15.11.2021 - 13:44 Uhr
Leugas bei WiesauOberpfalz

Fachmann aus Tirschenreuth zeigt den richtigen Obstbaumschnitt

Simon Rauch hat die Obstbäume, Harald Schlöger weiß mit ihnen umzugehen. Als Team wollen der Kreisgartenfachberater und der Biogemüsebauer ihre Erkenntnisse in einem Kurs an viele Gärtner weitergeben. Vorab gibt es schon ein paar Tipps.

In der Obstplantage bei Leugas finden Kreisgartenfachberater Harald Schlöger (links) und Biogemüsebauer Simon Rauch ausreichend Anschauungsmaterial für den Baumschnittkurs, der bald stattfinden soll.
von Ulla Britta BaumerProfil

Gemüsebauer Simon Rauch aus Krummennaab und Kreisgartenfachberater Harald Schlöger planen einen besonderen Schnittkurs, um die Sensibilität der Kleingärtner für Obstbäume und ihre wichtige Funktion im Naturgarten zu wecken. Anmeldungen sind noch möglich.

Ein Lehrgang soll zeigen, wie der Laie seinem Gehölz den richtigen Schnitt verpassen kann für eine reiche Ernte. Gleichzeitig soll der Wert der Gartenkulturen für die Natur in den Vordergrund rücken. Zur Besichtigung der Obstbaumplantage, die Simon Rauch vom ehemaligen Bioanbau-Pionier Sebastian Höcht aus Leugas übernommen hat, haben die beiden Fachleute noch kein Werkzeug dabei. Kursleiter Harald Schlöger will sich erst einmal umschauen im Bestand und sucht beim Durchstreifen der großen Streuobstwiese gleich geeignete Bäume für die Praxis aus.

Schnitt mit Augenmaß

Simon Rauch hat gut 100 Obstbäume, die 25 bis 30 unterschiedliche Sorten tragen, oberhalb von Leugas an einem Feldrand zu betreuen. Der junge Mann versteht zwar viel von Gemüse, beim Baumschnitt ist er allerdings noch überfordert. Rauch stellt also nicht nur seine Plantage zur Verfügung, sondern möchte selbst als Kursteilnehmer viel lernen.

Harald Schlöger hat alles im Griff und im Blick. Kaum angekommen, sieht er sofort, dass es sich hier um eine alte Anlage handelt, die dringend umfangreiche Pflege braucht. "Das müssen aber nicht die Kursteilnehmer übernehmen", betont er. Keiner muss schuften, um die ganze Plantage auf Vordermann zu bringen. Das sei sowieso in kurzer Zeit gar nicht möglich, rät er bei der Pflege von Obstbäumen zum regelmäßigen Schnitt mit Augenmaß.

Wichtig ist ihm, dass die Pflanzen am besten in der Jugend bereits in Form geschnitten werden. "Das ist hier nicht mehr möglich. Dann wird es schwierig", sagt Schlöger. Schwierig, aber nicht hoffnungslos: Auch alten Bäumen kann zur Verjüngungskur verholfen werden. Das soll der Kurs am Samstag, 20. November, zeigen. Auf die Baumbesitzer warten wertvolle Tipps im Umgang mit den knorrigen Gartengesellen.

Triebe unterscheiden lernen

Von Radikalkuren rät Schlöger ab. "Besser ist es, vor dem Schnitt eine halbe Stunde um den Baum zu laufen, um zu erkennen, was überhaupt notwendig ist." Äste einfach abzuschneiden wäre schlecht, denn die Bäume haben Jahrestriebe und Obsttriebe. An einigen der alten Apfelbäume in Simon Rauchs Streuobstwiese zeigt Schlöger den Unterschied. Sei das Wachstum eines Obsttriebs es erst einmal in die richtigen Wege gelenkt, könne man ihn gern auch eine Weile in Ruhe lassen.

Simon Rauch möchte wissen, warum die Bäume in diesem Jahr zwar viele, aber kleine Äpfel tragen. Auch das sei lenkbar, erklärt der Fachmann: "Die Bäume haben im Grunde immer den gleichen Ertrag. Mal sind es weniger, aber dafür größere Äpfel." Bei reicher Blüte seien es dann eben viele, aber kleinere Früchte. Auf Großplantagen würden sie während der Wachstumsphase reduziert, um große Früchte zu erzielen. Das sei auch im heimischen Garten machbar.

Bei der Vielfalt an Äpfeln, Birnen oder Zwetschgen kann Simon Rauch auf seinem Grundstück klotzen. Immerhin tragen seine Bäume nahezu 30 unterschiedliche Obstsorten. Schlöger rät für den Privatanbau zu solchen Sorten, die es schon lange gibt. "Was im Supermarkt verkauft wird, kann man gleich vergessen als Baum im Garten." Als Beispiele für Robustheit, guten Geschmack und lange Haltbarkeit nennt er den Boskop, den Grafensteiner, den Danziger Kantapfel oder mit dem Tobaz eine gute, tschechische Sorte. Die Auswahl sollte auf das persönliche Bedürfnis abgestimmt sein. "In einem Familiengarten macht ein Boskop, der erst ab Februar richtig genießbar ist, wenig Freude. Die Kinder wollen Äpfel pflücken und sofort hineinbeißen."

Sorte für den Obstbrand

In Simon Rauchs Bestand sind auch Zwetschgen, Kirschen und ein paar verwilderte Quitten. Bei den Birnen bleibt der Schwenk zum Obstbrand nicht aus: "Conference" sei zum Beispiel eine gute Sorte dafür, weiß Fachmann Schlöger. Bei den Birnen reiche meist ein Baum, weil die Früchte kaum lagerfähig seien. Äpfel dagegen seien vielseitig einsetzbar in der Küche. Deshalb könnten es im Garten gern mehr sein.

Damit die Obsternte nicht wie im Märchen "Goldmarie und Pechmarie" in schwere Arbeit ausartet, betont Schlöger: "Bäume brauchen Pflege, ein Leben lang." Nur damit könne man sie in die gewünschte Richtung lenken, auch was die Höhe angeht. Geschnitten würden Bäume im Herbst, wenn sie auch neu gepflanzt werden können. Möglich sei das aber auch im Frühjahr oder Sommer.

Der Kreisfachberater rät zu wilden Ecken im Garten

Tirschenreuth
Hintergrund:

Anmelden zum Baumschnittkurs

  • 30 Plätze sind im kostenlosen Obstbaumschnittkurs zu vergeben.
  • Termin ist Samstag, 20. November, ab 10 Uhr.
  • Die Teilnehmer sollten selbst ihr Werkzeug mitbringen, also eine Gartenschere, eine Bügel- oder Japansäge sowie eine Leiter.
  • Treffpunkt ist gegenüber der alten Biogärtnerei Höcht in Leugas 5 bei Wiesau.
  • Anmeldungen nimmt Simon Rauch entgegen: Telefon 0160/7664207 oder E-Mail simonrauch[at]web[dot]de

„Besser ist es, vor dem Schnitt eine halbe Stunde um den Baum zu laufen, um zu erkennen, was überhaupt notwendig ist.“

Kreisfachberater Harald Schlöger

 

 

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