28.09.2020 - 16:07 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Solarpark Köfering stößt teilweise auf Ablehnung

Die Bürgerversammlung mit dem Schwerpunkt "Solarpark Köfering" verlief trotz unterschiedlicher Ansichten ohne persönliche Anfeindungen. Gegen Bürgerwillen, so der Bürgermeister, werde der Gemeinderat die PV-Anlage nicht erzwingen.

Weit auseinander und mit Maskenpflicht: Die Bürgerversammlung in Kümmersbruck. Trotz unterschiedlicher Ansichten zum Solarpark Köfering blieben persönliche Anfeindungen außen vor.
von Autor GFProfil

Zu einer Bürgerversammlung hatte die Gemeinde Kümmersbruck in die Mehrzweckhalle eingeladen. Erster Bürgermeister Roland Strehl betonte, dass Kümmersbruck ein attraktiver Wohnstandort bleiben wolle, daher sei dringend Platz für "Neubürger" erforderlich und da denke er an ein neues Baugebiet nahe dem Bachweg. Zur demografischen Entwicklung seiner Gemeinde meinte der Rathauschef, dass derzeit in Kümmersbruck 9873 Bürger mit Hauptwohnsitz, weiter 465 mit Nebenwohnsitz gemeldet seien, Zu- und Wegzug halte sich mit 250 bis 300 Bewohner im Rahmen.

Strehl erinnerte daran, dass seit gut einem Jahr über eine Freiflächen-Photovoltaikanlage in der Gemeinde Kümmersbruck diskutiert werde. Die Energiebauern GmbH habe ohne Zutun der Gemeinde mit den Grundstückeigentümern Vorverträge abgeschlossen. Nach Vorstellung der Bundesregierung soll bis 2030 der Strom in Deutschland zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien produziert werden, was laut Strehl aber kaum zu schaffen sei. Die Gemeinde Kümmersbruck begrüße einen Solarpark, aber der Gemeinderat werde seine Entscheidung erst nach intensivem Dialog mit den Bürgern fällen, sagte er.

Diskussion um PV-Anlage

"Wir, die Interessensgemeinschaft Köfering, sind grundsätzlich nicht gegen Freiflächen-Photovoltaikanlagen", betonte Marc Hoßfeld, "aber wir haben was gegen den geplanten Standort." Errichtet werden soll die Anlage auf einer derzeit landwirtschaftlich genutzten Fläche linksseitig der Straße zwischen Amberg und Köfering. "Wertvolles und fruchtbares Ackerland wird geopfert, Köfering als Eingang zum Naturpark Hirschwald verschandelt." Abgelegene Flächen neben der Autobahn seien bessere Standorte als diese Erholungsfläche, die fußläufig aus dem Köferinger Neubaugebiet erreichbar sei, machte Hoßfeld deutlich. Kein Argument für diesen Standort dürfe auch die Entfernung zum nahegelegenen Umspannwerk sein.

Solarpark-Gegner Marc Hoßfeld aus Köfering: „Wir haben grundsätzlich nichts gegen Freiflächen-Photovoltaikanlagen, aber wir wollen diese nicht neben unseren Häusern.“

Marianne Gutwein appellierte an den Gemeinderat, bei einer Entscheidung auch abzuwägen, dass "wir Köferinger die nächsten Jahrzehnte diesen Solarpark vor Augen hätten". Keine neuen Freunde gewann Heiner Schäfer mit seinem Argument, dass man ja nicht rund um die Uhr auf die Solarmodule starren müsse und eine Vorbeifahrt schnell vorüber sei.

Betreiber ein Atomkraftgegner

Der Geschäftsführer der Energiebauern GmbH aus Sielenbach im Allgäu, Sepp Bichler, erklärte, dass er zu den ersten Atomkraftgegnern, die sich in Bayern formiert hätten, zähle und sich daher seit Jahrzehnten mit Stromerzeugung ohne AKW, ohne Kohle- oder Gaskraftwerke befasse. Die benötigte Strommenge werde immer mehr, daher käme man um Großanlagen zur Stromerzeugung nicht herum.

Sepp Bichler, Geschäftsführer der Energiebauern GmbH, sagt, dass zur Energiewende auch großflächige Freiflächen-Photovoltaikanlagen gebraucht würden.

Bichler stellte sein Unternehmen mit rund 80 Beschäftigten vor und verwies auf viele Projekte, die jährlich rund 400 Millionen Kilowatt Strom produzieren. Im Landkreis Amberg-Sulzbach stehe demnächst der Bau eines 25 Hektar großen Solarparks nahe Hohenzant an. Der Vilsecker Stadtrat habe sich einstimmig für diese Photovoltaikanlage ausgesprochen.

Für jede seiner Anlagen werde eine eigene Betreiber-Firma gegründet, der Verkauf von Anteilen an externe Investoren sei ausgeschlossen, so dass die Gewerbesteuer der jeweiligen Kommune zufließe. Bichler betonte, dass PV-Anlagen emissionsfrei laufen.

Der nahe Köfering geplante Solarpark werde eingegrünt, falle von Köfering her in südlicher Richtung gut fünf Meter ab. Die Fläche unter den Modulen werde als Grünland genutzt und könne durchaus von Schafen beweidet werden. Zur Frage, ob die Energiebauern ausschließlich an einem bestimmten Standort festhalten, meinte Bichler, dass er auch auf jeder anderen geeigneten Fläche seinen Solarpark aufstellen könnte.

Entscheidung nicht gegen Bürger

Die sachlich und ohne persönliche Anfeindung geführte Diskussion schloss Roland Strehl mit dem Hinweis ab, dass sich der Kümmersbrucker Gemeinderat eine Entscheidung zum Solarpark bei Köfering nicht leicht machen werde. "Wir werden uns mit den Argumenten der Bürger auseinandersetzen, einen intensiven Dialog führen, die Bürgerbeteiligung wahren und auf keinen Fall gegen eine mehrheitliche Bürgermeinung entscheiden".

Mehr zur Photovoltaikanlage bei Köfering

Amberg
Die Finanzen der Gemeinde:

Erster Bürgermeister Roland Strehl bezifferte seinen Gemeindehaushalt mit 18,3 Millionen Euro im Verwaltungshaushalt und 8,3 Millionen im Vermögenshaushalt. Strehl bedauerte den Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen von 4 auf 1,8 Millionen Euro.

Positiv sah er einen höheren Einkommenssteueranteil und eine um fast zwei Millionen höhere Kreisumlage im Vergleich zu 2018. Die Gemeinde Kümmersbruck investiere in Maßnahmen wie Dorfplatz Zu den Linden und den Senioren-Wohnpark jeweils deutlich über eine Million Euro. Weitere Großinvestitionen seien der Parkplatz Gabelsbergerstraße, die Feuerwehren, Straßenbaumaßnahmen im Wiesengrund, Jugendtreff und Skateranlage, Kanäle, Rathaus, Schulen. „Bei unseren Kindern dürfen wir nicht sparen“, sagte Strehl. Daher sei mit gut neun Millionen Euro der Neubau der KiTa St. Raphael veranschlagt, mit 3,5 Millionen Euro Sozialwohnungen im Seniorenwohnpark beim Rathaus.

10 Millionen Euro seien für die Erweiterung des Gewerbegebiets Theuern vorgesehen und fast 2 Millionen für die Dorferneuerung Moos und Gärmersdorf. Da das Feuerwehrgerätehaus in Theuern längst nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspreche, seien für einen Neubau mehr als eine Million Euro notwendig.

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