Update 03.08.2018 - 10:20 Uhr
KümmersbruckOberpfalz

Starkregen wütet wieder in Kümmersbruck

Das Ehepaar in der Vilstalstraße in Kümmersbruck ist verzweifelt. Das Wasser steht in ihrem Keller über einen Meter hoch. Mit Schläuchen pumpen Feuerwehrleute aus Amberg das dreckige Nass aus dem Gewölbe.

von Andrea Mußemann Kontakt Profil

(roa) Die Kollegen aus Kümmersbruck sind alle beim Brand in Englsdorf. Am Donnerstagnachmittag halfen sich die Feuerwehren gegenseitig. Kurz vor 14 Uhr öffnete der Himmel seine Schleusen und setzte Teile der Gemeinde unter Wasser. Die Anwohnerin der Vilstalstraße hörte einen dumpfen Schlag und Rauschen. Binnen kürzester Zeit schwappte das Schmutzwasser wellenartig in ihren Keller.

Ein Video vom Donnerstagnachmittag

 

Im benachbarten Maisfeld hätten die Regentropfen kaum versickern können. "Da ist alles trocken wie Beton und läuft ab." Rund um die Sebastian-Kneipp-Straße kann der Kanal die plötzlichen Wassermassen nicht mehr aufnehmen. Die Autofahrer bahnen sich ihren Weg durch den mehrere Zentimeter hohen Pegel. Im Nahe liegenden Rathaus läuft das Wasser zu diesem Zeitpunkt in den Keller. Dort bewältigt der Betriebshof das Abpumpen. Im Baureferat laufen die Drähte zusammen, wo in der Gemeinde gerade "Land unter" ist. In der Siedlerstraße ist ebenfalls der Starkregen zu viel für den Kanal. Der Deckel hebt sich aus der Fassung. Bereits im Mai wütete der Starkregen in Kümmersbruck. Insbesondere in der Sebastian-Kneipp-Straße bot sich ein ähnliches Bild.

Hintergrund:

Woher kommt der Starkregen?

Professor Wolfgang Günthert vom Institut für Wasserwesen der Universität der Bundeswehr in München hat die Risiken, Gefahren und Ursachen von urbanen Sturzfluten untersucht. Er kommt laut einer Pressemitteilung zu dem Ergebnis, dass kaum eine Stadt oder Gemeinde auf die Unwetter vorbereitet ist. In seiner aktuellen Studie „Starkregen – Urbane Sturzfluten 4.0“ nennt Günthert klare Forderungen an Kommunen, Länder und den Bund.

„Starkregen ist enorm gefährlich. Es gibt keine tagelange Vorwarnung wie etwa beim Hochwasser von Flüssen. Die Flut kommt quasi von oben – ohne Deich, ohne Schutz“, sagt Günthert. „Allerdings blenden die meisten Kommunen die Gefahren, die hinter dem wachsenden Starkregen-Risiko stecken, einfach aus. Das ist fahrlässig“, so Günthert. Der Studienautor geht noch weiter: „Die Kommunen müssen zu mehr Prävention gezwungen werden.“

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