen Euro.
von Heike Unger Kontakt Profil

Manche hatten schon gescherzt, die Gemeinde suche hier nach Öl: Die Bohrungen auf dem Gelände des Kindergartens St. Raphael an der Köferinger Straße dienten natürlich nicht der Suche nach Bodenschätzen - auch wenn die Gemeinde die angesichts der geplanten Investition gut brauchen könnte. Experten haben Mitte April die Bodenbeschaffenheit des Areals, auf dem gebaut werden soll, untersucht. Der abschließende Bericht darüber liege zwar noch nicht vor, sagte Alexander Greiner, der Leiter der Kümmersbrucker Bauverwaltung, bei einem Ortstermin mit der Redaktion am Freitag. Trotzdem sei jetzt schon klar: "Das wird keine einfache Baustelle."

Vor dem Neubau: Bodenuntersuchungen an der Kita St. Raphael

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Bau mit "Herausforderungen"

Weil der Neubau quasi in den Hang hinein gebaut wird, rechnet Greiner "mit der einen oder anderen Herausforderung". Dabei drehe es sich allerdings nicht um die Frage, ob sich das Vorhaben umsetzen lässt, sondern um die Kosten. Für die gibt es momentan nur einen groben Anhaltspunkt von 8,5 Millionen Euro, da sich das Projekt noch in einem frühen Stadium befindet: Erst am Donnerstag hat Bürgermeister Roland Strehl eine Vorplanung des beauftragten Büros B/S/S Architektur Nürnberg bekommen. Architekt Bernd Stadelmann hatte im März dem Gemeinderat erste Ideen präsentiert.

Erste Ideen für Kita-Neubau im Gemeinderat

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Dass es einen Neubau geben muss, steht für Strehl nicht infrage. Das jetzige Gebäude, inzwischen 50 Jahre alt, sei einfach nicht mehr zeitgemäß, "abgewohnt" und auch zu klein. "Die pädagogischen Konzepte und die Anforderungen haben sich geändert", betont Bauamtsleiter Greiner. Konzipiert wurde der Altbau einst für vier Kindergartengruppen. Derzeit werden hier bereits drei Kindergarten- und drei Krippengruppen betreut. Und die Gemeinde will in St. Raphael künftig noch eine weitere Kindergarten- und zusätzlich auch eine Hortgruppe unterbringen. Bei letzterer, so formuliert es Bürgermeister Roland Strehl, "haben wir brutalen Bedarf", die Nachfrage nach zusätzlicher Kinderbetreuung sei groß.

Blick auf neue Baugebiete

Mit der geplanten Erweiterung "sind wir dann gut aufgestellt", meint Strehl - glaubt aber trotzdem, dass seine Gemeinde künftig sogar noch eine weitere Kita brauchen könnte. Er denkt dabei an neue Baugebiete, das bereits ausgewiesene kleinere in Köfering und ein weiteres, größeres, das der Gemeinde zusätzlich noch vorschwebt, auch wenn hier noch nichts spruchreif sei.

Direkt oberhalb des alten Gebäudes (im Hintergrund) soll der Kindergarten-Neubau entstehen. Die Hanglage ist eine Herausforderung.

Dass der Neubau neben dem jetzigen Kindergarten entstehen soll, hat gute Gründe: Das Grundstück gehört der Gemeinde, die für einen Neubau an anderer, ebener Stelle keine Fläche besitzt. Abgesehen davon soll St. Raphael auch in seinem angestammten Umfeld bleiben. "Diese zentrale Lage ist einfach ideal", sagt Strehl, auch mit Blick auf die Köferinger und das nahe gelegene neue Baugebiet in Haselmühl. Und die Erzieherinnen sind begeistert von der Hanglage: Wenn die Kinder draußen spielen, fördere dieses Gelände ihre Motorik.

Bis zum Umzug ins neue Gebäude kann der Altbau genutzt werden. Deshalb muss die Kita nicht vorübergehend in Container umziehen.

Für die Planer und die ausführenden Firmen ist das steile Gelände laut Strehl dagegen "eine Riesenherausforderung". Als das federführende Nürnberger Architekturbüro, das die Ausschreibung gewonnen hat, das Gelände zum ersten Mal gesehen habe, "ist denen das Herz stehen geblieben", scherzt Strehl. Etwas teuerer als auf einem ebenen Gelände werde der Neubau im Hang auch. Aber, und das wiederum spare Kosten: Dadurch, dass der Altbau weiter genutzt werden kann, bis das neue Gebäude nebenan im August/September 2022 fertig ist, müssen keine teuren Container angemietet werden, um die Kita auszulagern.

Es gibt schon einen neuen Träger

Die katholische Kirche, die momentan noch Träger von St. Raphael ist, will sich hier zurückziehen, nachdem die Diözese schon vor einiger Zeit beschlossen hat, ihre Aktivitäten in diesem Bereich stark zurückzufahren. Der Bürgermeister verhehlt nicht, dass er enttäuscht war, "dass sich die Kirche aus einem gesunden Kindergarten zurückzieht" und die Gemeinde damit zunächst ratlos gemacht habe. Inzwischen hat sich das erledigt. "Ich habe schon einen neuen Träger", verrät Strehl, allerdings ohne ihn zu nennen, weil noch letzte Absprachen nötig seien. Kümmersbruck hatte sogar mehrere Bewerber, die die Kita übernehmen wollten. Strehl überrascht das nicht: "Ein gut ausgelasteter Kindergarten ist kein Draufzahlgeschäft."

Hintergrund:

Pläne noch in einem frühen Stadium

Noch sind die Planungen für den Neubau von St. Raphael in einem sehr frühen Stadium, sie werden sicher noch öfter Thema im Gemeinderat sein. Gedacht ist laut Bürgermeister Roland Strehl an einen filigranen Baukörper mit Innenhof, den die Kinder auch nutzen können und der Licht ins Gebäude bringt. Die Lage im Hang und ein Aufzug sorgen für Barrierefreiheit. Ein paar ältere Bäume werden dem Neubau weichen müssen. „Aber wir pflanzen neue“, verspricht Bauamtsleiter Alexander Greiner.

Strehl rechnet „mit einer Förderung in Höhe von 50 Prozent“. Er hofft aber auch, dass der Staat diese Finanzhilfe für Kita-Neubauten wieder erhöht, wie es bis August 2019 der Fall war – „vielleicht mit einem kommunalen Förderprogramm“, um die Folgen der Coronakrise etwas aufzufangen.

Die Kosten, die derzeit im Raum stehen, seien mit Vorsicht zu betrachten, betont der Bauamtsleiter. Trotz Bodenuntersuchungen wisse man nicht hundertprozentig, was der Untergrund an Überraschungen berge und wie teuer die Entsorgung des Abbruchmaterials werde: „Wir wissen nicht genau, was uns da erwartet.“

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