11.01.2021 - 18:26 Uhr
Letzau bei TheisseilOberpfalz

Letzauerin fordert zehn Milliarden für Duogynon-Opfer

Margret-Rose Pyka aus Letzau fordert zehn Milliarden Euro Schadenersatz für die Opfer im Arzneimittel-Skandal um Duogynon. Es geht um Missbildungen an Embryonen. Die Aufklärung zieht sich seit Jahrzehnten hin.

Margret-Rose Pyka kämpft seit 41 Jahren gegen die Pharmafirma Schering und ihren Rechtsnachfolger Bayer. Es geht um eine Entschädigung für duogynongeschädigte Kinder.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Zehn Milliarden Euro Schadenersatz und eine lebenslange Sicherungsrente für Duogynon-Geschädigte und die Familien verstorbener Kinder. Das fordert Margret-Rose Pyka als Vorsitzende des Bunds der Duogynongeschädigten vom Pharmahersteller Bayer und der Bundesregierung.

"Es geht um eine ganze Lebenszeit unter wahnsinnig erschwerten Bedingungen", ärgert sich Pyka, die Jahrzehnte in Letzau bei Weiden gelebt hat und im vergangenen Jahr nach Krefeld gezogen ist. Seit 40 Jahren setzt sie sich für die Opfer von Duogynon ein. Zwischen 1950 und 1981 wurde die Arznei dazu benutzt, eine Schwangerschaft nachzuweisen. Viele Frauen, die das hormonelle Mittel eingenommen haben, haben Monate später ein Kind mit Missbildungen geboren. Pykas Tochter kam 1976 mit einem Klumpfuß zur Welt. 1978 ahnte die Mutter, dass die Tabletten mit dem künstlichen Hormon von der Pharmafirma Schering daran schuld sein könnten. Seitdem kämpft die Frau für Gerechtigkeit. Pyka hat sich tief in die Materie eingearbeitet, kennt Studien, Gutachten, chemische Prozesse, verfolgt Recherchen und Untersuchungen zu Dougynon. 600 Opfer seien in Deutschland bekannt, sagt Pyka. Ihre hohe Geldforderung hat sie in der kürzlich aktualisierten Fassung ihrer Petition festgeschrieben.

Denn bis heute haben weder der Arzneimittelhersteller Bayer, der Rechtsnachfolger von Schering ist, noch die Bundesregierung anerkannt, dass Duogynon die DNA der ungeborenen Kinder verändert hat und schuld an Missbildungen und toten Babys ist. Bisher weigern sich Behörden und Bayer, die schädliche Wirkung von Duogynon anzuerkennen. Pyka sagt: Hersteller und Ämtern war die Wirkung seit den 1970er Jahren bekannt, unternommen wurde nichts. Erst 1981 kam das Mittel vom Markt.

Nur langsam kommt die Aufklärung in dem Fall, der an den Contergan-Skandal erinnert, voran. Auf einen Brief von 38 Bundestagsabgeordneten, darunter der Weidener Uli Grötsch (SPD) vom Sommer 2019, kam ein Jahr später die Antwort aus dem Kanzleramt: Man wolle das Vorgehen in Großbritannien beobachten. Dort wurde das Mittel unter dem Namen Primodos verkauft. Eine Kommission hat die Wirkung inzwischen anerkannt, der Gesundheitsminister bat um Entschuldigung. Mit der hohen Summe, die sie nun für die Opfer fordert, will Pyka auch Aufmerksamkeit erreichen. "Wir haben alle Beweise zusammengetragen ... aber niemand hört uns zu."

Ein Artikel über den Aufklärungsprozess in Großbritannien

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Margret-Rose Pyka kämpft seit 42 Jahren für die Duogynon-Opfer

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Info:

Duogynon

  • Verkauf: Von 1950 bis 1981 auf dem deutschen Markt; ab 1978 unter dem Namen Cumorit
  • Hersteller: Schering
  • Verabreichung: Ärzte haben es mit zwei Tabletten oder zwei Spritzen als Schwangerschaftstest verabreicht. Wer abtreiben wollte, nahm vier Tabletten.
  • Inhaltsstoffe: Von den vier Substanzen haben drei eine schädigende Wirkung, erläutert Margret-Rose Pyka: Ethinylestradiol, Norethisteronacetat und Östradiolbenzoat. Alle drei sind künstliche Hormone. Außerdem war Progesteron drin, was keine schädigende Wirkung hat. Ethinylestradiol soll verhindert haben, dass die Leber die anderen Stoffe metabolisiert. „Das hat Schering auch zugegeben, dass sie das so designt haben“, sagt Pyka, eine betroffene Mutter, die Jahrzehnte in Letzau (Kreis Neustadt/WN) gelebt hat. Wenn Norethisteronacetat auf die Plazenta stieß, hat diese ihn in Ethinylestradiol umgewandelt. Der Embryo erhielt so eine riesige Menge der gefährlichen Hormone. Schon 1969 wurde laut Pyka festgestellt, dass sie die DNA des Embryos verändern. So soll es zu den Missbildungen gekommen sein. Nach Dr. Reinhard Seeber, Arzt und Chemiker, habe bisher niemand bestätigt, dass die Umwandlung der Stoffe in der Plazenta geschieht.

 

 

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