12.03.2019 - 11:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Solarstromerzeugung: Gemeinden wollen die Hoheit

Die Bilanz des Klimaschutzkoordinators für den Landkreis Amberg-Sulzbach bleibt im Kreistag nicht unwidersprochen. Es ging dabei um die Energieerzeugung aus Sonne.

Die Photovoltaik-Anlage in Gärmersdorf liefert schon seit einiger Zeit Strom. Nun soll auch in Köfering eine solche errichtet werden – ebenfalls in Kümmersbruck. Dabei legt Bürgermeister Roland Strehl Wert auf die Planungshoheit der Gemeinde.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Einmal im Jahr legen der Klimaschutzkoordinator für den Landkreis Amberg-Sulzbach und das Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEN) in Ensdorf dem Umweltausschuss des Kreistags eine Bilanz der geleisteten Arbeit im abgelaufenen Jahr vor. Natürlich gehört auch der Blick in die Zukunft dazu, der diesmal nicht unwidersprochen hingenommen worden ist.

Klimaschutzkoordinator Joachim Scheid machte am Montagnachmittag unmissverständlich deutlich: Solarenergie ist derzeit der einzige Energiesektor, in dem es noch Zuwächse geben wird. Dabei sind die Ziele ambitioniert. Von heute knapp 86 Prozent soll der Anteil der Erneuerbaren Energien im Landkreis im Jahr 2035 auf 191 Prozent steigen. 191 Prozent deshalb, so erklärte das am Montag Joachim Scheid, weil ja der Landkreis für die Stadt Amberg mitproduzieren muss, da diese kaum über Flächen verfügt, die für Energieerzeugung infrage kommen.

Geeignete Stellen finden

Im Gegensatz zur Sonne besitzen Wind, Wasser und Biomasse nach den aktuellen Gesetzeslagen derzeit keine Erweiterungsmöglichkeiten als Energieträger, so Scheid. Einzig die Photovoltaik verspreche noch größere Zuwächse. Sein Vorschlag: Erstellung einer Art Positivbefundung für den Landkreis, um die für Solarparks besonders geeigneten Stellen zu finden. "So etwas ist in unmittelbarer Nähe eines Industriegebiets viel sinnvoller als irgendwo sonst in der Landschaft", so Scheid. Der damit aber den massiven Widerspruch von Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl herausforderte.

Strehl hat aktuell in seiner Gemeinde ein Solar-Projekt in Köfering in Aussicht. Die Landwirte hätten dafür die Flächen von sich aus zur Verfügung gestellt. Die seien - zugegebenermaßen - äußerst fruchtbar, vielleicht die besten in ganz Köfering. Allerdings sei die Skepsis aus der Bevölkerung sehr schnell vorbei gewesen, als man erklärt habe, dass dieser Boden bisher zum Anbau von Energiepflanzen für Biomasse genutzt worden sei. "Wenn es für diese Fläche nun einen Ausschluss über die Positivplanung geben würde, wäre das äußerst gefährlich", machte Strehl deutlich, dass sich seine Gemeinde die Planungshoheit über die Photovoltaik nicht aus der Hand nehmen lässt. "Überlassen Sie das den Gemeinden", gab er Joachim Scheid mit auf den Weg.

Der im weiteren Verlauf seiner Jahresbilanz noch auf das nächste Angebot seiner Stelle hinwies: Ab Mai soll es für den Landkreis ein Solarpotenzialkataster für Photovoltaik geben. Das ist im Prinzip die Möglichkeit, über das Internet auf einer Karte sein eigenes Haus anzuklicken und dann zu sehen, ob es sinnvol wäre, hier eine Photovoltaikanlage zu installieren. Vorgestellt wird das Kataster im Rahmen der nächsten Klimaschutzwoche am 13. Mai. Die Woche selbst läuft vom 13. bis 16. Mai und wird wieder eine sehr umfangreiches Programm bieten.

ZEN will nicht eingreifen

Im Anschluss an Joachim Scheid hatte der ZEN-Vorsitzende Richard Gaßner das Wort. Er machte noch einmal deutlich, dass das ZEN in keinster Weise die Absicht habe, in die Planungshoheit der Gemeinden einzugreifen. "Aber wir müssen die Marschstrukturen deutlich erhöhen", forderte Gaßner eine erhebliche Beschleunigung der Anstrengungen in Sachen Klimaschutz. Er tat das übrigens exakt am achten Jahrestag der Katastrophe von Fukushima.

Klimaschutzkoordinator Joachim Scheid stieß mit seinem Vorschlag einer Positivliste für Solarenergie auf Widerspruch im Umweltausschuss des Kreistags.
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