01.07.2019 - 18:06 Uhr
Oberpfalz

Lampedusa und die europäische Flüchtlingspolitik

Lampedusa ist zum Mahnmal für das Scheitern der europäischen Flüchtlingspolitik geworden. Carola Rackete erinnert die Europäer an ihre moralische Pflicht. Ein Kommentar von Alexander Pausch.

Migranten vom Rettungsschiff "Sea-Watch 3" sitzen bewacht von Polizisten auf dem Steg im Hafen der Insel Lampedusa.
von Alexander Pausch Kontakt Profil
Kommentar

Auf Lampedusa entscheidet sich wieder einmal die europäische Flüchtlingspolitik. Vor sechs Jahren mahnte Papst Franziskus bei einem Besuch auf der italienischen Insel eindringlich die Europäer, sie sollten das Schicksal der Flüchtlinge nicht vergessen. "Diese Brüder und Schwestern von uns suchten, schwierigen Situationen zu entkommen, um ein wenig Sicherheit und Frieden zu finden; sie suchten einen besseren Ort für sich und ihre Familien, doch sie fanden den Tod." Das Oberhaupt der katholischen Kirche fordert nichts weniger als Menschlichkeit.

Lange Zeit hatten sich die europäischen Regierungen den Appell des Papstes zu Herzen genommen. Von 2015 bis zum März beteiligte sich die Europäische Union mit ihren Operationen an der Rettung von rund 730 000 Flüchtlingen im Mittelmeer. Dann hat wieder die Kaltherzigkeit, das erbarmungslose Kalkül der Machtpolitik, die Regie übernommen. An der Frage nach der Flüchtlingsverteilung zerbrach die Zusammenarbeit.

Mit dem Abzug der Schiffe aus der EU-Operation Sophia wurde die Menschlichkeit wieder zur alleinigen Aufgabe nicht-staatlicher Hilfsorganisationen. Mit der unerlaubten Einfahrt in den Hafen von Lampedusa hat die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, das in Erinnerung gerufen. Ihre Verhaftung ist in der Tat "unannehmbar", wie Erzbischof Stefan Heße sagt, so lange sich die europäischen Staaten der Seenotrettung verweigern.

Doch die christlichen Werte, auf die sich alle Europäer in ihren Sonntagsreden so gerne berufen, spielen in der Debatte über Flüchtlinge schon lange keine Rolle mehr. Es geht um Machterhalt und es geht für einige darum, sich nicht schon wieder einem vermeintlichen oder tatsächlichen Diktat der Deutschen beugen zu wollen.

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