28.02.2020 - 14:48 Uhr
KulmainOberpfalz

Wiesend trifft (auf) Wolf

Landauf, landab ist das Thema Wolf in aller Munde. Während man der Ungefährlichkeit, ja sogar der Liebenswürdigkeit dieses Tieres huldigt, zeigt ein Blick in die örtliche Geschichte ein anderes Bild von diesem Wildtier.

Das Bild des Nürnberger Malers Fritz Müller zeigt Martin Wiesend in der Mitte der Jagdgesellschaft jubelnd über dem erlegten Wolf.

1882 wurde der letzte Wolf im Fichtelgebirge erledigt. Dem Kulmainer Gastwirt Martin Wiesend gelang es, den "gefürchteten Feind" niederzustrecken. 1907 wurde in Erinnerung an dieses Ereignis am Scheibenberg eine Säule errichtet: die sogenannte Wolfssäule. Martin Wiesend aus Kulmain (einheimisch Kulma) war der "Held" des Ereignisses.

Er war Metzger, Gast- und Landwirt sowie leidenschaftlicher Jäger. Seit 1777 betrieben seine Vorfahren die Gastwirtschaft in Kulmain. Heute bewirtschaften Otto und Gerdi Wiesend in der siebten Generation das Anwesen.

Fragt man im Ort nach Martin Wiesend, weiß jeder, dass er derjenige war, der den letzten Wolf erledigt hat. Und so ist es auch gekommen, dass in der Gastwirtschaft und unter den Gästen dieses Ereignis des öfteren ein "Tischgespräch" war. Hinzu kommt noch, dass das Ereignis auf einem Bild, das lange Zeit in der Gastwirtschaft aufgehängt war, festgehalten worden ist.

Das Original befindet sich heute im Fichtelgebirgsmuseum in Wunsiedel. Ein langjähriger Übernachtungsgast im Hotel, der Maler Fritz Müller aus Nürnberg, war von der Geschichte so angetan, dass er das Motiv nachmalte, was man heute in der Gaststube des Hotels anschauen kann. Es zeigt Martin Wiesend in der Mitte der Jagdgesellschaft jubelnd über dem erlegten Wolf.

Säule erinnert an Vorfall

Der Tatort des Geschehens befindet sich am Scheibenberg (800 Meter hoch) in der Waldabteilung "Südtanne". Dort steht auch die Wolfsäule. Sie ist rund 2,5 Kilometer vom Bayreuther Haus oder von Frankenreuth oder von Mehlmeisel entfernt. Ein Rundwanderweg, der insgesamt 6,5 Kilometer lang und rund zwei Stunden Gehweg aufweist, führt zu dem Denkmal. Die Schwierigkeit wird mit "Einfacher Weg" angegeben, die Markierung zeigt einen schwarzen Wolf auf gelbem Grund. Auch bei den jetzigen Schneeverhältnissen ist die Säule leicht erreichbar.

In der Waldabteilung Südtanne wurde eine ausgediente Straßenbegrenzungssäule aus Granit zur Erinnerung aufgestellt. In die Säule ist ein Wolf eingemeißelt, dazu das genaue Datum des Vorfalls, 21. Juli 1882, am Sockel befinden sich die Buchstaben H.R.G. und das Jahr 1907, in dem die Säule aufgestellt wurde. H ist der Stifter der Säule - ein Beamter des Straßenbauamtes Kemnath - R ist Roidl - ein königlicher Forstmeister zu Kemnath - und G ist ein königlicher Förster zu Frankenreuth.

Der im vorigen Jahr verstorbene Heimatforscher Bernhard Prechtl aus Mehlmeisel hat sich intensiv mit dem Ereignis beschäftigt. Nach gründlichen Recherchen in der Chronik von Brand/Oberpfalz, im Pfarramt Kulmain und im Forstamt Fichtelberg dürfte sich das Ereignis folgendermaßen abgespielt haben. Er schreibt: "Im königlichen Forstrevier Frankenreuth, Forstamt Kulmain, wurde am 21. Juli 1882 eine Treibjagd für Hirsche organisiert. 16 jagdbegeisterte Männer aus Kemnath, Kulmain, Frankenreuth, Ebnath und Mehlmeisel waren der Einladung gefolgt. Der königliche Förster Josef Schuster machte die Jagdgäste darauf aufmerksam, dass er in seinem Forstbezirk Spuren eines Wolfes aufgespürt habe. Dessen Angaben gingen im allgemeinen Gelächter unter. Sammelpunkt der Jagd war das Kemnather Waldhaus bei Mehlmeisel (heute Bayreuther Haus). Die Jagd nahm ihren Anfang. Die ersten drei Triebe verliefen ohne Erfolg. Nach Schluß des 3. Triebes berichtete ein Schütze in großer Aufregung, dass er ebenfalls Spuren eines Wolfes gesehen habe. Beim 4. Treiben fiel ein Schuß und einige Zeit später zwei Schüsse hintereinander. Der erste Schuß wurde auf einen Kapitalhirsch abgegeben, der auch dann zur Strecke kam. Dem Gastwirtbesitzer Martin Wiesend aus Kulmain kam der Wolf vor die Flinte, der ihn mit vorgenannten zwei Schüssen niederstreckte."

Eine Granitsäule erinnert an den Vorfall von 1882.

Wolf schon verwest

Die Reaktion bei der Jagdgesellschaft und der einheimischen Bevölkerung, so schreibt Prechtl weiter, war überwältigend, hatte doch lange Zeit der Wolf die Bauern und auch die Waldarbeiter, Beeren- und Pilzsammler in Schrecken versetzt. Die Jagdgesellschaft zog sofort ins Frankenreuther Wirtshaus.

Drei Tage soll dort das Fest gedauert haben, wobei sich immer mehr Teilnehmer aus der Bevölkerung dazugesellten. Die Jagdgesellschaft holte sich in Wunsiedel die 80 Gulden Schussprämie ab, denn das Bezirksamt hatte hohe Fang- und Schussprämien für jeden erlegten Wolf ausgesetzt. Wegen des ausgiebigen "Leichtentrunks" hatte man das Ausbalgen des Wolfes vergessen, so dass er bereits nach drei Tagen in Verwesung übergegangen war. Der Wolf wurde präpariert und der Realschule in Wunsiedel geschenkt; von dort soll er ins germanische Museum Nürnberg gekommen sein, wie eine Infotafel des Fichtelgebirgsvereins berichtet.

Die Infotafel gibt Hintergründe zum Vorfall von 1882 wieder.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.