18.06.2018 - 16:50 Uhr
Oberpfalz

Kurz, aber kräftig bremsen

Autos, die mit kochendem Kühler an der Großglocknerstraße stehen, gibt es heute kaum mehr. Dennoch stellt die Urlaubsfahrt eine Herausforderung für Mensch und Technik dar, wenn extreme Passstraßen zu bewältigen sind.

Das Timmelsjoch in 2500 Metern Höhe hat gerade erst geöffnet: Bei Passstraßen vorher über die Befahrbarkeit informieren.
von Autor MOHProfil

Bergauf war früher der „kochende Kühler“ gefürchtet. Beim heutigen, geschlossenen Kühlsystem kann das Kühlmittel nach dem Prinzip des Dampfkochtopfes unter einem Druck bis 1,0 bis 1,5 Bar stehen. Dabei erreicht es 115 bis 130 Grad Celsius, ohne zu kochen. Sollte doch unterwegs das Überdruckventil abblasen, kann man vorübergehend auch gewöhnliches Leitungswasser nachfüllen. Nicht über die Max-Markierung auffüllen, denn der Ausgleichsbehälter heißt deswegen so, weil er den durch Erwärmung ansteigenden Flüssigkeitsstand ausgleichen soll.

Nach wie vor gefährlich auch bei modernen Autos sind dagegen Dampfblasen in der Bremsflüssigkeit. Die ist nämlich wasseranziehend (hygroskopisch), um eingedrungene Feuchtigkeit vorübergehend zu binden. Ist der Wassergehalt aber zu hoch, kann es zur Bildung von Dampfblasen kommen. Da diese zusammengedrückt werden können („kompressibel“ sind), kann es bei heißer Bremse zum schlagartigen Ausfall des betroffenen Bremskreises kommen. Das wird dadurch gefördert, wenn bei einer längeren Gefällestrecke das Bremspedal dauernd leicht getreten wird („Touristenbremse“). Dann hat die entstehende Reibungswärme genügend Zeit, die Bremsflüssigkeit aufzuheizen.

Richtig ist, die Bremse kurz, aber kräftig zu bedienen. Regelmäßiger Wechsel der Bremsflüssigkeit kostet nicht viel, kann aber sinnvoll nur in einer Werkstatt vorgenommen werden, weil sie das nötige Entlüftungsgerät hat. Weniger spektakulär ist das Bremsfading, das allmähliche Nachlassen der Bremswirkung. Es wird durch zu stark abgefahrene Bremsscheiben gefördert, weil diese weniger Wärme aufnehmen können und die Temperatur zwischen Bremsklotz und Scheibe zu hoch wird. Der Flüssigkeitsstand im Bremsflüssigkeitsbehälter sollte auf Maximum stehen, sonst ist die Leitung undicht oder die Bremsklötze sind schon stark abgefahren.

Natürlich wird vor der Reise der Reifendruck geprüft. Fällt ein Reifen hier durch schleichenden Luftverlust auf, hat er sich möglicherweise einen spitzen Gegenstand eingefahren oder das Ventil ist undicht oder der Felgenwulst korrodiert. Reifen nach Herstellerangaben befüllen. Eher 0,2 Bar mehr einfüllen als weniger. Eine Fußluftpumpe oder ein kleiner elektrischer Kompressor darf gerne mit ins Reisegepäck. Ölverbrauch tritt bei modernen Motoren kaum mehr auf. Dennoch kann es nicht schaden, eine Flasche Motoröl mitzunehmen. Nach häufigem Kurzstreckenbetrieb kann das Öl durch Treibstoff und Wasser verdünnt werden, das auf der Langstrecke wieder verdunstet und den scheinbaren Ölstand schnell sinken lässt.

Der Ölstand sollte bei Beginn der Reise auf Maximum stehen. Man sollte die Verkehrsvorschriften der durchfahrenen Länder nachlesen, denn die sind manchmal kurios (einige Beispiele im Infokasten). So verlangt zum Beispiel Tschechien das Mitführen eines Ersatzlampen-Sets, obwohl man die Birnen heute bei vielen Autos nicht mehr selber wechseln kann.

Wer sich die ganze Kontrolle sparen will: Heute bieten die meisten Werkstätten einen günstigen Urlaubs-Check an, der sich vor allem dann empfiehlt, wenn die letzte planmäßige Wartung schon eine Weile her ist. Die meisten haben heute über die Versicherung, den Automobilclub oder die Werkstatt, oft auch über alle zusammen, eine Mobilitätsgarantie. Die nötigen Rufnummern und Mitgliedskarten sollten griffbereit im Auto liegen. (moh)

Der Reifendruck sollte vor der Fahrt auf jeden Fall geprüft werden.
Hier passt der Ölstand. Dennoch schadet ein Fläschchen Ersatzöl nicht.
Info:

Vorschriften im Ausland

In Tschechien und Ungarn gilt die 0,0-Promille-Grenze (sonst meist 0,5 Promille wie in Deutschland).

In vielen Ländern gilt Lichtpflicht auch tagsüber. Nicht überall reicht das Tagfahrlicht.

Rauchverbot, wenn Kinder im Auto sind, ist zum Beispiel in Österreich, Italien und Frankreich.

Radarwarngeräte: Oft hohe Geldstrafen in vielen Ländern.

In Italien gilt im Sommer Winterreifen-Verbot, wenn die Reifen einen geringeren Geschwindigkeitsindex haben, als im Fahrzeugschein angegeben.

Unklar ist zurzeit noch die Erlaubnis, Dashcams laufen zu lassen. Hier herrscht oft noch Rechtsunsicherheit.

In vielen Ländern muss beim Verlassen des Fahrzeugs außerhalb von Ortschaften nach einem Unfall oder einer Panne eine Warnweste getragen werden. Am besten gleich mehrere mitführen.

Seit 2012 gilt in Frankreich, dass ein Alkoholtestset mitgeführt werden muss. Diese Vorschrift scheint laut ADAC aber inzwischen vom Tisch zu sein.

Vollständige Tabellen zu allen Vorschriften gibt es zum Beispiel auf www.adac.de/der- adac/rechtsberatung/verkehrsvorschriften. (moh)







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