Kümmersbruck
01.09.2023 - 15:55 Uhr
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Kümmersbrucker Westumgehung nimmt jetzt Form an

Die Westumgehung von Kümmersbruck nimmt Form an. Inzwischen wird an mehreren Stellen an der neuen Straße gebaut. Teilweise in erstaunlichem Ausmaß. Und mit einer "Brücke", die später nicht sichtbar sein wird.

Die Breite der Fläche, die die Baumaschine gerade auf einem Hügel gegenüber des alten Drahthammerbahnhofs zwischen Haselmühl und Amberg, Humus abschiebt, überrascht auf den ersten Blick: Fast könnte man meinen, hier wird für eine Autobahn planiert. Stefan Noll, der beim Staatlichen Bauamt die Regie für die Westumgehung führt, beruhigt: So breit wird die neue Trasse natürlich nicht. An dieser Stelle wird derzeit nur schon mal großflächig Humus abgetragen, der für den Straßenbau nicht gebraucht wird, und auf einem Feld nebenan verteilt. "Hier geht also kein Humus verloren."

Ein Vorteil für beide Beteiligten: Das Bauamt wird nicht benötigtes Material ohne Fahrerei los und der Landwirt, dem die Flächen neben der künftigen Straße gehören, bekommt guten Boden für die nächste Aussaat. "Ein besonderes Beispiel für die Zusammenarbeit mit einem betroffenen Grundstückseigentümer", sagt Noll: "Es heißt ja immer, mit uns kann man nicht reden. Hier ist das Gegenbeispiel." Noll will nicht groß auf die Gegner der Umgehung eingehen, die sich immer wieder mal zu Wort melden, obwohl längst alle Rechtsmittel ausgeschöpft sind. Nur kurz merkt er an: "Ich verstehe ja, wenn man dagegen ist." Aber wenn, wie bei der Westumgehung, alles abschließend durchgeklagt sei, Baurecht bestehe und das Projekt umgesetzt werde, müsse man das auch akzeptieren. Sonst sei es einfach nur noch "Grundsatzopposition".

"Konstruktive Gespräche"

Mit vielen Eigentümern von Grundstücken, die für die neue Straße gebraucht werden, gebe es übrigens keine Probleme, betont Noll. Im Gegenteil: "Ich bin überrascht, wie konstruktiv die Gespräche sind." Und da, wo diese nicht möglich sind, werden die entsprechenden Wege beschritten. Wie bei einer Fläche, die im Bereich der zweiten Brücke der Umgehung bei der Autobahnauffahrt bei Theuern gebraucht wird: Hier hat es ein Besitzeinweisungsverfahren gegeben, weil der Eigentümer nicht verkaufen wollte. Das einzige bei diesem Projekt bislang.

Die neue Brücke zwischen Staatsstraße 2165 und der alten Vilstalstraße nach Theuern ist schon in ihrer Form schon erkennbar. Eines der beiden Widerlager ist betoniert. Beim anderen wurden in den vergangenen Tagen in die Verschalung die Armierung, dicke Eisenstäbe zur Verstärkung, eingebaut, bevor auch hier der Beton eingefüllt wird. Noll hat dazu Zahlen parat, spricht von "12, 13 Tonnen Eisen und fast 100 Kubikmeter Beton", die hier verbaut werden. 1,6 Millionen Euro werden alleine für dieses Bauwerk ausgegeben, eine von insgesamt acht Brücken der neuen Umgehung. Diese hier wird ohne Brückenlager auskommen. "Das ist nicht so Wartungs-intensiv", erklärt Noll, und deshalb auch günstiger im Unterhalt. Wenn die Brücke nicht zu groß ist und der Untergrund stimmt, kann man das so machen.

Zwei Brücken im Bau

Aufwand ist trotzdem nötig: Jede der großen Fugendichtungen, die hier eingebaut werden, "damit kein Wasser eindringt", ist eine Einzelanfertigung. "Da gibt es keine in Deutschland, die wie die andere ist." Vom Zeitplan her ist alles im grünen Bereich. "Wir wollen im Herbst die Abdichtung drauf machen", sagt Noll, und meint die Schutzschicht aus Gussasphalt. "Das ist ein bisschen heikel, da muss das Wetter passen", schränkt er ein. Aber wenn das heuer nicht mehr klappt, sei es auch "kein Problem, dann machen wir das im Frühjahr, da haben wir keinen Zeitdruck".

Ein Stück weiter, unten an der Vils, sind auch schon schwere Maschinen im Einsatz: Vorbereitungen für eine weitere Brücke, die über den Fluss führen soll. Weil die Pfosten dafür mit einem schweren Spezialfahrzeug in den Vilsgrund getrieben werden müssen, muss zuerst eine andere, sehr spezielle "Brücke" errichtet werden, die man später gar nicht sehen wird. Hier verläuft der Vilstalsammler, der große Kanal, der hier die Abwässer zusammenführt und weiter zur Kläranlage bei Theuern bringt: Er würde das 100 Tonnen schwere Bohrgerät nicht tragen, weshalb der Kanal jetzt ein "Schutzbauwerk" bekommt. Eine Art Brücke, die über das Kanalrohr führt, stark genug ist, um die Baufahrzeuge zu tragen, aber komplett in der Erde verschwinden wird.

"Erdboden ist wie Ketchup"

"Hier wird später wieder eine Wiese sein", kündigt Noll an. Vorher ist etwas Aufwand nötig, unter anderem in Form von 120 sogenannten Mikropfählen: Kleine Stahlstäbe in dünnen Zementsäulen, die in den Boden bis zum Fels getrieben werden, um für Stabilität zu sorgen. Das Bohrgerät rüttelt bei der Arbeit, das hat Folgen. Noll hat dazu einen Vergleich parat: "Erdboden ist wie Ketchup. Wenn Sie schütteln, wird es flüssig. Das passiert beim Boden auch." Wenn die Vorbereitungen am Kanal erledigt sind, wird hier im nächsten Jahr die zweite Vilsbrücke gebaut. Einige markante Stellen der künftigen Ortsumgehung zeigt das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach schon jetzt auf seiner virtuellen Besucherplattform. Im Internet sind dabei die künftige Straße, neue Brücken und Kreuzungen schon in die Landschaft gesetzt.

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